Podcast #9

An der Theke: Rebellische Comedy mit Benaissa Lamroubal

| Lesedauer: 4 Minuten

Am Niederrhein.  In Folge 9 des Podcasts „An der Theke“ ist Benaissa Lamroubal zu Gast. Der Rebell Comedian spricht über Michael Jackson, Eistee und Bärenkostüme.

Benaissa Lamroubal muss uns etwas beichten. Der Comedian aus Neuss ist zu Gast in unserem Podcast „An der Theke“ und eigentlich wollten wir virtuell mit einem Malztrunk von Feldschlösschen aus Hamminkeln anstoßen. Eigentlich. Die Flaschen sind auch rechtzeitig angekommen, aber… „Ich wusste nicht, von wem die sind.“ Wahrscheinlich ein Werbegeschenk, dachte er sich. Und probierte einfach mal. Sehr lecker! „Da habe ich das Zweite direkt hinterher getrunken.“ Süß geht bei ihm sowieso immer, verrät er. Deshalb passt es ganz gut, dass gerade gefühlt alle Stars eigene Eistees rausbringen. Er auch? „Nee, das würden mir die Fans auch nicht abkaufen.“

Authentisch zu sein, das ist Benaissa auch nach 14 Jahren im Showgeschäft wichtig. Wobei, eigentlich begann seine Karriere schon früher, als er im Kindesalter bei Tanzwettbewerben Michael Jackson imitierte. Da war irgendwie schon klar, dass er auf die Bühne gehört. Später trat er mit Rap und Hip Hop auf, brachte dabei die Menschen mit seinen lustigen Texten regelmäßig zum Lachen. „Ich war Comedian, ohne es zu wissen“, sagt er heute. Stand-up-Comedy interessierte ihn aber schon immer und so stieß er 2007 zu Rebell Comedy. Das Ensemble besteht aus Künstlern, die in ihren Programmen ihre kulturellen Wurzeln und die oft damit einhergehenden Vorurteile thematisieren.

Be nicer, Benaissance… und jetzt?

Von Comedians wie Kaya Yanar oder Bülent Ceylan unterscheiden sich die Rebell Comedians vor allem in einem Punkt, wie Benaissa erklärt: „Wir sind mit einem Fuß tatsächlich in der Heimat unserer Eltern.“ Sie sprechen noch die Muttersprache, kennen die Kultur ihrer Eltern. „Ethno Comedy haben wir nicht neu erfunden“, betont er. „Aber wir haben mehr aus Sicht des Migranten gesprochen.“ Das hat viele Menschen abgeholt, weil es das vorher in dieser Form nicht gab. Und so kommen oft Leute nach einem Auftritt zu ihm und sagen: „Hey, das ist bei uns genauso passiert.“ Zum Beispiel die Situation mit dem Elternsprechtag – diese eine, schon fast legendäre Nummer von ihm.

Allerdings muss Benaissa an dieser Stelle noch ein kleines Geheimnis verraten: „Bei mir war es eigentlich kaum so.“ Er sammelt die Geschichten von Freunden, Freundinnen und bastelt daraus sein Programm – immer mit einem wahren Kern, aber eben keine „Zeugenaussagen“. Deshalb gibt’s bei ihm auch den echten und den fiktionalen Vater. Die beiden würden sich aber ganz bestimmt richtig gut verstehen, glaubt Benaissa und lacht. Vielleicht ja eine super Idee fürs nächste Programm? Daran arbeitet er übrigens gerade schon. Ob’s wieder ein Wortspiel sein wird (die ersten beiden Solo-Touren hießen „Be nicer“ und „Benaissance“), weiß er aktuell aber noch nicht.

WDR-Serie „Ethno“ mit Benaissa Lamroubal

Und dann ist da ja noch die WDR-Serie „Ethno“. Darin spielt Benaissa den Studienabbrecher Ben, der marokkanische Wurzeln hat und sich als Comedian versucht. Allerdings wird er dabei von einem Mann im Bärenkostüm verfolgt, dem personifizierten Migrationshintergrund. Wie viel Benaissa steckt denn in Ben? „Sehr viel“, lautet die Antwort. „Das Drehbuch wurde nach meinem Lebenslauf geschrieben.“ Deshalb kennt er auch das Gefühl, dass die Leute voreingenommen mit ihm sprechen. So ganz ohne Klischees wird’s nie gehen, glaubt er. Für ihn es zwar wichtig, Witze darüber zu machen. Aber, das sagt er auch: „Man muss trotzdem das Problem ernst nehmen.“

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