Überlebende

Auschwitz-Überlebende: „Hass ist Ursache alles Schlechten“

Éva Fahidi-Pusztai, eine der letzten Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, traf Schüler in Düsseldorf.  

Éva Fahidi-Pusztai, eine der letzten Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, traf Schüler in Düsseldorf.  

Foto: Manfred Lachniet / NRZ

An Rhein und Ruhr.  Als Eva Fahidi 18 war, wurde sie mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert. In Düsseldorf erzählte die 94-Jährige nun jungen Deutschen davon.

Es gibt nicht mehr viele Menschen, die aus der Mordfabrik der Nazis in Auschwitz-Birkenau berichten können. Die 94-jährige Ungarin Eva Fahidi-Pusztai ist eine von ihnen und sie erzählte jetzt ihre Geschichte im Leo-Baeck-Saal der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf. Als Eva Fahidi 18 Jahre jung war, wurde sie mit ihrer Familie und 400.000 weiteren Juden nach Auschwitz deportiert. Während die allermeisten direkt in den Gaskammern ermordet wurden, überlebte die junge Frau im Arbeitseinsatz.

Über die grausamen Details ihrer Zeit im Konzentrationslager wollte sie nicht sprechen, mit Rücksicht auf die jüngeren Kinder des Albert-Einstein-Gymnasiums, der einzigen jüdischen Schule in NRW. Dennoch hörten die Schüler, aber genauso die Erwachsenen, sehr genau zu, was die schlanke Frau mit den lebendigen Augen und dem freundlichen Lächeln zu sagen hatte.

Sie sprach über Dinge, die unvorstellbar und grauenhaft bleiben und die vor allem nie in Vergessenheit geraten dürfen – auch wenn die Zeitzeugen immer weniger werden. Ob sie die Deutschen nach all den Erlebnissen nicht hasse, wollte ein junges Mädchen von ihr wissen. „Der Hass ist die Ursache für alle schlechten Dinge auf der Welt“, antwortete Eva Fahidi in gutem Deutsch. Darum könne sie den Hass auch nicht erwidern. Viel wichtiger sei klarzumachen, wieso Menschen zu unfassbaren Taten fähig sein können.

50 Jahre nicht darüber geredet

Ob sie nicht das Vertrauen in Gott verloren habe? Wie es war, als ihr klar wurde, dass ihre Eltern und die Schwester ermordet wurden? Und wie hat sie es geschafft, nach der Befreiung des Lagers wieder nach Hause zu kommen? Die Mädchen und Jungen hatten so viele Fragen, die Eva Fahidi stets freundlich beantwortete. Dabei hatte es rund 50 Jahre gedauert, bis sie über die Gräuel im KZ reden konnte. Ihre Tochter, die Psychologin geworden war, hatte sie dazu bewogen. Allein zur aktuellen Politik wollte sie sich nicht äußern. Gleichwohl sagte sie: „Jahrzehntelang habe ich die Hoffnung gehabt, dass es nicht wiederkommen kann. Doch ich weiß nun, dass die Gefahr immer droht. Irgendwo auf der Welt passiert es.“

Das Zeitzeugengespräch, moderiert von Gemeindedirektor Michael Szentei-Heise, war vom ungarischen Generalkonsulat in Düsseldorf sowie der Jüdischen Gemeinde in der Landeshauptstadt zustande gekommen. Generalkonsul Balasz Szegner sagte: „Ungarn hat die viertgrößte jüdische Gemeinde in Europa, unser Staat vollzieht Null-Toleranz bei Antisemitismus. Mit der Veranstaltung wollen wir Lehren aus der Vergangenheit ziehen und Orientierung für die Zukunft geben.“

Ungarn war unter Regierungschef Horty bis 1944 ein Vasall von Nazi-Deutschland. Antijüdische Gesetze hatte es aber bereits schon in den 20-er Jahren gegeben. Die Deportationen der Juden nach Auschwitz begannen, als die Horty-Regierung mit der Roten Armee über einen Waffenstillstand geredet hatte. „Wir alle hofften damals, dass der Krieg bald vorbei sein werde. Niemand hätte für möglich gehalten, dass uns die Ungarn in den Tod schicken würden“, sagt Eva Fahidi.

Gegen einen SS-Mann ausgesagt

Die 94-Jährige war für den Vortrag eigens mit dem Flugzeug nach Düsseldorf gereist. Erst vor wenigen Jahren hatte sie im Prozess gegen den SS-Mann Oskar Gröning in Lüneburg als Nebenklägerin ausgesagt. Gröning wurde damals wegen Beihilfe zum Mord verurteilt. „Es ging mir nicht um Strafe. Es ging mir um ein Urteil“, hatte Eva Fahidi damals gesagt.

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