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Düsseldorfer Manager trägt Nadelstreifen und läuft barfuß

Christian Schwarze arbeitet bei einer großen Düsseldorfer Firma im Produktmanagement und trägt beruflich nur Anzüge, aber aus Überzeugung seit drei Jahren keine Schuhe mehr – er läuft barfuß.

Christian Schwarze arbeitet bei einer großen Düsseldorfer Firma im Produktmanagement und trägt beruflich nur Anzüge, aber aus Überzeugung seit drei Jahren keine Schuhe mehr – er läuft barfuß.

Foto: Kai Kitschenberg

Düsseldorf.  Christian Schwarze läuft seit drei Jahren ausschließlich barfuß, auch bei Minusgraden. Manchmal trägt er extra angefertigte Schuhe ohne Sohle.

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Januar: Bittere Kälte und Blitz-Eis, dick eingepackte Menschen mit Mützen und Schals eilen durch die Straßen, der Wind pfeift eisig. Der Blick bleibt auf einem Mann hängen, der aussieht wie ein Model für Nadelstreifenanzüge, er hat Stil. Der Blick wandert zu den Schuhen – doch da sind keine – er läuft barfuß, bei diesen Temperaturen!

„Die Kälte macht mir an den Füßen nichts aus, Pulverschnee ist sogar angenehm“, erzählt Christian Schwarze. Seit drei Jahren laufe er ununterbrochen barfuß, auch bei Minusgraden. „Richtig unangenehm finde ich nur das Winterstreu, das teilweise enthaltene Salz reizt meine Fußsohlen.“ Ansonsten habe er bei Glätte barfuß sogar einen besseren Stand als mit Schuhen, berichtet der 46-Jährige.

Der Körper war bereit für den Triathlon, die Füße nicht

Und so kam es dazu, dass er keine Schuhe mehr trägt: 2011 absolvierte er seinen ersten Triathlon. „Im selben Jahr trat ich mir bei einem Wettkampf das Fußgewölbe durch, was sehr schmerzhaft war.“ Sein Körper sei durchtrainiert gewesen, nur seine Füße habe er beim Training vergessen.

Deshalb recherchiert er, was er tun kann, um seine Füße zu stärken. Durch eine Reportage sei er auf den „Barfuß-Professor“ Daniel E. Liebermann von der Universität Harvard (USA) gestoßen. „Er sagt, dass Barfußlaufen das gesündeste für die Füße sei.“

Er hatte täglich Schmerzen im Fuß und in den Knien

Christian Schwarze hatte nämlich seit Jahren Schmerzen an den Füßen und den Knien, nicht erst seit der Sportverletzung. „Als ich acht Jahre alt war, hat ein Arzt Knick-, Senk-, Spreiz- und Plattfuß bei mir diagnostiziert.“

Nach der Verletzung 2011 experimentierte er mit selbst angefertigten Schuheinlagen, zum Beispiel aus Kork. „Je dünner die Einlagen wurden, umso besser lief es sich damit, aber die Schmerzen blieben.“

Deshalb startete er 2012 seinen Barfuß-Selbstversuch. „Schon beim ersten Barfußlauf waren meine Knieschmerzen weg, aber an den Füßen war es sehr unangenehm.“

Statt Hornhaut trainierte Fußmuskeln und dickere Haut

Das Problem: Die Fett-und Lederhaut hätte sich noch nicht aufgebaut, daher seien seine Füße so empfindlich gewesen. Deshalb wechselte er anfangs zwischen Barfußlaufen und Schuhen ab. „Die meisten Leute denken fälschlicherweise, es müsse sich eine dicke Hornhaut bilden.“ Aber die Füße seien nun einfach besser durchblutet und die Haut dicker, erklärt er.

„Diesen Zustand zu erreichen, hat aber von den ersten Versuchen, über Intervall-Training, bis zum ganztägigen Barfußlaufen etwa zwei Jahre gedauert.“ Diese Zeit habe ihn entschleunigt und seine Sicht auf die Welt verändert: „Ich treibe jetzt auch nur noch Mannschaftssportarten, bei denen man einander hilft.“

Er ließ sich extra Schuhe ohne Sohle anfertigen

Was Schwarze ärgert, seien Vorurteile dem Barfußlaufen gegenüber. Er habe zwar bisher keine wirklich schlechten Erfahrungen gemacht, von belustigten Blicken mal abgesehen, aber er merke, wenn Leute die Nase rümpfen.

„Deshalb habe ich mir extra Schuhe ohne Sohle anfertigen lassen.“ Die trägt er bei Terminen mit Kunden-, oder auch in Clubs – „denn ohne Schuhe lassen die mich nicht rein.“ Positiv findet er, dass er häufig angesprochen wird. Mindestens einmal die Woche führe er ein gutes Gespräch mit Passanten, die ihm aufgrund seines „Barfuß-Lifestyles“ Fragen stellen – die erste zielt dabei meist auf die Hygiene.

Feuchttücher und Nagelbürste hat er immer dabei

„Dabei sind meine Füße sauberer als anderer Leute Hände, denn mit den Händen fasst man alles an.“ Er säubere zudem häufig seine Füße, habe immer Feuchttücher und eine Nagelbürste dabei. „In drei Jahren bin ich auch erst zweimal in Hundekot getreten, das war bei einem nächtlichen Spaziergang im Park.“

Auch die Sorge, dass Barfußlaufen gefährlich sei, konnte er seiner Mutter und seiner Freundin Cornelia nehmen: „Die Füße haben bis zu 200 000 Sinneszellen, ich spüre, wohin ich trete.“ Er laufe sogar regelmäßig durch den Hauptbahnhof und Samstagsabends auch mal durch die Altstadt. Seine schlimmste Verletzung war bisher trotzdem nur ein Dorn im Fuß – eingefangen auf einem Wanderweg.

Er bestieg im Oktober 2016 barfuß die Zugspitze

2016 bestieg er sogar barfuß die Zugspitze, den Gletscher, aufgrund von vereisten Steigungen bis zu 40 Grad, barfuß in Steigeisen. „Es macht mich einfach glücklich, andere zu inspirieren.“ Deshalb gebe er nun auch Barfuß-Workshops, den nächsten in diesem Sommer. „Damit andere nicht meine Anfängerfehler machen.“

Infos und Anmeldungen unter: barfusslaufen@zoho.com

IST BARFUß LAUFEN GESUND?

Ulli Eicke (64) Ex-Leistungssportler, Therapeut und Heilpraktiker: „Barfuß zu laufen ist das Gesündeste für die Füße, denn durch Schuhe verkürzen sich die etwa hundert Fußmuskeln. Desto enger der Schuh, härter die Sohle und höher der Absatz, desto ungünstiger für die Füße.“ Er selbst laufe wann immer möglich barfuß und sonst in Barfußschuhen. „Das empfehle ich allen meinen Patienten.“

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