Straßenverkehr

Sind Frauenparkplätze sinnvoll? So diskutiert das Ruhrgebiet

So nicht erlaubt, sagen Richter in München. Ein Schild, das Parkplätze für Frauen reserviert

So nicht erlaubt, sagen Richter in München. Ein Schild, das Parkplätze für Frauen reserviert

Foto: Ralf Hirschberger

Ruhrgebiet.   Sind öffentliche Frauenparkplätze diskriminierend? Gibt es sie überhaupt im Ruhrgebiet? Und was gilt in Parkhäusern? Ein Überblick .

Die Aufregung war groß. Im bayerischen Eichstätt hatte ein Jurastudent aus dem Rheinland gegen 30 Frauenparkplätze geklagt, die die Kommune auf einem großen öffentlichen Parkplatz nahe der Altstadt als Frauenparkplätze ausgewiesen hatte. Da werde, ärgerte sich der 26-jährige, nachdem er einen Freund in der oberbayerischen Gemeinde besucht hatte, „mit zweierlei Maß gemessen“.

Deshalb zog der Mann vor das Verwaltungsgericht in München. Das äußerte sich am Mittwoch zwar nicht zur Frage der Diskriminierung, stellte aber fest, dass Schilder wie in Eichstätt auf öffentlichen Parkplätzen unzulässig seien.

Revierstädte unbeeindruckt von Urteil aus München

Die meisten Stadtverwaltungen im Revier zeigten sich davon gestern unbeeindruckt. Denn weder in Essen, noch in Dortmund, Bochum, Gelsenkirchen oder Duisburg gibt es im öffentlichen Parkraum speziell ausgewiesene Sonder- oder Frauenparkplätze.

Sie sind – anders als Parkplätze für Behinderte – in der Straßenverkehrsordnung auch gar nicht vorgesehen, weshalb es auch kein offizielles Schild dafür gibt. In Gladbeck hat die Stadt dennoch 13 solcher Plätze eingerichtet. „Aber“, sagt Stadtsprecher David Hennig, „die werden nicht vom Ordnungsamt kontrolliert.“ Die Schilder hätten nur einen „empfehlenden Charakter“.

Auf den großen, frei zugänglichen Parkflächen an den Universitäten in Dortmund und Bochum gibt es keine Diskussionen um falsch abgestellte Pkw. Die Ruhruni hat drei beschrankte Bereiche, für die nur Frauen eine Karte bekommen und an der TH Dortmund gibt es grundsätzlich keine Frauenparkplätze.

„Es gibt aber auch niemanden, der sie fordert“, sagt Uni-Sprecher Martin Rothenberg. Wohl auch, weil die Flächen sehr gut ausgeleuchtet seien. Bei Behindertenparkplätzen gibt es dagegen öfters Aufregung. Dort werde, ist aus Studentenkreisen zu hören, „unerbittlich und blitzschnell abgeschleppt“.

In Parkhäusern sind Frauenparkplätze Pflicht

Ganz anders als unter freiem Himmel ist die Situation in Parkhäusern. Dort ist die Ausweisung von Frauenparkplätzen nicht nur erlaubt, dort ist sie – nach § 122, Absatz 11, Sonderbauverordnung NRW – sogar vorgeschrieben. „Und wer in dieses Parkhaus fährt, muss sich an diese Regelung halten“, sagt Simon Kinz, Geschäftsführer der Dopark GmbH, die in Dortmund sechs große Tiefgaragen betreibt.

Im Großen und Ganzen, so Kinz weiter, würden die Männer die Vorschriften auch respektieren. Theoretisch und technisch könnte man falsch geparkte Autos zwar an den Haken nehmen, praktisch aber suche man lieber das Gespräch und bitte freundlich, den Wagen umzuparken. Es komme aber auch so gut wie nie vor, sagt Kinz, dass alle Frauenparkplätze belegt seien. „Wirklich Ärger gibt es nicht“, weiß der Geschäftsführer.

„Ich finde es sehr wichtig, dass es solche Parkplätze gibt“, sagt eine 34-jährige Mülheimerin, die am Donnerstagmorgen im Parkhaus am Limbecker Platz in Essen zielgerichtet einen gut ausgeleuchteten Frauenparkplatz angesteuert hat. „Das hat für mich nicht viel mit Gleichberechtigung oder keiner Gleichberechtigung zutun. Es ist einfach so, dass man als Frau schneller Opfer wird“, glaubt sie und steht mit dieser Meinung nicht alleine da.

Viele Frauen fühlen sich sicherer

Laut einer Studie von Contipark, Deutschlands größtem Parkhausbetreiber mit über 500 Parkeinrichtungen, geben drei Viertel aller Frauen an, dass sie Frauenparkplätze gelegentlich nutzen, wenn diese vorhanden und frei sind. 81 Prozent der Frauen fühlen sich demnach „dort im Parkhaus (eher) sicher“.

Allerdings steht auch der Jurastudent vom Rhein nicht alleine da. Von den für die Studie befragten Männern empfanden 21 Prozent Frauenparkplätze als diskriminierend, 15 Prozent sogar als sexistisch. Jedenfalls wünschten sie sich im Gegenzug separate Männerparkplätze.

Dabei gibt es die längst in einem Parkhaus im baden-württembergischen Triberg. Zwei Flächen, bei denen sich das Einparken aufgrund baulicher Gegebenheiten als besonders schwierig erwiesen hat, sind dort mit dem Gender-Symbol der Männlichkeit gekennzeichnet.

Harmlos im Vergleich zum Parkhaus, das die Betreiber eine Einkaufsmall im chinesischen Shijiazhuang gebaut haben. Dort sind Frauenparkplätze in Pink und Lila gehalten und in die richtige Parkposition werden die Damen am Steuer von tanzenden Einweisern gebracht. Männer natürlich.

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