NRZ-Bankgeheimnis

Eine 1489 km lange Radtour und die verschiedenen Folgen

Entspannung? Nein, nur kurz für Foto. Dann wird  geradelt. Wetter ist zu schön.

Entspannung? Nein, nur kurz für Foto. Dann wird geradelt. Wetter ist zu schön.

Foto: Ulrich Porath/Miriam Fischer

Reporter Matthias Maruhn fuhr in seinem Urlaub an Rhein, Main, Tauber, Altmühl und Donau entlang von Essen nach Bratislava. Ein Selbstgespräch.

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Bequem sieht das schon aus, wie sich der Kerl mit der Kappe da auf dieser fetten Bank lümmelt. Zum Abschluss der kurzen Serie „Bankgeheimnis auf Reisen“ habe ich dem Radler noch mal ein paar Fragen zu seiner jetzt zu Ende gegangenen Tour gestellt.

Von wo bis wo ging denn die Reise? „Genau, Start war am 1. Mai Essen, jetzt ist nach 1489 km in Bratislava in der Slowakei Schluss. Für mich jedenfalls. Mein Mitradler Uli will mindestens noch bis Budapest.“

War diese Holzbank so bequem wie sie aussieht? „Das schon, das Foto ist dennoch eine Fake-Geschichte. Ich habe nur 20 Sekunden darauf gehockt, knips, dann ging es gleich weiter. Weil die Sonne schien und die Winde nicht aus der bösen Richtung wehten, wollten wir noch ein paar Kilometerchen machen. Auch wenn man sich am Tag nur 80 bis 100 km vornimmt, bleibt auf so einer Radtour wenig Zeit für anderes. Selbst von so verheißungsvollen Städten wie Regensburg oder Wien habe ich nur wenig gesehen. ‘Fahrrad first’ ist die Devise.“

Du fühlst Dich dann leicht bekifft und tief entspannt

Klingt nicht nach Urlaub. „Aber doch. Wenn du richtig ins Treten kommst und dem Rad Flügel wachsen, dann spült Baldrian die Nerven, du fühlst dich leicht bekifft und tief entspannt. Da wachsen die kreativsten Ideen..“ Ein Beispiel bitte. „Schwierig. Meist setzt genau dann Gegenwind ein, oder eine Steigung quält dich, du schwitzt und fluchst. Und die guten Ideen flattern auf und davon.“

Wie ergeht es denn dem Körper? Wie kommt der mit den Strapazen klar. „Besser als gedacht. Uli und ich hatten vor der Abfahrt das ein oder andere alterstypische Zipperlein. Der Rücken, die Leiste, das Knie. Es zog, es drückte. Am dritten Abend waren wir schmerzfrei. Ein Wunder. Das blieb. Klar, alte Männer sind wie alte Autos: Sie springen morgens nicht immer sofort an und kommen nicht in die Gänge. Dann haben wir eben getrödelt und uns bei einer Tasse Kaffee geschont. Oder wir sind auch mal bei heftigem Wind nach 50 km in die Box gefahren. Warum auch immer: Der Körper hielt, nichts ging kaputt.

Wenn man Körper und Geist den roten Teppich ausrollt

Und man nimmt gewiss auch kräftig ab? „Man vielleicht. Ich aber bin eher der Belohnungstyp. Nach einer Strapaze rolle ich Körper und Geist den roten Teppich aus. Beispiel. Ich bestelle Spargel im Gasthaus am Abend, die Kellnerin fragt ‘Sauce Hollandaise oder zerlassene Butter?’. Dann antwortet dieses Belohnungsteufelchen frech: Nein, beides bitte... Und noch einen halben Liter vom hiesigen Hellen. Ich bin froh, dass ich nicht zugenommen habe.“

Und die Technik? „Mein Rad ist 15 Jahre alt und hat sich den Titel ‘Stahlross des Monats’ redlich verdient. Keine Panne, kein Platten. Obwohl ich gut 25 kg zugeladen hatte. Einziges Problem. Durch den Gepäckturm konnte ich nicht mehr gescheit aufsteigen. Ich brauchte immer einen hohen Bordstein oder ein Bänkchen. Sah peinlich aus. Mein Bankgeheimnis sozusagen.“

Und was bleibt? „In sechs, sieben Jahren werde ich meine Enkeln fragen: Hat der Oppa euch schon mal erzählt, wie er mit dem Fahrrad bis nach Bratislava geradelt ist?“ Und die Kleinen werden brav lügen: Nein Großvater, lass hören. Und der Großvater hebt an... Allein dafür hat es sich gelohnt. Ganz gewiss.

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