Verkehr

Mehr Schiffe auf dem Rhein statt mehr Stau auf der Autobahn

Der Hafen Emmerich hat sich dem Verbund „Deltaport Niederrheinhäfen“ angeschlossen.

Der Hafen Emmerich hat sich dem Verbund „Deltaport Niederrheinhäfen“ angeschlossen.

Foto: Foto: Deltaport Niederrheinhäfen

An Rhein und Ruhr.  Seit 2018 gibt es „Deltaport Niederrheinhäfen“. Je mehr Schiffe anlegen, desto weniger Lkw verstopfen die Autobahn, sagt der Chef im Interview.

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Die Logistikbranche sucht nach Wegen raus aus dem Dauerstau auf den Autobahnen – zum Beispiel auf Wasserwegen. Der Binnenschiffverkehr gilt als umweltfreundlich und zuverlässig – wenn nicht gerade ein Rekordsommer den Rhein auszutrocknen droht. Der Binnenhafen in Duisburg setzt auf Wachstum beim Frachtverkehr. Und etwas weiter rheinabwärts will ein Verbund von fünf Häfen ein gutes Stück vom Frachtverkehrskuchen abhaben. Peter Toussaint sprach darüber mit Andreas Stolte, Geschäftsführer beim Hafenverbund „Deltaport Niederrheinhäfen“, der die Häfen von Orsoy, Voerde, Wesel (Rhein-Lippe-Hafen, Stadthafen) und Emmerich umfasst.

Frage: Duisburg ist das Tor zum Ruhrgebiet, Rotterdam das Tor nach NRW… Welche Chancen haben da die kleineren Häfen?

Stolte: Wenn man Duisburg als Tor zum Ruhrgebiet bezeichnet, verstehen sich die Deltaport-Niederrheinhäfen Orsoy, Voerde, Wesel und Emmerich als Auffahrt zum Ruhrgebiet, da wir geographisch dem Duisburger Hafen vorgelagert sind. Die aus den Westhäfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen kommenden Warenströme haben somit bereits die Möglichkeit außerhalb des Staukorridors Nummer 1, dem Ruhrgebiet, den Empfänger weitestgehend störungs- und staufrei zu erreichen.

Ist die für Lkw gesperrte A40-Brücke in Duisburg also ein Wettbewerbsvorteil für Sie?

Die marode Infrastruktur in der Region Duisburg insbesondere die Autobahnbrücke A 40 Duisburg-Neuenkamp sowie die Karl-Lehr-Brücke als Verbindung zwischen Duisburg-Ruhrort und Duisburg-Kaßlerfeld verschließen das „Tor Duisburg“. Der Standort Wesel/Voerde bietet hingegen eine neue Rheinbrücke ohne Ablastungen und frei von Restriktionen für den Schwerverkehr. Sperrungen sowie Stauzonen können von den Deltaport-Niederrheinhäfen gezielt umfahren werden, da sich alle Standorte außerhalb des „Verkehrsinfarktes“ befinden.

Was hat der Zusammenschluss für die Häfen Wesel, Voerde, Orsoy und Emmerich gebracht?

Die Kooperation wurde unter anderem mit dem Ziel gegründet, mehr Aufmerksamkeit im Markt zu erreichen. Dies war bereits erfolgreich, die Deltaport-Niederrheinhäfen sind in der Branche als starke und vor allem innovative und zukunftsorientierte Standorte gesetzt. Der Zusammenschluss der Häfen macht eine Bündelung von unterschiedlichen Leistungsschwerpunkten möglich, die Vermarktung kann aus einer Hand erfolgen. Diese höhere Variantenvielfalt der Abbildung logistischer Ketten gibt dem Kunden die Möglichkeit die „letzte Meile“ auf der Straße mit den alternativen Verkehrsträgern Schiff und Bahn soweit wie möglich einzukürzen, indem der im Hafenverbund günstigst gelegene Hafen genutzt wird.

Leisten die Häfen einen Beitrag zur Verringerung des Lkw-Verkehrs?

Definitiv ja, das Binnenschiff bleibt mit Abstand der umweltfreundlichste Verkehrsträger pro Tonnenkilometer. Das engmaschige Wasserstraßennetz in NRW mit Rhein und Kanalsystem bietet noch enormes Potential, weitere Ladungsströme von der Straße auf das Wasser zu verlagern. Der „Verkehrsinfarkt“ könnte dadurch deutlich abgeschwächt und die extreme Stausituation im Ruhrgebiet entschlackt werden.

Deltaport sagt von sich, dass Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit eine hohe Priorität haben. Können Sie ein Beispiel nennen?

Wir arbeiten an nachhaltigen und innovativen Projekten. Eines der Projekte, nennt sich „EcoPort 813“. Ziel des Projektes ist die Nutzung von überschüssiger Abwärme der Aluminiumproduktion am Standort Voerde-Emmelsum zur Versorgung von Neuansiedlungen in den Häfen mit CO2-neutraler Energie. Insgesamt können jährlich rund 27.000 Tonnen an CO2 eingespart werden, das entspricht einer Versorgung von 15.000 Haushalten.

Man hört von Problemen durch einen Reparatur- und Investitionsstau auf den Wasserstraßen in NRW. Ist das auch für die Deltaport Niederrheinhäfen ein Thema?

Richtig! Dringend müssen notwendige Sanierungsarbeiten auf den Wasserstraßen in NRW umgesetzt werden, um die Leistungsfähigkeit der wichtigen Hafenstandorte nicht zu gefährden. Kanäle und Schleusenbauwerke in NRW stammen aus Anfang bzw. Mitte des letzten Jahrhunderts. Seitdem wurden keine wesentlichen Erneuerungen der Infrastruktur umgesetzt. Aufgrund der größeren Schiffseinheiten müssen des Weiteren zwingend Brückendurchfahrtshöhen angepasst werden. Die marode Struktur des Kanalsystems hat auf die Deltaport-Niederrheinhäfen aber nur geringe bis keine Auswirkungen, da die Im- sowie Exportverkehre meist keinen Kanalnetzbezug besitzen.

>>> Zahlen und Fakten

Seit Januar 2018 arbeiten die fünf Niederrheinhäfen zusammen. 2018 wurden an allen fünf Deltaport-Hafenstandortenarbeiten die fünf Niederrheinhäfen zusammen. 2018 wurden an allen fünf Deltaport-Hafenstandorten 7,5 Mio. Tonnen umgeschlagen. Die Mengen (Bahn (und Schiff) wuchsen in den ersten fünf Monaten im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent. Zu den Waren gehören Kohle, Koks und Erz, Sand, Kies, Salz und Futtermittel, Mineralölprodukte und Container mit Konsumgütern.

In den Häfen finden viele Menschen Arbeit: NIAG-Hafen Rheinberg-Orsoy (52 Arbeitsplätze; Deltaport Hafen Emmelsum-Voerde, Rhein-Lippe-Hafen Wesel, Stadthafen Wesel (rd. 700 Personen; rd. 1800 Personen inkl. Bahnanlieger); Port Emmerich (44 Personen).

Die Wirtschaftstätigkeit in den Häfen löst Investitionen in Höhe von vielen Millionen Euro aus. Laut Deltaport Niederrheinhäfen sind dies im Einzelnen: NIAG Hafen Rheinberg-Orsoy (1,3 Mio. € in 2019); Deltaport Hafen Emmelsum, Rhein-Lippe-Hafen Wesel, Stadthafen Wesel (rd. 50 Mio. € in Kajenbauwerke sowie Flächenentwicklung); Port Emmerich (12 Mio. € in 2019/20).

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