Grenzüberschreitendes Arbeiten

„Made in Germany“ direkt aus den Niederlanden

In dieser Halle werden die Roboterzellen gefertigt.

In dieser Halle werden die Roboterzellen gefertigt.

Foto: Halter CNC

Hoevelaken.   Die Firma Halter CNC Automation aus Hoevelaken stellt Roboterzellen her – und zwar nicht im Heimatort, sondern jenseits der Grenze in Issum.

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„Deutsch ist super.“ Wouter van Halteren legt sich nach der Frage, ob er das Gespräch lieber auf Englisch oder Deutsch führen wolle, schnell fest. Der Geschäftsführer des Unternehmens Halter CNC Automation aus Hoevelaken in der Nähe von Amersfoort ist es anscheinend gewohnt, mit Deutschen zu tun zu haben, die dem Niederländischen nicht mächtig sind. So wie auch in diesem Fall.

Doch der Firmenchef findet Deutsch noch aus einem ganz anderen Grund super: Sein Unternehmen hat nämlich die gesamte Produktion auf die andere Seite der deutsch-niederländischen Grenze nach Issum ausgelagert. Und Wouter van Halteren könnte über diese Kooperation nicht glücklicher sein.

„Ich sehe bei der Zusammenarbeit nur Vorteile für uns. Nachteile gibt es nicht“, sagt er entschlossen. Und die betreffen die Arbeitsabläufe und die Qualität der Produkte. Vor allem das Siegel „Made in Germany“ ist für das niederländische Unternehmen ein Geschenk: „Wir haben dadurch die Möglichkeit, deutsche Qualität und ein deutsches Produkt von einer deutschen Firma zu verkaufen.“

Die Produkte, die das Unternehmen so in die gesamte Welt exportiert, sind Roboterzellen, die mit ihren automatisch arbeitenden Greifarmen Betriebsabläufe beschleunigen sollen. Die Roboterarme seien, so van Halteren, nämlich in der Lage, sogenannte CNC-Maschinen – also elektronisch gesteuerte Werkzeugmaschinen – automatisch zu beladen. Dadurch könne sich der Mitarbeiter, der die Maschine steuert, auf das Wesentliche konzentrieren, weil er die Werkstücke nicht erst für die Bearbeitung zurechtlegen müsse.

„Wir haben ursprünglich geplant, in den Niederlanden zu produzieren“, erinnert sich der Halter-Gründer. Doch als das Angebot zur Kooperation von der Finnischen Fastems Group kam, die kurz zuvor in Issum das Unternehmen Pneumotec übernommen hatte, überlegte van Halteren nicht lange. Der große Vorteil lag für ihn auf der Hand: „Die Firma hat schon jede Menge Erfahrung in der Produktion von Automatisierungstechniken.“

Erfahrung, auf die das niederländische Unternehmen gerne setzt – und das im großen Stil. „Eine der insgesamt vier Montagehallen in Issum ist nur für uns reserviert“, sagt van Halteren. In den übrigen Hallen produziert Fastems gleichzeitig für andere Unternehmen.

Neben der Produktion hat Halter auch die Entwicklung der Roboterzellen zum Teil ausgelagert. Die geschieht ebenfalls in Zusammenarbeit mit Fastems. „Aber sonst koordinieren wir alles von den Niederlanden aus.“ Dazu gehören Marketing, Vertrieb und das Netzwerk von Händlern und Service-Mitarbeitern. Eine Aufteilung, die für Wouter van Halteren schon alleine aus kulturhistorischer Sicht sinnvoll ist.

„Niederländer sind es gewohnt, überall in die Welt hin zu verkaufen, weil der Heimatmarkt stark begrenzt ist“, erklärt der Geschäftsführer. „Wir müssen schon immer international denken.“ Deutsche Unternehmen seien natürlich auch Export-Experten, würden aber aufgrund des deutlich größeren deutschen Marktes zuallererst stets regional denken.

Salopp formuliert: Die Deutschen wissen, wie man hochwertige Waren produziert und die Niederländer wissen, wie man sie in alle Welt verkauft. Wouter van Halteren sieht in den Mentalitäten der beiden Nachbarn eine „Top-Kombination“, auf die er auch in Zukunft bauen will. „Die Partnerschaft gefällt uns richtig gut. Wir sind sehr zufrieden und sehen keinen Grund, demnächst in den Niederlanden zu produzieren.“

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