BREITBANDAUSBAU

„Es braucht ein Kompetenzzentrum Digitalisierung“

Wie hier in Netphen: Der Breitbandausbau am Niederrhein ist noch lange nicht flächendeckend fortgeschritten. Wirtschaftsverbände wollen dies ändern.

Wie hier in Netphen: Der Breitbandausbau am Niederrhein ist noch lange nicht flächendeckend fortgeschritten. Wirtschaftsverbände wollen dies ändern.

Foto: Handke

Am Niederrhein.  Der Breitbandausbau läuft nur schleppend voran. Der Kreis Kleve will das ändern – dank Fördergeldern. Wirtschaft fordern schnelleres Internet.

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Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Bundesnetzagentur machte deutlich, was viele aus eigener Erfahrung wissen: Die Internetversorgung in vielen ländlichen Regionen ist nur unzureichend – auch am Niederrhein.

„Das wichtige Thema Digitalisierung und damit verbunden schnelles Internet wird aktuell von der Politik verschlafen“, bemängelt Wolfgang Hümbs von der Universität Duisburg-Essen. Der Wissenschaftliche Mitarbeiter befasst sich seit Jahren mit dem Thema. „Die Digitalisierung am Niederrhein steckt zwar noch in den Kinderschuhen, sie wird aber immer wichtiger werden“, sagt Wolfgang Hümbs voraus.

Das weiß auch der Kreis Kleve und hat eine Fördersumme von knapp 24 Millionen Euro vom NRW-Wirtschaftsministerium auf Antrag erhalten. Ziel ist es, den Breitbandausbau „in 15 Kommunen im Kreis Kleve voranzutreiben“, erklärt Landrat Wolfgang Spreen. Mehr als 7 000 ländliche Grundstücke mit etwa 12 000 Endverbraucher-Anschlüssen, die bisher als sogenannte „weiße Flecken“ galten, sollen in den Genuss von schnellerem Internet kommen. Endlich.

Damit die vielen kleinen mittelständischen Unternehmen am Niederrhein im harten Standortwettbewerb und in ihrem Tagesgeschäft weiter konkurrenzfähig sind, brauchen auch sie eine schnellere Datenautobahn. „Viele Regionen auf der Welt wie in China oder Südkorea sind da viel weiter als wir“, mahnt Hümbs.

Aber warum läuft die Digitalisierung in anderen Ländern besser als bei uns ab?

Ein Grund liegt sicherlich auch auf Anbieterseite. Weil der Breitbandausbau für private Unternehmen in ländlichen Regionen wie dem Niederrhein unwirtschaftlich ist, kümmern sich Anbieter kaum um diese „unrentablen“ Regionen.

Verschläft also der Niederrhein die digitale Zukunft?

Wohlwissend, dass nur jeder dritte Haushalte oder jedes dritte Unternehmen zwischen Duisburg und Emmerich auf 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zurückgreifen kann. Dies ist übrigens der Wert, den die Bundesregierung 2013 flächendeckend für alle Haushalte bundesweit als Ziel ausrief.

Der Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, Jürgen Steinmetz, weiß um die Bedeutung des schnellen Internets. Die Anbindung an das Breitbandnetz mit Übertragungsraten von 100 Mbit/s sei für Firmen ein wichtiger Standortfaktor, erklärt er.

„Unsere Umfragen zeigen, dass die Betriebe diesen Standortfaktor kritisch beurteilen“, berichtet Steinmetz und appelliert zugleich an die Anwesenden. „Machen Sie den nötigen Druck in den Verwaltungen, um Fördermittel auszuschöpfen und den Breitbandausbau voranzutreiben.“

Wirtschaftsverbände und Politik werben seit geraumer Zeit mit gemeinsam angelegten Initiativen für den Breitbandausbau – auch am Niederrhein.

Wichtig: Fördergelder beantragen

„Wir wollen erklären, warum der Ausbau der Gigabit-Infrastruktur so wichtig ist und wie vor allem Kommunen im ländlichen Raum Fördermittel des Bundes und Landes beantragen können, wenn sich der Ausbau für die Telekommunikationsanbieter nicht rentiert“, sagt Sebastian Rölke von der staatlich-privaten Initiative „Breitbandbus“.

Mit Förderprogrammen meint Rölke konkret das Sonderprogramm Gewerbegebiete, das von Unternehmen in Gewerbegebieten beantragt werden kann. Noch sind einfach zu viele Firmen am Niederrhein vom Breitbandnetz ausgeschlossen. Vielleicht, weil auch einige Unternehmen von der staatlichen Förderung immer noch nichts wissen.

„Es braucht unbedingt ein Kompetenzzentrum Digitalisierung für den Niederrhein, auch weil in der nahen Zukunft immer mehr rechtliche und ethische Fragen eine Rolle spielen werden“, schlägt daher Wolfgang Hümbs von der Universität Duisburg-Essen vor.

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