Islamkonferenz

Moscheeverband in der Kritik: Islamisten bei Ditib-Konferenz

Die Ditib-Moschee in Köln.  Der Verband wird immer wieder wegen seiner Nähe zum türkischen Staat kritisiert.

Die Ditib-Moschee in Köln. Der Verband wird immer wieder wegen seiner Nähe zum türkischen Staat kritisiert.

Foto: Oliver Berg

Essen/Köln/Düsseldorf.   Der Moscheeverband Ditib steht immer wieder in der Kritik. Jetzt sollen zwei Islamisten an einer Ditib-Konferenz in Köln teilgenommen haben.

Der Islamverband Ditib sorgt erneut für Irritationen. An einem von dem Verband in Köln ausgerichteten „II. Treffen der europäischen Muslime“ nahmen in der vergangenen Woche nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ auch zwei Männer teil, die dem Umfeld der vom Verfassungsschutz beobachtenden Muslimbruderschaft zugeordnet werden. CDU und SPD reagierten auf das Verhalten des Verbandes mit scharfer Kritik.

Ditib ist einer der größten Islamverbände in Deutschland und vertritt allein in NRW rund 300 Moscheegemeinden. Kritiker werfen Ditib eine zu große Nähe zum türkischen Staat vor. Die türkische Religionsbehörde Diyanet lenkt den Verband und war auch Mitorganisatorin des Treffens in Köln.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Kontroversen um Ditib. Imame des Verbandes wurde vorgeworfen, Kritiker der türkischen Regierung auszuspionieren, in einigen Ditib-Moscheen spielten im vergangenen Jahr Kinder Kriegsszenen nach.

Innenministerium: Mangelnde Abgrenzung „bedenklich“

An dem Treffen nahmen offenbar auch Khaled Hanafy und Ibrahim el-Zayat teil, zwei Funktionäre, die der NRW-Verfassungsschutz dem Spektrum der Muslimbruderschaft zurechnet. Die Muslimbruderschaft ist eine weltweit tätige islamistische Organisation. Die Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan unterstützt die Muslimbrüder. In Deutschland wird die Organisation vom Verfassungsschutz beobachtet.

Eine Sprecherin des Innenministeriums sagte der NRZ, es stimme „bedenklich, dass die in der jüngeren Vergangenheit durch türkisch-nationalistische Aktivitäten in die Kritik geratene Ditib sich gegenüber der islamistischen Muslimbruderschaft nicht abgrenzt, sondern offensichtlich Beziehungen zu Personen aus diesem Spektrum pflegt.“

In der Abschlusserklärung des Treffens beklagen die Teilnehmer eine zunehmende Islamfeindlichkeit und einen „täglich zunehmenden Anstieg islamophober Haltungen“ und distanzieren sich von einem deutschen oder europäischen Islam. Eine solche „Einschränkung des Islam“ stehe im Widerspruch zur „Universalität des Islam, der alle Epochen und Orte erleuchtet“.

Ibrahim Yetim, der integrationspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, bezeichnete das Verhalten von Ditib als „erschreckend“. Nach den Kontroversen der vergangenen Jahre habe er erwartet, dass „Ditib auf uns und unsere Sichtweisen und Werte zugeht“, sagte er der NRZ. Indem sich der Verband stattdessen mit Menschen aus dem Umfeld der Muslimbrüder zusammensetze und einen deutschen oder europäisierten Islam ablehne, zeige Ditib, „dass sie nichts mit uns zu tun haben wollen“.

Kritik übt auch der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christos Katzidis. Eine Kooperation von Ditib mit Radikalen halte er für fragwürdig, sagte er der NRZ. „Das widerspricht meinem rechtsstaatlichen Verständnis.“ Zudem sehe er nicht den Anstieg an Islamfeindlichkeit in der Gesellschaft, wie ihn der Verband diagnostiziere.

„Ich würde mir wünschen, dass sich Ditib auch einmal kritisch mit sich selbst auseinandersetzt“, fordert der Christdemokrat. Ditib selbst war am Montag (7. Januar) nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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