Standortwerbung

Neue Revierkampagne „Stadt der Städte“ denkt groß

Dynamisch präsentiert sich die Region in der neuen Kampagne.
  

Dynamisch präsentiert sich die Region in der neuen Kampagne.  

Foto: RVR

Im Ruhrgebiet.   Als „Stadt der Städte“ will sich das Ruhrgebiet bei den Metropolen weltweit einreihen. Zehn Millionen Euro stehen für Investorenwerbung bereit.

Rauchende Schlote und Kohlenstaub sucht man vergebens. Stattdessen: Startup-Firmen, geschäftiges Logistik-Treiben, Studenten, Forscherlabore, dazu Kulturleben, junge Leute beim Sport – dazu lokale Bilder wie die hochgewachsenen Firmenzentralen von Essen, der (in Aufbau befindliche) Radschnellweg oder die „Tiger & Turtle“-Skulptur in Duisburg. Die neue Standortwerbe-Kampagne des Regionalverbandes Ruhr (RVR) stellt das Ruhrgebiet als „Stadt der Städte“ vor – facettenreich und durchaus selbstbewusst.

„Sorry, New York“ heißt es etwa in einem Clip der Kampagne. Auch das Ruhrgebiet schlafe nicht – eine Anspielung auf eine Beschreibung des Sänger Frank Sinatra. Und das stolze Hamburg wird von einem Kampagnenmotiv mit „Moin, hier ist die Hafenhauptstadt“ begrüßt – ein Hinweis auf Duisburgs weltgrößten Binnenhafen. Überhaupt wird auf die Region verwiesen mit seinen (auf 53 Städte verteilten) fünf Millionen Einwohnern als größte Stadt Deutschlands, Wer war nochmal Berlin?

Wuchern auch mit weichen Standortfaktoren

Ist das Größenwahn, augenzwinkernde Ironie? Doch nur eine Beschreibung der Wahrheit? Oder schlicht der Gesprächsstoff, den jede Kampagne benötigt, um wahrgenommen zu werden?„Als ,Stadt der Städte’ zeigen wir die Region so, wie sie ist: ein urbaner Raum mit vielen Zentren und lebenswerten Quartieren, der Weltoffenheit und unendliche Möglichkeiten bietet“, sagt Karola Geiß-Netthöfel (SPD), die Direktorin des RVR. Erdacht haben die Kampagne die Agenturen Thjnk (Hamburg) und Tass Emotional Marketing (Essen).

Vor allem im Ausland will sich die Region als „Stadt der Städte“ präsentieren und um Ansiedlungen werben. Zehn Millionen Euro stellt der

Regionalverband dafür bereit, die Kampagne ist zunächst befristet auf drei Jahre. Besonders im Fokus: Investoren aus China, den USA, den Niederlanden, Großbritannien, der Türkei und Polen. „Das wird wirken“, zeigt sich Ruhrgebietswirtschaftsförderer Rasmus C. Beck überzeugt. Geworben werden soll vor allem auf Messen und durch Anzeigen in den Medien. Die Werber wollen dazu die ganze Klaviatur von Internet im Allgemeinen und Social Media im Besonderen bedienen.

Die lokal sehr hohen Gewerbesteuersätze erwähnt die Kampagne naturgemäß nicht, was legitim ist. Beim Werben gilt es, mit seinen Pfunden zu wuchern – der breiten Hochschullandschaft etwa. Die Marketingleute präsentieren die Region dynamisch und stellen insbesondere weiche Standortfaktoren in den Fokus, etwa das breite Kulturangebot oder die weitgefächerte, bundesweit einzigartige Hochschullandschaft.

Schwerpunktsetzung kommt nicht von ungefähr

Die Schwerpunktsetzung kommt nicht von ungefähr: Eine Imagestudie hatte 2016 ergeben, dass gerade das Ruhrgebiet von Führungskräften als wenig jugendlich, wenig innovativ und kaum dynamisch wahrgenommen wird. „Das ist eine echte Fehlwarnung“, meint Roland Mitschke (CDU), der Vorsitzende des RVR-Wirtschaftsausschusses. Die Kampagne könne hier viel bewirken, ist Mitschke überzeugt. Andere Standorte zeigten freilich, dass man einen langen Atem brauche.

Auf alle Fälle gilt: Die hiesige Wirtschaft ist eingeladen mitzumachen. Verbände und lokale Firmen sollen sich in die „Stadt der Städte“-Kampagne einklinken. Gespräche dazu laufen.

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