Wirtschaft

Die IHK fürchtet Stau-Bremse für Duisburg

Für die Unternehmen in Duisburg wird die Verkehrsinfrastruktur immer mehr zur Belastung.

Für die Unternehmen in Duisburg wird die Verkehrsinfrastruktur immer mehr zur Belastung.

Foto: Ulla Michels

Duisburg.   Nach der Konjunkturumfrage der niederrheinischen IHK ist die Stimmung in den Unternehmen gut, wenn nicht die marode Verkehrsinfrastruktur wäre.

Angesichts der angespannten Verkehrsinfrastruktur in und um Duisburg durch marode Brücken und viele innerstädtische Baustellen fordert die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer „Stresstests“ für die zentralen und neuralgischen Stellen der A 40 und A 59 wie dem Kreuz Kaiserberg oder der Rheinbrücke Neuenkamp. „Wenn eine Brücke oder eine Straße gesperrt werden muss, dann muss die Stadt einen Plan haben, wie der Verkehr umgeleitet werden kann“, sagte Burkhard Landers, Präsident der niederrheinischen Industrie- und Handelskammer, bei der Präsentation des Geschäftsberichtes der Kammer für 2017/2018 und der aktuellen Konjunkturumfrage. Landers befürchtet die Staubremse: „Wir müssen verhindern, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, dass Duisburg nicht erreichbar ist. Das wäre tödlich.“

„Es gibt keine gemeinsame digitale Baustellenkarte“

Wie anfällig die Verkehrssituation ist, habe erst jüngst die Sperrung der A 59 nach dem Brand unter dem Brückenzug in Meiderich gezeigt. Wenn es wie auf der A 40-Rheinbrücke oder auf der A 59 zu Sperrungen kommt, sei die Stadt „unvorbereitet“. Landers wünscht sich, dass sich die Stadt „strategisch und planspielmäßig“ auf solche Situationen vorbereitet. Auch das Baustellenmanagement müsse besser werden. Dazu gehöre auch eine bessere Vernetzung von Stadt, Wirtschaftsbetrieben oder auch Straßen.NRW. „Die haben zwar alle digitale Baustellenkarten“, erklärt IHK-Verkehrsexperte Ocke Hamann. Aber: Eine gemeinsame gebe es nicht.

43 Prozent der Unternehmen sind zufrieden

Grundsätzlich sei die Wirtschaft in Duisburg und am Niederrhein weiter auf einem guten Kurs, „auch wenn das Jahr nicht so toll begonnen hat, wie erhofft“, so Landers. Demnach beurteilten noch immer 43 Prozent der Unternehmen ihre Lage zwar als gut und nur fünf Prozent sind unzufrieden. Allerdings rechnen von den 284 befragten Betrieben mit insgesamt rund 38 000 Beschäftigten rund elf Prozent damit, dass die Konjunktur an Kraft verlieren wird. Zu Beginn des Jahres waren es noch nur sieben Prozent der Unternehmen. Vor allem der Handel zeigt sich skeptisch. In der Industrie und bei den Dienstleistern sei die Stimmung dagegen weiterhin gut. Immerhin ist der Umsatz im Kammerbezirk im vergangenen Jahr um gut zwölf Prozent auf 22 Milliarden Euro gestiegen, in Duisburg sogar um 17,9 Prozent. So weit die Zahlen.

Nachträgliche Wünsche kosten Zeit

Natürlich spielten bei dem verhaltenen Optimismus globale Themen wie der drohende Handelskrieg mit den USA eine Rolle. Aber: „Wir brauchen gar nicht die große Politik bemühen. Wir haben genug Themen vor Ort, die uns umtreiben“, sagt Burkhard Landers. Das größte Problem in Duisburg sei sicher die Verkehrsinfrastruktur, die für die Unternehmen immer mehr zur Belastung werde und ihre größte Sorge bleibe. Erst kürzlich hatte die IHK dazu einen Zehn-Punkte-Maßnahmenkatalog zusammengestellt, in der sie unter anderem ein besseres Baustellenmanagement von der Stadt forderte.

„Wir wünschen uns von der Stadt mehr praktische Umsetzungen“, sagte IHK-Geschäftsführer Stefan Dietzfelbinger. Wenn es wie auf der A 40-Rheinbrücke in Neuenkamp oder auf der A 59 zu Sperrungen komme, mache die Stadt den Eindruck, als sei sie „unvorbereitet“. Dabei müsste sie Konzepte für Umleitungen in der Schublade liegen haben. Niemand wisse, wann die nächsten Sperrung kommt. „Aber wenn die Karl-Lehr-Brücke gesperrt werden muss, dann müsste die Stadt einen Plan haben, wie sie die Lkw umleiten kann. Durch welche Straßen passen sie überhaupt?“ fragt Landers und fordert „Stresstests“ für die zentralen und neuralgischen Stellen der A 40 und A 59 wie dem Kreuz Kaiserberg oder der Rheinbrücke. Denn: „Wir leben von geborgter Zeit“, warnt Landers mit Blick auf den Bauzustand von Brücken und Straßen.

Auch Einwände von Bürgern oder Interessengruppen, die bei großen Neubauprojekten zu Zeitverzögerungen führten, könne niemand brauchen. IHK-Verkehrsexperte Ocke Hamann ärgert, dass nachträgliche Wünsche für breitere Radwege auf der A 40-Rheinbrücke bekannt wurden. „Das würde wieder ein Jahr Planungszeit kosten“, sagt er.

In der Bildungspolitik fehlt der rote Faden

Ein weiteres Thema bleibt für die Unternehmen der Fachkräftemangel. Für 55 Prozent der Betriebe ist er „das mit Abstand größte Risiko“. Der Arbeitskräftemangel sei „überall angekommen. Die Fachkräfte sind einfach nicht da“, so Landers. Und genau das „fliegt uns gesellschaftspolitisch um die Ohren“. Der IHK-Präsident fordert von der Landesregierung eine stärkere Förderung der dualen Ausbildung. Es fehle zudem eine „gesellschaftliche Anerkennung für den Blaumann“. Grundsätzlich bescheinigte er der schwarz-gelben Landesregierung einen „frischen Wind“ mit vielen positiven Ansätzen, allerdings fehle in der Bildungspolitik der „rote Faden.“

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