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Die Spielemesse in Duisburg zieht Kinder und Erwachsene an

Anke und ihr Sohn Konrad beim Spielen.

Foto: Kai Kitschenberg

Anke und ihr Sohn Konrad beim Spielen. Foto: Kai Kitschenberg

Duisburg.   Am Wochenende konnten Brettspielfans die Spiele-Neuheiten des Frühjahrs ausprobieren. Von Familien- bis zu Lernspielen war alles dabei.

„Du bist dran, Konrad“, sagt Jakob und zeigt auf das kleine Holzschiff seines Sohnes. „Ich überleg ja schon, was ich machen soll“, antwortet ihm der blonde Junge und murmelt: „Was würde denn jetzt gut passen?“ Wenige Augenblicke später hat er eine Idee. Er nimmt einige Holzsteine, legt sie auf sein Spieltableau und beendet den Zug mit einem breiten Grinsen. „Das läuft ja sehr gut.“

Gemeinsam haben sich Anke, Jakob und ihre Söhne Konrad und Oskar auf den Weg von Köln in den Landschaftspark Duisburg-Nord gemacht, um auf der neuen Brettspielemesse „Spiel doch!“ in der Kraftzentrale die Frühlingsneuheiten zu testen.


Die Familie hat gefallen an „Race To The New Found Land“ gefunden und wirft einen ersten Blick auf das Spiel des „Hans im Glück“-Verlages, in dem jeder der Spieler einen Gouverneur einer Nation repräsentiert, der im Auftrag seiner Majestät mit Erkundungsschiffen für Reichtum, Macht und Stolz neue Länder erobert. „Man hat im Spiel viele Aktionsmöglichkeiten, das gefällt mir“, erklärt der elfjährige Konrad. Er muss es wissen, denn die Familie holt jedes Wochenende ein Spiel aus der eigenen großen Spielesammlung hervor. „Du musst planerisch vorgehen, denn das Spiel ist recht komplex. Aber das macht es umso spaßiger“, bestätigt ihn seine Mutter. „Vielleicht kaufen wir das Spiel später.“

„Im Kritzeln eine 1“ setzt auf Papier und Stift

Am anderen Ende der Halle erklärt Reiner Stockhausen einer Familie sein neuestes Werk Moorea – ein Kartenspiel, bei dem Spieler als Bewohner der Südseeinsel Moorea um die wertvollsten Gegenstände und eindrucksvollsten Bauten wetteifern. Ziel ist es, Ressourcen wie Bambus und Holz zu sammeln, um daraus Kanus und Hütten zu bauen.

Stockhausen ist in der Brettspielszene eine bekannte Größe und entwickelte unter anderem Orléans, das vor drei Jahren zum Kennerspiel des Jahres nominiert war. Mit dem Familienspiel Mooreaa möchte er nun eine breitere Masse ansprechen: „Zeitlich liegt die Messe dafür auf jeden Fall gut, denn zu Ostern werden gerne kleinere Spiele verschenkt.“

Dass Spiele aber auch mehr als reine Unterhaltung sein können, zeigt Peter Menk. Der Spieleentwickler und Kinderbuchautor hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern spielerisch das Malen und Schreiben beizubringen. Dafür ­benötigt er nur eine 20 mal 20 Zentimeter große Tafel, ein Stück Kreide und kleine „Kritzelkarten“, auf denen jeweils ein Buchstabe abgedruckt ist.

Das Prinzip seines Spiels „Im Kritzeln eine 1“ ist simpel. Die Spieler würfeln reihum, bis der erste eine Eins hat. Er nimmt sich eine Kritzelkarte, legt diese als Vorlage in die Mitte der Tafel und beginnt, ein Wort zu kritzeln. Wer als nächstes eine Eins hat, darf erraten, was gekritzelt wurde. Ist die Antwort richtig, bekommt der Künstler als Belohnung die Karte. Wer am Ende die meisten Karten hat, erhält eine kleine Belohnung.

Dass das Spielprinzip nicht nur bei Kindern gut ankommt, zeigt sich am Nebentisch. Dort sitzt ein Feuerwehrmann in Uniform und liefert sich ein spannendes Duell mit einem Kollegen – und je länger das Spiel dauert, desto mehr Spaß haben die Männer. „Mir gefallen die Blicke der Menschen, wenn sie das erste Mal mit dem Kritzeln anfangen“, sagt der Entwickler. „Kinder haben heute kaum noch einen Bezug zu Tafeln und Kreide. Alles läuft elektronisch ab.“ Sein Spiel soll das ändern.

Beim „Krieg der Knöpfe“ werden Buden gebaut

Wenige Meter weiter dreht sich auch beim Spiel „Der Krieg der Knöpfe“ alles um Kinder. Das Werk von Andreas Steding orientiert sich am französischen Spielfilm „La Guerre Des Boutons“ von Yves Robert, der wiederum auf dem gleichnamigen Roman von Louis Pergaud aus dem Jahr 1912 beruht. Er handelt vom Krieg zwischen den Jungen aus zwei benachbarten französischen Dörfern, der im Verlaufe immer weiter eskaliert. Und so leitet jeder Spieler bei „Der Krieg der Knöpfe“ eine Kinder-Gang, die eine Bude bauen möchte. Mit Würfeln lassen sich Holzknöpfe erspielen, die wiederum für Holzbretter eingetauscht werden müssen. Wer zuerst mit der Hütte fertig ist, hat das Spiel gewonnen.

Die neue Messe im Ruhrgebiet zeigt, wie vielfältig Brett- und Gesellschaftsspiele sein können. Von komplexen Kennerspielen, Murmeltürmen bis zu Klassikern wie dem Kartenspiel „Yu-Gi-Oh!“, das in den letzten Jahren wiederbelebt wurde und sich gerade bei kleineren Kindern größter Beliebtheit erfreut, war für jeden Spieleliebhaber was dabei. Wenn es nach den Spielentwicklern geht, könnte der Winter also gerne noch ein wenig anhalten.

>>>ZWEITE AUFLAGE WIRD SCHON GEPLANT

Weil die Nürnberger Spielwarenmesse im Januar nur für Händler ist, und die Essener Spielemesse nur im Herbst stattfindet, wollte der Veranstalter Nostheide Brettspielfans und Gelegenheitsspielern die Möglichkeit geben, Frühjahrsneuheiten zu testen.

Der Landschaftspark-Nord in Duisburg kam bei den Ausstellern und beim Veranstalter gut an. Geschäftsführer Tim Nostheide kündigte für das nächste Jahr eine zweite Auflage an, vermutlich wird wieder im März in Duisburg gespielt.

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