Neue Auflagen

Bauernpräsident Conzen sieht „enorme Angst“ im Berufsstand

Seit Monaten gibt es immer wieder Protestaktionen von Landwirten. An diesem Montag (16. Februar 2020) soll es einen „Bauerntag“ in der Niederrheinhalle in Wesel geben.

Seit Monaten gibt es immer wieder Protestaktionen von Landwirten. An diesem Montag (16. Februar 2020) soll es einen „Bauerntag“ in der Niederrheinhalle in Wesel geben.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Am Niederrhein.  Hunderte Landwirte werden am Montag in in Wesel erwartet. Immer neue Forderungen verunsicherten den Berufsstand, klagt Bauernpräsident Conzen.

In der Debatte um mehr Tierwohl, neue Umweltauflagen und höhere Lebensmittelpreise hat der rheinische Bauernpräsident Bernhard Conzen Verlässlichkeit für seinen Berufsstand und Unterstützung durch die Politik gefordert. „Landwirte müssen wissen, wo der Zug hinfährt“, sagte Conzen im Gespräch mit der Redaktion. Mit Blick auf die Zukunft sei in seinem Berufsstand „eine enorme Angst unterwegs“.

Conzen äußerte sich im Vorfeld eines „Bauerntages“, zu dem an diesem Montag (17. Februar 2020) mehr als 600 Landwirte in der Niederrheinhalle in Wesel erwartet werden. Als Gastredner angekündigt sind Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) und der Bundesvorsitzende des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Ruckwied. Die durch immer neue, massive Forderungen verunsicherten Landwirte benötigten Planungssicherheit, mahnte Conzen.

Zeitfenster für Baumaßnahmen nötig

Insbesondere am Niederrhein ist die neue Düngeverordnung ein großes Thema. Conzen forderte baldige Klarheit über die sogenannten „roten Gebiete“ – also jene Areale, in denen die Nitratbelastung im Grundwasser besonders hoch und die Restriktionen besonders streng sind. Bei der Schaffung neuer Lagerkapazitäten für Gülle benötige man ein Zeitfenster für Baumaßnahmen, dringend schnellere Baugenehmigungen und nicht zuletzt auch finanzielle Unterstützung. „So ein neuer Güllebehälter kostet schnell 250.000 Euro und mehr“, sagte der Bauernpräsident.

Conzen erinnerte gegenüber der Redaktion daran, dass Landwirtschaft gerade auch am Niederrhein keine Folklore sei, sondern ein echter Wirtschaftsfaktor. In den Kreisen Wesel, Kleve und Viersen sei von 3500 bis 4000 bäuerlichen Betrieben auszugehen: „Dazu kommen aber noch viele Arbeitsplätze in der Verarbeitung.“ Und nicht vergessen dürfe man, dass die Landwirtschaft, zum Beispiel, bei der Digitalisierung ein Innovationsmotor sei.

Lebensmittelausgaben besonders niedrig

Verbraucher müssten erkennen, dass höhere Standards bei der Nutztierhaltung Kosten verursachen und sich dies auch in den Lebensmittelpreisen niederschlagen müsse. Im europäischen Vergleich seien die Lebensmittelausgaben in Deutschland außerordentlich niedrig: „Für höhere Standards beim Tierwohl muss die Gesellschaft bezahlen“, forderte Conzen.

Die finanzielle Lage auf vielen Höfen ist angespannt. Eine Stichprobe der Landwirtschaftskammer hatte fürs Wirtschaftsjahr 2018/2019 ergeben, dass die Betriebseinkommen im Schnitt um fast ein Viertel gesunken sind. Für Schweine erzielen Bauern aktuell zwar gute Preise; diese dürften aber von jetzt auf gleich zusammenbrechen, falls die Afrikanische Schweinepest auf Deutschland übergreift. Für Kälber erhalten Landwirte aktuell oft nur acht Euro pro Tier (zum Vergleich: soviel wie zwei weiße Mäuse im Zoohandel). „Und im Ackerbau ist die Lage desolat“, klagte Conzen.

Kampf gegen den Flächenfraß

Sehr wichtig ist dem Bauernpräsidenten der Kampf gegen den Flächenfraß - gerade auch am Niederrhein ein großes Thema, wo es neben den Flächenverlusten durch neue Baugebiete oder Straßen mit dem Kiesabbau einen zusätzlichen Faktor gebe. „Die Kiesindustrie ist intensiv unterwegs, beansprucht landwirtschaftliche Flächen und lässt nur Wasser zurück“, sagte Conzen.

Die Landwirte blicken erwartungsvoll auf NRW-Ministerin Heinen-Esser, die ein „Flächensparprogramm“ angekündigt hat. Aktuell liege der Verbrauch an landwirtschaftlicher Fläche in NRW bei 24 Hektar pro Tag, klagte der Bauernpräsident. Unter der Vorgängerlandesregierung habe er bei 15 gelegen. „Irgendwann ist Fläche zu Ende“, mahnte Conzen.

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