Coronavirus

Niederlande: Fast 55.600 neue Corona-Fälle in einer Woche

Merkel ruft Bundesbürger angesichts hoher Corona-Zahlen zum Zuhausebleiben auf

In einem eindringlichen Appell hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Bundesbürger zur Einschränkung ihrer Kontakte und zum Verzicht auf Reisen aufgerufen. "Treffen Sie sich mit deutlich weniger Menschen, ob außerhalb oder zu Hause", sagte Merkel angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen.

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Aus den Niederlanden.  Die Corona-Zahlen steigen in den Niederlanden so stark, wie in kaum einem anderen Land in Europa. Knapp 55.600 neue Infektionen in einer Woche.

  • Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den Niederlanden ist weiter gestiegen. Das Nachbarland von NRW vermeldete innerhalb von sieben Tagen gut 55.600 neue Fälle.
  • Für das gesamte Land hat das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausgesprochen.
  • Die Regierung hat die Corona-Maßnahmen in den Niederlanden drastisch verschärft.

Die Corona-Situation in den Niederlanden spitzt sicht weiter zu: In den vergangenen sieben Tagen habe gab es 55.587 neue Fälle gegeben, teilte das Institut für Gesundheit und Umwelt RIVM am Dienstag mit. Es gab 185 neue Todesfälle. Die Zahl der Patienten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen nehme zu,

Ministerpräsident Mark Rutte äußerte sich sehr besorgt. „Wir gehören zu den drei am schlimmsten betroffenen Ländern in Europa, und es ist schlechter als in Amerika“, sagte Rutte. Besonders schwer getroffen von der Ausbreitung des Virus sind den Berichten zufolge Rotterdam, Den Haag, Utrecht und Amsterdam.

Restaurants in den Niederlanden schließen um 22 Uhr

Aufgrund der steigenden Infektionszahlen haben die Niederlande ihre Corona-Maßnahmen drastisch verschärft. Rutte kündigte am Dienstag (13. Oktober) in Den Haag einen „Teil-Lockdown“ an. Kneipen, Cafés und Restaurants werden geschlossen, und der Verkauf von Alkohol wird ab 20 Uhr verboten.

Außerdem dürfen die Bürger nur noch maximal drei Gäste pro Tag in ihren Wohnungen empfangen und sollen Bus und Bahn nur noch in dringenden Fällen nutzen. Premier Rutte kündigte auch eine allgemeine Maskenpflicht an für alle öffentlichen Räume wie Geschäfte, Museen oder Bibliotheken, bisher war dies nur eine dringende Empfehlung.

„Es liegt nun an uns allen selbst“, sagte der Premier in der live im TV ausgestrahlten Pressekonferenz. „Seien Sie realistische Niederländer und übernehmen Sie Verantwortung.“ Fast in allen Regionen sei die Lage „alarmierend“, sagte Rutte.

Die Bundesregierung hatte bereits am 2. Oktober für weite Teile der Niederlande eine Corona-Reisewarnung ausgesprochen. Fünf Tage später kam nun auch Limburg dazu. Seit dem 17. Oktober wird auch Zeeland vom RKI als Risikogebiet eingestuft, das gab die Bundesregierung am Donnerstagnachmittag bekannt. Dann gilt auch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.

Diese niederländischen Regionen sind aktuell Risikogebiete:

  • Groningen
  • Friesland
  • Drente
  • Overijssel
  • Gelderland
  • Utrecht
  • Nordholland
  • Südholland
  • Nordbrabant
  • Flevoland
  • Limburg
  • Zeeland (seit dem 17.10)

Die Einstufung bedeutet, dass Rückkehrer bei der Einreise nach Deutschland einen negativen Corona-Test vorlegen oder sich zwei Wochen lang in häusliche Quarantäne begeben müssen. Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist, ob es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Die Warnung des Auswärtigen Amtes vor „nicht notwendigen, touristischen Reisen“ dorthin folgt dann nach kurzer Zeit.

Mittlerweile hat die gesamte Niederlande diesen Wert deutlich überschritten, am Dienstag (13. Oktober) gab es in den vergangenen sieben Tagen 294.6 Fälle pro 100.000 Einwohner in den Niederlanden. Das veröffentliche das RIVM in seinem wöchentlichen Corona-Report.

Mittlerweile liegen alle 25 Sicherheitsregionen über dem Grenzwert. Limburg-Süd kommt auf 119.4 Fälle, die ebenfalls zur Region gehörende Provinz Limburg-Nord auf einen Wert von 214.6 Fällen. Auch Zeeland lag liegt am Dienstag mit einer Inzidenz von über 125 deutlich über dem kritischen Wert – es war also nur eine Frage der Zeit, bis die Region ebenfalls zum Risikogebiet wird. In absoluten Zahlen wurden in der Provinz 482 Fälle gemeldet – nirgendwo sonst in den Niederlanden gab es weniger Corona-Neuinfektion in dem Zeitraum.

Mehr Corona-Tests in der vergangenen Woche

In der direkt an den Kreis Kleve angrenzenden Sicherheitsregion Gelderland-Süd stieg der Wert auf 280.1. Besonders hoch sind die Werte weiter in Amsterdam-Amstelland (501.6) und Rotterdam-Rijnmond (398.4).

Zwischen dem 13. Oktober und dem 20. Oktober haben sich 269.753 Menschen in den Niederlanden auf das Coronavirus testen lassen, noch hat das RIVM aber nicht alle Zahlen ausgewertet. Ein größerer Anteil wird inzwischen positiv getestet: Von den durchgeführten Tests waren bisher 14.4 Prozent positiv. Dieser Wert lag eine Woche zuvor noch bei 13,8 Prozent. Bislang sind in den Niederlanden seit Beginn der Pandemie 244.391 Fälle des neuartigen Coronavirus’ gemeldet worden, davon 6814 Todesfälle. (red/dpa)

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