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Auf 92 Prozent der Bahnhöfe gibt es kein Servicepersonal

Menschenleere Bahnhöfe: Auf neun von zehn Stationen fehlt Servicepersonal

Menschenleere Bahnhöfe: Auf neun von zehn Stationen fehlt Servicepersonal

Foto: dpa Picture-Alliance / Stefan Ziese / picture alliance / imageBROKER

An Rhein und Ruhr.  Auf bundesweit neun von zehn Bahnhöfen fehlt Personal. Fahrgastverband Pro Bahn fordert mehr Kreativität, um das Sicherheitsgefühl zu verbessern.

An 92 Prozent der Bahnhöfe in Deutschland gibt es kein Servicepersonal. Das geht aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Danach können Fahrgäste an 5213 Bahnhöfen nicht auf Servicepersonal zurückgreifen, das beispielsweise Fragen beantwortet oder Fahrgäste im Rollstuhl unterstützt. Insgesamt unterhält die Bahn 5663 Personenbahnhöfe.

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch kritisierte: „Wenn an mehr als 5000 Bahnhöfen kein Servicepersonal anzutreffen ist und an keinem einzigen Regionalbahnhof, dann läuft etwas schief.“ Es gehe nicht nur um Auskünfte, sondern um Sicherheit. „Es muss der Grundsatz gelten: Ein Bahnhof, der angefahren wird, muss auch mit DB-Personal besetzt sein.“

Einsatz auf großen Bahnhöfen

Die Bahn wies darauf hin, dass die Zahl der Servicemitarbeiter seit zehn Jahren konstant bei 3000 liege. Das Personal werde an allen großen Bahnhöfen eingesetzt, an denen es viele Reisende und Besucher gebe, außerdem an wichtigen Umsteigepunkten und an Bahnhöfen, die für Urlauber von Bedeutung sind, sowie bei Großereignissen. „Service an Bahnhöfen ist für die DB ein wichtiger Faktor“, betonte eine Sprecherin.

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Es gebe auch rund 2300 Reiseberater in Reisezentren sowie rund 2000 Reinigungskräfte an den Bahnhöfen. Neben 5000 Bundespolizisten seien an Bahnhöfen 4000 Konzern-Sicherheitskräfte im Einsatz. „An allen Bahnhöfen – auch ohne Personal – informieren wir grundsätzlich über Aushänge, Fahrpläne oder elektronische Anzeiger.“

Kommunen beim Bahnhofsumfeld in der Pflicht

Karl-Peter Naumann, Sprecher des Fahrgastverbandes „Pro Bahn“, mahnt zu Realismus bei der Forderung nach mehr Servicekräften. „Wer soll das bezahlen, an jedem Haltepunkt jemanden hinzustellen? Da sollten wir besser in die Infrastruktur investieren.“ Dennoch forderte er im NRZ-Gespräch deutlich mehr Kreativität, um den Fahrgästen das Gefühl zu nehmen, allein zu sein. „Da kann schon ein Kiosk viel bewirken, der aber auch lange geöffnet haben muss.“

Da lasse sich jedoch viel über entsprechende Pachtverträge regeln. Auch die Kommunen seien in der Pflicht, städtebaulich mehr zu tun für ein fahrgastfreundliches Umfeld von Bahnhöfen. Naumann riet zudem, Projekte wie Bürgerbahnhöfe stärker zu fördern. „Wenn viel Publikumsverkehr herrscht, stärkt das automatisch das subjektive Sicherheitsgefühl.“

Mehr Notrufsäulen, stärkere Präsenz der Bundespolizei

Doch auch die Bahn müsse handeln, glaubt Naumann: Bei der Zahl der Notrufsäulen gebe es viel Luft nach oben. Und die Bundespolizei müsse darüber nachdenken, wieder mehr in der Region Präsenz zu zeigen, um bei Bedarf schnell vor Ort zu sein.

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