Außergewöhnliche Immobilie

In Düsseldorf-Kalkum gibt es ein ganzes Schloss zu kaufen

Das Schloss Kalkum steht im Norden von Düsseldorf. Das Land Nordrhein-Westfalen verkauft das historische Wasserschloss. Bis Mitte Februar 2018 müssten Interessenten ein Angebot für den weitläufigen Barockbau abgeben, teilte der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW mit.

Foto: Lisa Ducret/dpa

Das Schloss Kalkum steht im Norden von Düsseldorf. Das Land Nordrhein-Westfalen verkauft das historische Wasserschloss. Bis Mitte Februar 2018 müssten Interessenten ein Angebot für den weitläufigen Barockbau abgeben, teilte der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW mit. Foto: Lisa Ducret/dpa

Düsseldorf.   Das Land NRW als Eigentümer verkauft sein Kalkumer Wasserschloss. Symbolischer Preis im Internet: 1 Euro. Investoren müssen Auflagen erfüllen.

Wenn das mal kein Schnäppchen ist – 30 Zimmer in einem herrschaftlichen Bau in feinster Lage, die Entfernung zum Flughafen ist mit drei Kilometern zwar ziemlich nah, dafür entschädigt aber der in englischer Gartentradition angelegte Park, 130 000 Quadratmeter groß. Über den Energieverbrauch sollte man vielleicht großmütig hinwegsehen und renovierungsbedürftig ist der Bau auch.

Aber es ist bereits eine Menge getan worden. Kurzum – ein Wohndenkmal der Extraklasse wird da auf den einschlägigen Internetforen derzeit zum (symbolischen) Betrag von einem Euro angeboten – das Wasserschloss Kalkum im Düsseldorfer Norden, zehn Kilometer von der Innenstadt entfernt. Der Besitzer der Immobilie, das Land NRW, hat keine Verwendung mehr für den riesigen Bau. Wer letztlich im Bieterverfahren den Zuschlag erhält, dürfte spannend werden.

Mehrstufiges Verfahren für Interessenten

Bis zum 16. Februar können Investoren ihre Angebote abgeben. Dies ist allerdings nur der Auftakt zu einem mehrstufigen Bieterverfahren, mit einem endgültigen Verkauf wird erst im Frühjahr gerechnet. Klar spielt der bestmögliche Preis beim Verkauf eine Rolle, gleichwohl habe der neue Besitzer auch Auflagen zu erfüllen, sagt Tim Irion, Sprecher der Bau- und Liegenschaftsbetriebe NRW.

So müsse der Park gepflegt werden, als auch weiterhin der Öffentlichkeit frei zugänglich sein. So muss beispielsweise gewährleistet sein, dass der Heilige Martin der traditionsreichen St. Sebastianus-Schützenbruderschaft auch in Zukunft am Schloss seinen Mantel teilen darf, wie er es jetzt wieder am kommenden Samstag tun wird. „Dasselbe gilt für Schlosskonzerte in den historischen Sälen oder das Kreuzfest zu Ostern“, so Irion. Das seien Vorgaben, die im Verkaufsexposé klar benannt werden.

Der Trend geht in Richtung Mischnutzung

Auch können mögliche Käufer ihr Nutzungskonzept nur mit Rückendeckung der Stadt und in Abstimmung mit dem Denkmalschutz realisieren. Für eine Zweckentfremdung des Gebäudes mit einer Nutzung, die so gar nicht in den Stadtteil passen würde, sieht Irion denn auch nicht viel Spielraum: „Der Trend geht in Richtung einer Mischnutzung – wohnen, arbeiten, Kultur!“.

Wohnen im Wasserschloss – das wäre was. Aber da muss in dem vierflügeligen, quadratisch angeordneten Bau mit Wassergraben noch einiges geschehen. Bis 2014 beherbergte es das Hauptstaatsarchiv des Landes NRW, danach zog dieses in den Innenhafen und das Schloss stand es zumeist leer.

Restauriert wurde das zunächst barocke, später klassizistisch-umbaute Gebäude, dessen Entstehung auf einen Rittersitz aus dem 9. Jahrhundert zurückgeht, dennoch laufend, zuletzt wurde bis 2016 das Schlossdach erneuert. Demnächst muss die Fassade restauriert und gestrichen werden, noch in der Zuständigkeit des Landes wurden erste Fassadenarbeiten begonnen und ein Stück der Wand soll neu in rot erstrahlen.

Gärtnerhaus und Gedenkstätte

Zu der Schlossanlage gehören ein Gärtnerhaus und die Ferdinand-Lassalle-Gedenkstätte. Der Arbeiterführer hatte als junger Mann zwei Jahre in dem Schloss gewohnt, das damals einer Freundin gehörte, Sophie von Hatzfeld.

In seiner wechselvollen Geschichte war das Schloss in Besitz verschiedener Familien des Hochadels gewesen, diente als Gästehaus, Mietobjekt und Rekrutenquartier. Nach dem 1. Weltkrieg zogen Spartakisten ein, im 2. Weltkrieg wurde eine Flakstellung im Innenhof aufgebaut. Nach dem Krieg schließlich wurde es an das neu gegründete Land NRW verkauft, ein Heim für Kriegsversehrte sollte hier entstehen. Kostenpunkt, noch in Reichsmark: 750 000. Fast ein Schnäppchen.

>>>Schloss erinnert an pikante Geschichte

Ferdinand Lassalle war Sozialist und Gründer des Allgemeinen Deutschen Arbeitsvereins (ADAV), der ersten Arbeiter-Massenpartei und Vorläufer der SPD. Lassalle war Journalist und auch als Rechtsanwalt tätig.

Von 1846 bis 1854 vertrat der damals erst 20-Jährige erfolgreich die Gräfin Sophie von Hatzfeldt im zähen und spektakulären Scheidungskrieg gegen ihren Mann, den damaligen Düsseldorfer Schlosseigentümer. Ob Ferdinand Lassalle eine Beziehung mit der doppelt so alten Gräfin hatte, ist umstritten. Aber sie stritt für seine Ideen und setzte ihm später eine großzügige Rente aus.

Davon hatte er nicht viel. 39-jährig starb er im Duell mit dem Verlobten von Helene von Dönniges, die Lassalle selbst heiraten wollte.

Heute erinnert eine Gedenkstätte im Gartenpavillon des Schlosses an Lassalle.

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