Überraschende Niederlande

Ich kauf’ mir ein Schloss!

Ein tolles Ambiente bieten die Meeting-Räume im Parc Hotel Broekhuizen.

Ein tolles Ambiente bieten die Meeting-Räume im Parc Hotel Broekhuizen.

Foto: Heiko Buschmann

Leersum/Putten/Vaassen.  In den Niederlanden gehörten schon früher feudale Landsitze reichen Privatleuten. Wir haben uns einige dieser schönen Orte angesehen.

René Dessing ist in seinem Element. Der Kunsthistoriker sitzt auf seinem Stuhl im Garten des Kasteels De Vanenburg. Das hier ist seine Kulisse, hier fühlt sich der Freund herrschaftlicher, alter Häuser und Buchautor wohl (siehe Infobox!). Und dann erzählt er vom Goldenen Zeitalter, in dem die Niederlande vor mehr als 400 Jahren nach der Befreiung von Spanien wirtschaftlich wie kulturell erblühten. Als Rembrandt, Frans Hals und Vermeer zu Meistern ihrer Kunst werden, kommen Kaufleute zu kaum vorstellbarem Reichtum. Wohin mit dem vielen Geld? In Steine investieren, heißt es heutzutage recht lapidar, aber auch im 17. Jahrhundert wissen die Menschen schon die Vorzüge eines ordentlichen Heims zu schätzen.

Als in vielen Teilen Europas noch der Adel in seinen protzigen Schlössern regiert oder die Kirche das Sagen hat, bestimmt im Königreich Niederlande die bürgerliche Oberschicht das politische und gesellschaftliche Leben. Wohlhabende Handelsvertreter aus Amsterdam, Den Haag und Utrecht suchen sich einen zweiten Ruhesitz abseits der prosperierenden Städte. So ist heute die außerhalb der Niederlande wenig bekannte Dichte an Schlössern und Landsitzen vor allem in der Provinz Utrecht und in Gelderland zu klären – insgesamt 700, viele gut erhalten und einem neuen Zweck zugeführt.

Exklusiv und stilsicher

Ein Paradebeispiel hierfür ist das Landgoed Hotel Parc Broekhuizen in Leersum. Nur zehn Kilometer vom Utrechter Zentrum entfernt, erwartet den Besucher hier ein prächtiges Anwesen, auf dem man es sich richtig gutgehen lassen kann. Wer es sich leisten kann, heiratet hier einfach. Kurz vor unserer Stippvisite in Broekhuizen verlässt der Rest einer Hochzeitsgesellschaft das Anwesen, ein schwarzer Oldtimer fährt gemütlich den Weg am Park entlang Richtung normales Leben. „Wir hatten 175 Gäste, die Familie und die engsten Freunde des Hochzeitspaars haben hier auch übernachtet“, berichtet Hoteldirektorin Anita Bos.

Das einfache Zimmer kostet 180 Euro pro Nacht, die Suite 385 Euro, Frühstück exklusive. Klar, teuer, aber das Ambiente ist einfach umwerfend. Hier gehen prächtige Architektur aus dem 16. Jahrhundert und kreatives modernes Einrichtungsdesign eine großartige Liaison ein, bis ins kleinste Detail strahlen Lobby, Zimmer und Räume für kleinere Gesellschaften eine hochwertige Wohlfühlatmosphäre aus.

1906 wurde das Haus bei einem Brand vollständig zerstört, aber in nur einem Jahr im Stile Ludwigs XVI. wieder aufgebaut. Als das Landgut im Laufe der Zeit zusehends verfiel, gönnte sich im Jahr 2011 ein reicher Privatmann den Besitz und sanierte es in den folgenden fünf Jahren bis zur Eröffnung des Hotels Anfang 2017 so aufwendig wie liebevoll.

Essen kann man hier auch nicht schlecht. Das Hotel-eigene Restaurant „Voltaire“, der französische Philosoph und Schriftsteller war hier früher mal zu Besuch, hat einen Michelin-Stern. Um die Vorzüge von Parc Broekhuizen zu genießen, muss man aber nicht zwingend einen Haufen Geld mitbringen. Das Anwesen ist für Spaziergänger tagsüber geöffnet und wer will, kann auf der wunderschönen Terrasse des „Voltaire“ mit Blick auf Bäume und Teich einfach einen Kaffee trinken.

Nicht ganz so exklusiv, aber ebenfalls eine Reise wert ist das Kasteel de Vanenburg in Putten. Etwa 40 Kilometer von Broekhuizen in Leersum entfernt, befinden wir uns hier in der Veluwe, der waldreichsten Region der Niederlande. Vanenburg ist ein Schloss aus dem 17. Jahrhundert mit einem 55 ha großen und von kleinen Kanälen sowie schönen Baumalleen durchzogenen Gelände und wird heute ebenfalls als Hotel genutzt. Im Hauptgebäude befinden sich der Empfang und das sehr gute Restaurant mit seiner herrlichen Terrasse. Die Zimmer liegen ein wenig außerhalb in insgesamt vier kleinen Bungalowanlagen und sind sogar für überschaubares Budget zu buchen.

Ein Himmelbett in der Näherei

Weiter geht die Reise durch die Land(-sitz-)schaft von Putten nach Vaassen bei Epe. Feldmarschall Maarten van Rossum ließ hier im Jahr 1543 ein Wasserschloss erbauen, das Kasteel Cannenburch. Sehr viel später, 1905, gerät es in deutsche Hände, Richard Cleve ist der letzte Besitzer auf Cannenburch. Nach dem zweiten Weltkrieg konfisziert der niederländische Staat das Anwesen und übergibt es 1951 an die „Stiftung der Freunde gelderländischer Schlösser“. Nach einer Renovierung zwischen 1975 und 1981 dient es als Museum, etwa 30.000 Besucher pro Jahr nehmen original erhaltene Räume, Einrichtungsgegenstände und mehr in Augenschein. Etwas warten müssen Geschichtsinteressierte auf die Rückkehr des Himmelbetts, dessen Tücher gerade wieder hier vor Ort zusammengenäht werden.

Wer (noch) mehr über die hier vorgestellten und viele andere holländische Landsitze erfahren will, liest halt René Dessings Buch – oder trifft sich mit ihm auf ein Glas Wein an historisch bedeutsamer Stelle.

Die NRZ war auf Einladung des Niederländischen Büros für Tourismus & Covention (NBTC) in Leersum, Putten und Vaassen unterwegs.

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