Gala

Glückauf, der Steiger(-Award) kam nach Dortmund

Otto weiß, was man von ihm erwartet. Auch er bekam einen Steiger Award.

Foto: Christof Koepsel

Otto weiß, was man von ihm erwartet. Auch er bekam einen Steiger Award. Foto: Christof Koepsel

Dortmund.   Ein kleines bisschen Glamour und ganz viel Politik: 250 Gäste kamen zum „Steiger Award“ nach Dortmund. Und trafen dort auf viel Prominenz.

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Das Urteil für Otto Waalkes lautet: lebenslänglich. Herumalbern, als wenn’s kein morgen gibt, auch wenn er nächstes Jahr den 70. feiert. Die Bergmannskapelle bläst ihm tapfer den Marsch, und der Blödelsenior mit der Fusselfrisur unter der Basecap fördert die gute Laune der Fotografen vor der alten Kaue der Zeche Hansemann in Dortmund mit ein paar Holladihitis, bevor es ernst wird.

Die Gala gilt als „Ruhrpott-Oscar“

Ernst wird es nämlich am Samstagabend drinnen beim 12. Steiger-Award, der gesellschaftliche Vorbilder mit einem hübsch verglasten Stück Kohle belohnt. Ernster als sonst jedenfalls. Weil die Zeiten ernster sind als sonst. Preis-Erfinder und Einlader Sascha Hellen (39) verzieht in der Regel keine Miene, dürfte aber kaum unglücklich sein, wenn Abkürzer sein Baby immer mal wieder als „Ruhrpott-Oscar“ adeln.

Natürlich wird seit Jahren fröhlich gelästert, dass Preise die bekommen, die gerade Zeit haben, und die Jury aus Sascha Hellen, Sascha Hellen und Sascha Hellen besteht. Andererseits: Wie viele Prominenz-parfümierte Galas gibt es im Ruhrgebiet?

Albert Hammond griff in die Saiten

„Das Ruhrgebiet kann auch Glamour“, ruft Landtagspräsidentin Carina Gödecke (58) beinahe trotzig den 250 Gästen an den weiß gedeckten Tischen zu, die 175 Euro bezahlt haben und auf gebratenen Ziegenkäse unter der Mandelkruste und Schweinefilet mit getrüffeltem Kartoffelgratin warten, bis alle zehn Geehrten danke gesagt haben. Glamour, nun ja, da gab’s schon deutlich mehr beim „Steiger“, sowohl auf der Bühne als auch an den Tischen.

Albert Hammond (72, „It Never Rains in California“) greift in die Saiten, und ja, seine besten Zeiten hatte er, als Thekla Carola Wied (73) noch selber unter der Disco-Kugel schwoofte. Die Schauspielerin, die einst an der Folkwang-Hochschule studierte, drückt den Glaspokal nach der lieben Lobrede ihres Kollegen Günther Maria Halmer (74) mit einem Lächeln an sich und verspricht: „Dieses kleine Stück Kohle wird in meinem Herzen brennen.“

Gregor Gysi durfte einen Kardinal preisen

Aber so beschwingt bleibt es nur, wenn Gregor Gysi feststellt, dass er „69 werden musste, um mal eine Laudatio auf einen Kardinal zu halten“, dabei sei „Jesus doch ein Linker gewesen“. Kardinal Walter Kasper (84) hätte sich keinen besseren Lobredner wünschen können.

Es ist aber eben doch ein Abend der Politik, an dem der palästinensische Präsident Mahmud Abbas (82) über die Zweistaatenlösung räsoniert, Umweltministerin Barbara Hend­ricks (64) über die Zukunft des Planeten, Autor Gero von Boehm (62) über die des Journalismus, Drogerie-

Unternehmer Dirk Roßmann (70) vor der Überbevölkerung warnt, Star-Architekt Daniel Libes­kind (70) darüber philosophiert, wie Stadtplanung die Menschen zueinander bringt.

Eine stehende Ovation gab’s schließlich auch. Werner Hansch (78), Stimme des Ruhrgebiets, führt seit Jahren launig durch die Gala und wurde fürs Lebenswerk diesmal selbst ausgezeichnet. CDU-Politiker Wolfgang Bosbach (64), zeigte bei der Laudatio echte Entertainer-Qualitäten. Hansch lobte: „Sie haben Ihr Talent verschwendet!“

Ein „Steiger“ für Manfred Baasner

Manfred Baasner (73), verdientester Ehren-„Steiger“, weil er an der Wattenscheider Tafel bis zu 15 000 Menschen mit Essen versorgt, geht sonst leer aus: Nach drei Gala-Stunden ohne Zwischen-Imbiss bleibt um 23 Uhr nicht mal ein Broccoli-Röschen übrig.

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