Hochinzidenzgebiet

Grenze zu Niederlanden: Polizei fragt nach Corona-Tests

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Die Polizei kontrolliert am Grenzübergang in Herongen.

Die Polizei kontrolliert am Grenzübergang in Herongen.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Am Niederrhein.  Seit Dienstag gelten die Niederlande als „Hochinzidenzgebiet“. Bei Einreisen gilt eine Testpflicht, die Polizei kontrolliert an der NRW-Grenze.

An der Grenze zwischen den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen haben am Dienstagmorgen stichprobenartige Kontrollen begonnen. Nachdem die Bundesregierung das Nachbarland zum „Hochinzidenzgebiet“ erklärt hatte, gelten seit Mitternacht verschärfte Einreisekriterien: Nur wer einen negativen Corona-Test vorweisen kann, darf nach Deutschland einreisen.

Bundes- und Landespolizei starteten am Morgen mit den Kontrollen. So kontrollierte etwa eine Einheit der Bundespolizei am Grenzübergang an der Niederdorfer Straße in Straelen-Herongen (Kreis Kleve) immer wieder Einreisende aus den Niederlanden in ihren Autos. Mehrere Personen wurden zurückgeschickt, Staus gab es an dem Grenzübergang am Vormittag keine.

Offiziell heißt es von der Bundespolizei dazu allerdings: Wenn jemand keinen negativen Test vorweisen könne, werde er aber auch nicht an der Einreise gehindert. „Wir weisen keinen Reisenden an der Grenze zurück.“ Vielmehr würden dann die Daten des Reisenden aufgenommen, und er werde aufgefordert, umgehend in Deutschland einen Test nachzuholen und das Ergebnis zu mailen. Lesen Sie hier eine ausführliche Reportage vom ersten Kontrolltag am Grenzübergang in Herongen.

Zum Hintergrund: Weil es in den Niederlanden derzeit so viele Corona-Neuinfektionen gibt, hat die Bundesregierung das Nachbarland zum „Hochinzidenzgebiet“ erklärt. Seit Mitternacht gelten deshalb für die Einreise neue Regeln. Die Wocheninzidenz lag in den Niederlanden zuletzt bei etwas mehr als 300 und damit mehr als doppelt so hoch wie auf dieser Seite der Grenze.

Kleves Landrätin Gorißen begrüßt, dass Grenze offen bleibt

Einreisende, also auch Reiserückkehrer brauchen einstweilen einen aktuellen, negativen Corona-Test - nicht älter als 48 Stunden. Dann entfällt auch die sonst weiter gültige zehntägige Quarantänepflicht. Zudem muss die Einreise vorher online angezeigt werden - es sei denn, man ist nur auf Durchreise oder bleibt weniger als 24 Stunden in Deutschland.

Gut für Pendler und Familienbesuche: Die Grenze bleibt grundsätzlich offen. Kleves Landrätin Silke Gorißen (CDU) begrüßte das ausdrücklich. Allerdings besteht auch für kleinen Grenzverkehr fortan eine Testpflicht. Einfach mal „so rüber“ - das geht nicht, weder in die eine noch in die andere Richtung. Zum Einkaufen oder Tanken sowie für kurze Besuche im Nachbarland ist ein negativer Test nötig.

Am Ostermontag hatten offenbar viele Niederländer noch mal die Chance genutzt, nach NRW zum Tanken zu fahren. So gab es beispielsweise rund um Emmerichlange Staus an den Tankstellen. „Ab Dienstag wird das nicht mehr so einfach möglich sein“, sagte eine Bundespolizei-Sprecherin auf Nachfrage der Redaktion.

NRW-Landesregierung: Pendler können Test unmittelbar nachholen

„Wir werden das stichprobenhaft kontrollieren und mit verstärkten Kräften im Einsatz sein“, kündigte die Bundespolizeisprecherin an. Die NRW-Landesregierung weist daraufhin, dass Grenzpendler den Test auch „unmittelbar nach Einreise“ nachholen können, etwa beim Eintreffen am Arbeitsplatz. Bei Pendlern darf der Test grundsätzlich höchstens 72 Stunden alt sein. Nordrhein-Westfalen hat im Rheinland und im Münsterland eine 400 Kilometer lange Grenze mit dem Nachbarland, es gibt mehr als 50.000 Pendler.

Akzeptiert würden – ganz grundsätzlich – sowohl PCR-Tests wie auch PoC-Schnelltests eines medizinischen Dienstleisters sowie Selbsttests unter Aufsicht fachkundigen Personals: „Die für Einreisende ist ein wichtiger Baustein in der Pandemiebekämpfung“, betonte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Er zeigte sich überzeugt, dass eine Lösung gefunden worden sei, „als auch der Lebenswirklichkeit der Menschen gerecht wird“.

Niederlande fahren andere Teststrategie als Deutschland

NRW und die Niederlande hatten sich im Vorfeld der Entscheidung der deutschen Bundesregierung abgestimmt. „Wir sind davon nicht überrascht worden“, erklärte Laschet am Montag nach dem Besuch des Impfzentrums der Städteregion Aachen. Mit den Niederländern sei verabredet worden, dass zusätzliche Testangebote in Grenznähe bereitgestellt werden.

Corona-Tests sind bislang nicht leicht zu bekommen. Die Niederlande fahren eine andere Teststrategie als Deutschland. Private Testzentren entstehen erst nach und nach, meist nur in großen Städten, und sie lassen sich ihre Dienste teuer bezahlen. Ein Anspruch auf einen kostenlosen Test wie in Deutschland, wo das einmal in der Woche möglich ist, besteht nicht.

Testpaket kann dort schnell mit über 100 Euro zu Buche schlagen

Je nach Anbieter werden für einen selbst veranlassten Schnelltest mindestens 70 Euro kassiert, nicht wie in Deutschland 30 bis 40 Euro. Eine schriftliche Bestätigung eines negativen Ergebnisses, wie sie als Nachweis für eine Reise ins Ausland nun nötig wird, lassen sich die Zentren zudem meist extra bezahlen. Das „Paket“ schlägt bei einigen Test-Unternehmen mit weit über 100 Euro zu Buche. Zudem braucht der Kunde fast überall einen Termin – und nicht nur dafür entsprechende Sprachkenntnisse.

Einfache Selbsttests werden für den Grenzübergang nicht anerkannt und sind in den Niederlanden ohnehin kaum zu bekommen. Zuletzt fuhren viele Niederländer über die Grenze, um sich in NRW mit Selbsttests einzudecken. In den öffentlichen Teststraßen wird im Nachbarland, ähnlich wie bei den deutschen Nachbarn, nur getestet, wer Symptome hat, Kontaktperson ist oder wessen App Alarm geschlagen hat – dann auf Kosten der Krankenkasse.

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