Ausstellung in Otterlo

Der Beginn einer neuen Welt: Entwicklung moderner Skulptur

„Der Beginn der Welt“ - Constantin Brancusi, 1924. Zu sehen als krönender Abschluss, am Ende...

„Der Beginn der Welt“ - Constantin Brancusi, 1924. Zu sehen als krönender Abschluss, am Ende...

Foto: Collectie Kröller Müller Museum / Kröller Müller Musuem

Otterlo.  Das Kröller-Müller Museum zeigt einmal mehr, was es hat. Die Sommer-Ausstellung lädt ein, die Entwicklung der modernen Skulptur neu zu entdecken.

Der „Beginn der Welt“ ist bescheiden, schlicht, völlig unspektakulär – und voll warmer Ästhetik. Man hat „het begin“ auf ein einfaches Holzpodestchen gestellt, weil: er ist ja so klein. Und weil er so schön ist, darf ihn eine gläserne Box schützen – und alle, so scheint es, passen auf ihn auf: die goldglänzenden Blatt-, Tropfen- und Wolkenfragmente aus Fiberglas („Relief“, 1960) von Alicia Penalba, Edgardo Mannucci, Jean Arp, Wilhelm Lehmbruck, Rodin, Picasso, Marinis „Cavallo“ ...

Die Menschen und ihre Skulpturen… früh schon haben Künstler überall auf der Welt begonnen, abzubilden – anfangs mystisch und etwas ungelenk, dann immer ausgewogner, erlesener, menschenähnlicher, mitunter vollkommen… bis in unseren Tagen andere Formen den Künstler leiten – und man weiß nicht immer auf Anhieb, was es denn da ist, das uns da so modern und abstrakt „anschaut“.

Im Kröller-Müller Museum in Otterlo (nahe Arnheim), mitten im Naturpark Hohe Veluwe, kann man auf wunderbare Entdeckungsreise gehen. Eine Sonder-Ausstellung („Der Beginn einer neuen Welt“) vereint das, was Kröller-Müller ohnehin skulptural schon hat – nun aber zusammengestellt in einer Schau in nur wenigen Räumen, die die Entwicklung der modernen Skulptur zeigt – so, wie Bram Hammacher es sieht. Der leitete das Museum von 1948 bis 1963 und hatte gleich nach Amtsantritt damit begonnen, moderne internationale Bildhauerkunst für „sein“ Museum zusammenzutragen. In einer Zeit, in der es nur wenige Museen gab, die sich wagten oder die es sich leisten konnten, Skulpturen zu ihrem Schwerpunkt zu machen.

Hammacher kaufte. Auguste Rodin, Antoine Bourdelle, Raymond Duchamp-Villon, Henry Moore, Jacques Lipchitz, Hans Arp, Marino Marini, Barbara Hepworth... Hammacher erwarb auch Skulpturen nichtwestlicher Künstler – auch um die Einflüsse und Inspirationsquellen der modernen Bildhauerei und Malerei zu dokumentieren.

„Der Beginn einer neuen Welt“ nun nimmt den Schauenden mit auf eine Reise durch die Zeit. Die Ausstellung zeigt die Entwicklung der modernen Skulptur ab etwa 1880 bis zu den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts. Von „großen Vorgängern aus dem 19. Jahrhundert“ wie Auguste Rodin und Aristide Maillol und Erneuerern wie Constantin Brancusi und Pablo Picasso bis zu Pionieren wie Jean Arp und Barbara Hepworth.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den ausdrucksvollen Skulpturen Marino Marinis „Cavallo e cavaliere“ sowie rein abstrakten Skulpturen wie „Relief“ von Penalba, die erstmals im Saal zu sehen sind. Und wie gewohnt fasziniert auch hier die Wechselwirkung von drinnen und draußen, von Natur und „Nachbau“. Constantin Brancusi (1876-1957) hat die Inspiration für den Titel der Ausstellung gegeben – eines der wichtigsten Exponate ist von ihm, Bronze, 16,5 x 28,5 x 15,5 Zentimeter „groß“: „Le commencement du monde“, der Beginn der Welt – das Abschlussexponat im „letzen“ Saal.

Zuvor schon trifft man Giacometti und Wilhelm Lehmbruck, die „Große Stehende“ inmitten von anderen „Stehenden“ – freilich so anders: Alexander Archipenko, Jean Arp, Ossip Zadkine und dieses seltsam, mystische, hölzerne Wesen aus Ozeanien. Und wer nicht genug bekommen kann – im wunderbaren Skulpturengarten lässt sich auf 25 Hektar wie gewohnt mehr entdecken.

Kröller-Müller ist natürlich auch Malerei, ist van Gogh, doch mit der kompakten aktuellen Schau der „Hammacher-Sammlung“ (plus späterer Zugänge) lässt sich moderne Bildhauerei noch einmal neu und intensiv entdecken. „Der Beginn einer neuen Welt“ , bis 29. September.

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