Neuerscheinung

Dem Nächsten helfen – und darüber schreiben

Foto: Martin Platzek

An Rhein und Ruhr.   Es gibt in unserer Umgebung mehr gute als schlechte Taten. Man muss nur darauf achten. In einem neuen Buch werden drei schöne Geschichten erzählt

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Viele schlechte Nachrichten stehen jeden Tag in der Zeitung – so viele, dass man um ein Haar das Gute übersehen könnte, das jeden Tag mitten unter uns geschieht. Manchmal sind es die kleinen Gesten, die unser Leben liebenswerter machen. Sie stehen im Mittelpunkt eines kleinen Buches mit dem Titel „Weihnachtsbegegnungen der dritten Art“. Ein Autorenteam hat aufgeschrieben, was die Beteiligten erzählt haben.

Martin Platzek aus Krefeld, Sprecher der Autorengruppe „Akée van de Vrijn“, nennt den gemeinsamen Gedanken der drei Geschichten: „Notlagen anderer erkennen, persönlich eingreifen, gegen Widerstände Unterstützung leisten, Konsequenzen ertragen.“ Es seien keine klassischen Weihnachtsgeschichten, aber Erzählungen, die gut in die Adventszeit passen und zur Solidarität mahnen. „Das ist ein sinnvollerer Ansatz, sich auf Weihnachten einzustimmen, als sich dem Konsumstress hinzugeben“, meint der 60-Jährige.

Und darum geht es in den drei anrührenden Erzählungen:

Die Rückkehr nach Polen

In ihrem Düsseldorfer Viertel ist es trist und grau. Jessika musste mit ihrer Mutter Ursula in den Plattenbau ziehen, denn ihr und ihrer Mutter geht es finanziell sehr schlecht. Oft wird auch das Essen knapp. Die zwölfjährige Jessika putzt, um sich für den Notfall ein bisschen Geld anzusparen, mittlerweile hat sie 400 Euro zusammen.

Zum Glück hat sie eine gute Freundin gefunden: die Polin Natalka. Die wohnt mit ihrer Mutter Ania auch im Plattenbau. Sie hat keine Arbeit, bekommt keine Sozialhilfe, der Strom wurde gerade abgestellt. Deshalb will Ania mit ihrer Tochter zurück nach Polen, aber auch dafür fehlt das Geld. Keine Perspektive, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung bestimmen das Leben der Frauen.

Bis die 12-jährige Jessika beschließt, ihr hart erarbeitetes und angespartes Geld Ania und Natalka für ihre Ausreise zu schenken. Sie weiß, sie tut mit dieser Hilfe das Richtige. Es ist ein selbstloses Handeln. Ein Handeln, dass ihrer besten Freundin und deren Mutter wieder Hoffnung gibt. Jessika hilt – auch wenn sie weiß, dass sie ihre Freundin dann wohl sehr lange Zeit nicht wiedersehen wird.

Patrick liebt Ballerspiele

Patrick aus Krefeld hat den Autoren seine Geschichte selbst erzählt, auch eine Lehrerin hat beim verfassen mitgeholfen. Dem Jungen geht es finanziell nicht mal so schlecht. Er hat ein anderes Problem: Er ist aggressionsgestört, fällt immer wieder auf, weil er anderen in wilden Prügeleien schlimme Verletzungen zufügt. Er liebt vor allem Ego-Shooter, also Computerspiele, in denen er andere erschießt. Patrick hat noch nie Weihnachten gefeiert, seine Familie ist zerrüttet. Deshalb hat Patrick das Gefühl, er stehe alleine gegen die ganze Welt.

Er stellt sich in Gedanken vor, wie er mit einem Maschinengewehr die Weihnachtsdekoration in der Innenstadt zerschießt. Bis zu dem Tag, als plötzliches Blitzeis die Straßen unpassierbar macht. Patrick sieht einen körperlich Behinderten, der sich nicht mehr bewegen kann. Und er sieht die Leute, die alle nur zusehen und gaffen. Das ist der Moment, in dem Patrick sein Leben ändert: Er gibt sich einen Ruck und hilft dem Mann von der spiegelglatten Straße.

Essen für Obdachlose

Nathalie, Tatina, Marcel und Murat aus Essen haben ein ungewöhnliches Hobby, zumindest für Zwölfjährige: Sie haben den „Photo-Club“ gegründet und fotografieren mit ihrem teuren Equipment alles und jeden. Als sie „auf der Platte“ in Essen einen Obdachlosen kennenlernen und ihn fragen, ob sie ihn fotografieren dürfen, bringt er die vier Kinder zu den obdachlosen Junkies Peter und Nadine.

Die Kids bemerken erstaunt, dass die zwar schlecht riechen und viel Alkohol trinken, aber dass sie ansonsten ziemlich liebenswert sind und ansonsten viel Pech im Leben hatten. An diesem Tag lief es bei Peter und Nadine beim Betteln schlecht: Sie haben Hunger, aber kein Geld, um Essen zu kaufen. Anstatt sich auf das Fotografieren zu konzentrieren, legen sie ihr Geld zusammen und kaufen Essen für die Bedürftigen.

In der Weihnachtszeit Gutes tun

Die Autoren des Buches wollen mit ihren Geschichten an die Menschen appellieren, mehr nach links und rechts zu schauen, um anderen zu helfen. „Das ist ein sinnvollerer Ansatz, sich auf Weihnachten einzustimmen, als sich dem Konsumstress hinzugeben“, meint Martin Platzek. „Die Autoren und Protagonisten unserer Gruppe möchten alle anonym bleiben“, erklärt er.

Es seien beispielsweise Streetworker, Drogenabhängige und Sachverständige. Die Entwicklung des Buches habe von der ersten Idee bis zum fertigen Buch etwa vier Jahre gedauert. Die viele Arbeit war es ihnen wert. Die Autoren wollen auf Vorbilder hinweisen und zum Nachahmen anregen: „Der Nächste, der dringendst deine Hilfe braucht, steht wahrscheinlich gerade unmittelbar neben dir.“ Und dann zitieren sie Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

>>UND HIER GIBT ES DAS BUCH:

Das Buch „Weihnachtsbegegnungen der Dritten Art“ ist seit dem 21. November online und im Buchhandel erhältlich.

Als Download kostet es 5,99 Euro, als Buch 14,99 Euro.
ISBN: 9783741870477

Am 18. Dezember um 17 Uhr gibt es die erste Lesung in der „Eickeler Vinothek“ in Herne. Der Eintritt kostet 6 Euro im Ticketverkauf plus Gebühr.

Der Erlös der Lesung kommt dem Evangelischen Kinderheim Herne zugute.

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