Corona

Corona: Ämter fordern Restaurant-Kontaktdaten kaum ein

Restaurants, Cafés und Co. müssen die Kontaktdaten ihrer Kunden und Gäste aufnehmen, damit das Gesundheitsamt gegebenenfalls darauf zurückgreifen kann. 

Restaurants, Cafés und Co. müssen die Kontaktdaten ihrer Kunden und Gäste aufnehmen, damit das Gesundheitsamt gegebenenfalls darauf zurückgreifen kann. 

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr  Seit Wochen sind bestimmte Betriebe verpflichtet, Kontaktdaten ihrer Gäste aufzunehmen. Die meisten Gesundheitsämter brauchten sie bisher nicht.

Seit Wochen ist dieses Vorgehen in Restaurants, Cafés und Co. nicht mehr wegzudenken: Die Aufnahme der Kontaktdaten. Wer Platz nimmt, muss Name, Adresse und Telefonnummer hinterlegen. Im Falle, dass sich ein Gast mit dem Coronavirus infiziert, sollen die Daten den Gesundheitsämtern bei der Kontaktverfolgung maßgeblich helfen, um eine Infektionskette effektiver zurückverfolgen zu können.

Auffallend: Bisher haben kaum Gesundheitsämter an Rhein und Ruhr davon Gebrauch gemacht. Das berichten die Städte Oberhausen, Mülheim, Essen und Duisburg sowie die Kreise Wesel und Kleve auf NRZ-Anfrage. Auch der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) NRW erklärt, dass dem Verband noch keine Betriebe bekannt wären, die Kontaktdaten zur Verfügung stellen mussten. Lediglich die Stadt Düsseldorf musste bisher in sieben Fällen Kontaktdaten einfordern.

Kontaktdaten der Restaurants: Eine Ermessensentscheidung

Wann ein Gesundheitsamt aktiv werden und die Kontaktdaten eines Restaurants einfordern muss, sei eine Ermessensentscheidung der Gesundheitsämter vor Ort, heißt es aus dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) des Landes Nordrhein-Westfalen. "Das kann sehr variieren", erklärt ein Sprecher.

Grundsätzlich gilt: Wird eine Person positiv getestet, stellt das Gesundheitsamt verschiedene Fragen, unter anderem zum Aufenthalt der betroffenen Person in den vergangenen 14 Tagen. Sollte ein gastronomischer Betrieb dabei sein, wird dieser vor Ort besucht. "Dann werden die Gegebenheiten vor Ort kontrolliert", erklärt ein MAGS-Sprecher.

Die Entscheidung, ob und in welchem Ausmaße Kontaktdaten benötigt werden, sei von verschiedenen Faktoren abhängig. Saß die betroffene Person drinnen oder draußen? Wie groß ist das Lokal? Hat der Betrieb die vorgeschriebenen Abstands- und Hygienevorschriften eingehalten? Individuell werde daraufhin entschieden, ob und wie viele Kontaktdaten des Lokals notwendig sind. Das heißt: Sollte eine infizierte Person ein Restaurant aufgesucht haben, werden nicht zwangsläufig sämtliche Gäste, die zur selben Zeit dort waren, über den Corona-Fall informiert.

Kontaktdaten: Entscheiden ist die Kategorie der Kontaktpersonen

Entscheidend für ein weiteres Vorgehen sei, nach welcher Kategorie eine Kontaktperson gemäß der Vorgaben des Robert Koch-Instituts (RKI) eingestuft wird. "Es würde dann im Rahmen eines Interviews geklärt, ob eine Risikokonstellation bei dem Restaurantbesuch vorlag, insbesondere ob gemäß der Kriterien des RKI die jeweilige Person als Kontaktperson eingestuft werden müsste", erklärt Hans-Henning Karbach, Leiter des Gesundheitsamtes in Oberhausen.

Kategorie 1, bei der mindestens 15 Minuten Gesichtskontakt, etwa durch ein Gespräch, bestand, bescheinigt ein "erhöhtes Infektionsrisiko". Ist das der Fall, würde sofort mündlich eine 14-tägige Quarantäne angeordnet werden.

Das Erheben von Kontaktdaten der Gäste und Kunden ist für Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe, Friseursalons, Kosmetik- und Massagestudios sowie Fitnessstudios verpflichtend. Dazu zählt neben Name, Adresse und Telefonnummer auch der Zeitraum, in dem eine Person vor Ort war. Diese Daten müssen anschließend vier Wochen aufbewahrt werden.

"Ob ein Gastwirt darüber hinaus Fragen stellt, ist ihm überlassen", erklärt Dehoga-NRW-Geschäftsführer Kurt Wehner. Manche Lokale stellen zum Beispiel zusätzliche Fragen über den Gesundheitszustand und zu Kontakten mit infizierten Personen - als zusätzliche Absicherung. Denn in der Landesverordnung steht unter anderem: "Gäste sowie Beschäftigte mit Symptomen einer Atemwegsinfektion, ist der Zutritt zu den Geschäftsräumen zu verweigern".

Kontaktdaten müssen "sicher" vernichtet werden

Für Kurt Wehner ist die zusätzlich Abfrage daher nicht überraschend: "Alle haben ein Interesse daran, dass ihre Geschäfte und Restaurants aufbleiben dürfen", erklärt er. Nach Ablauf der vier Wochen gibt die Landesverordnung vor, die Kontaktdaten "sicher zu vernichten", genauere Angaben gibt es nicht. "Mit 'sicher' ist datenschutzkonform gemeint", erklärt Wehner. Eine einfache Entsorgung im Papiercontainer reiche daher nicht aus.

Der Dehoga-Verband empfiehlt den Betrieben einen Aktenvernichter - "die meisten haben bereits einen", so Wehner. Idealerweise sollte dieser die Sicherheitsstufe "P4" erfüllen, geeignet für Dokumente mit besonders sensiblen, vertraulichen und personenbezogenen Daten. "Wir würden uns immer Wünschen, dass das Verständnis dafür da ist, dass die Gastwirte das nicht aus Jux und Tollerei tun, sondern weil sie es müssen", betont Wehner.

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