Dachgewächshaus

Auf dieses Oberhausener Dach blickt ganz Deutschland

Über den Dächern Oberhausens wachsen Basilikum, Minze, Salat und Erdbeeren. Und das ressourcenschonend.

Über den Dächern Oberhausens wachsen Basilikum, Minze, Salat und Erdbeeren. Und das ressourcenschonend.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Auf dem Oberhausener Jobcenter werden Lebensmittel mit der Abwärme des Gebäudes gezüchtet - und an Markthändler und Gastronomen verkauft.

Die „Innovation City“ Bottrop zeigt sich ein wenig „neidisch“, die Bauhaus-Uni Weimar „sehr interessiert“ und der Regionalverband Ruhr mit Blick auf die Internationale Gartenausstellung IGA 2027 hoffnungsfroh: Das am Donnerstag mit Gästen aus Wissenschaft und Politik eröffnete Dachgewächshaus auf dem Oberhausener Jobcenter mitten in der Innenstadt, in der der Strukturwandel sichtbare Spuren hinterlassen hat, hat erste Fans ins ganz Deutschland gefunden.

Was das rund 30-Millionen-Euro-Projekt so einzigartig macht: Es wachsen auf dem 1000 Quadratmeter großen Dach im fünften Stock nicht nur Lebensmittel, die demnächst vor Ort in einem Café verarbeitet und an Gastronomen in der Stadt verkauft werden. Dafür wird auch das Wasser und die Abwärme, die in dem Jobcenter produziert wird, genutzt. Das war dem Bund 2,3 Millionen Euro wert, die er zu dem Projekt zuschoss und es zum „nationalen Projekt des Städtebaus“ erklärte.

Hummeln aus Holland

Im September 2017 wurde der Grundstein zu dem städtebaulich innovativen Projekt gelegt. Zwei Jahre später ist es fertig – knapp drei Monate später als geplant. Erstaunlich wenig hat sich die Fertigstellung verzögert. Dabei hatte der Bauherr, die Stadttochter Oberhausener Gebäudemanagement (OGM) zwischenzeitlich mit mehreren Firminsolvenzen zu kämpfen.

Das führte am Ende dazu, dass auch die Kosten gestiegen sind. Waren einst rund 20 Millionen Euro für den Bau des 7000 Quadratmeter großen Jobcenters samt Dachgewächshaus geplant, summierten sich die Kosten schließlich auf über 30 Millionen – inklusive einem sanierten Parkhaus mit Stellplätzen für die Mitarbeiter des Jobcenters. Die Kalkulation war nicht zu halten, weil die Bauwirtschaft so viele Aufträge hatte, dass sie entweder keine Arbeiten mehr ableisten konnte oder einen deftigen Preisaufschlag nahm, erklärten die OGM-Geschäftsführer Hartmut Schmidt und Horst Kalthoff damals. Dafür gab es Kritik aus der Politik. Am Donnerstag aber war man voll des Lobes.

Gartenbauer, Fachjournalisten, Wissenschaftler und Experten aus den Niederlanden reisten nach Oberhausen und schauten sich im 5. Stock um. Essbare Blüten und Feldsalat gedeihen in Schwimmbecken, aus der Minze werden schon wieder Stecklinge gezüchtet und die Erdbeeren wachsen aus Erdbeuteln heraus. Um sie zu bestäuben, werden Hummelvölker aus Holland geholt. „Wir arbeiten hier absolut pestizidfrei“, erklärt Dieter Exner, der das Dachgewächshaus betreibt.

Im nächsten Jahr soll ein Café ein Erdgeschoss des Gebäudes eröffnen, in dem das Obst und das Gemüse vom Dach verarbeitet wird. Zwei italienische Gastronomen aus Oberhausen haben bereits Kaufinteresse an den Kräutern angemeldet, ein Markthändler will sich hier oben ebenso mit Waren eindecken. Und so hoffen die Verantwortlichen der Stadt, dass der Altmarktgarten auch wirtschaftlich sein wird. Und Oberhausens Umweltdezernentin Sabine Lauxen (Grüne) kann an diesem Tag nicht genug betonen, dass hier ressourcensparend gewerkelt und das Klima geschützt wird.

Transport per Lastenrad

Lange Transportwege entfallen. Und wenn das Obst und Gemüse vom Dach doch transportiert werden muss, dann per Lastenfahrrad. Das Regenwasser wird im Keller des Gebäudes gesammelt und für die Bewässerung der Pflanzen genutzt. „Wir verwenden hier kein Frischwasser“, betont sie. Das Fraunhofer Institut Umsicht forscht derweil hier oben, wie man auch das Grauwasser nutzen kann. Und die Abwärme der Computer im Jobcenter wird oben im Altmarktgarten wiederverwertet.

Mit der Hochschule Osnabrück hat die Stadt Oberhausen einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Unter dem Stichwort lebenslanges Lernen können sich interessierte Menschen an der Hochschule theoretisches Wissen zum Beispiel beim Pflanzenbau aneignen und es dann in der Praxis im Oberhausener Gewächshaus erproben.

Die Bauhausuniversität Weimar – der Architekt des Gebäudes Johannes Kuehn von Kuehn Malvezzi pflegt hierzu eine enge Verbindung – ist interessiert daran, die Möbel für das Altmarktgarten-Café zu entwerfen, sofern die Stadt Oberhausen dabei Unterstützung bietet.

Und der Regionalverband Ruhr und die Ruhr Tourismus GmbH setzen nicht zuletzt Hoffnung in dieses Leuchtturmprojekt, um auch im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung IGA im Jahr 2027 Besucher nach Oberhausen zu locken. Der Altmarktgarten ist als Projekt dafür angemeldet.

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