Karneval und Corona

Carnevalsvirus gegen Coronavirus

Im Düsseldorfer Rosenmontagszug lief im Februar dieser Wagen von Jacques Tilly mit: Das Carnevalsvirus zeigt dem Cornavirus eine lange Nase. Und wie wird es 2021 sein?

Im Düsseldorfer Rosenmontagszug lief im Februar dieser Wagen von Jacques Tilly mit: Das Carnevalsvirus zeigt dem Cornavirus eine lange Nase. Und wie wird es 2021 sein?

Foto: Kai Kitschenberg / FunkeFotoServices

An Rhein und Ruhr.  Die ersten Vereine haben jetzt schon Konsequenzen gezogen und wählen kein Prinzenpaar. Andere hoffen: „Eine Session findet in jedem Fall statt“

Es ist nach dem Kölner Rosenmontagszug der größte in NRW: Ob der Düsseldorfer Zug 2021 allerdings stattfinden kann und wie es mit den vielen Sitzungen und Feiern in dieser Session aussieht, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig unklar. „Wir warten ab, was die Politik Ende August zu den Großveranstaltungen sagt“, erklärt Hans-Peter Suchand, Sprecher des Comitees Düsseldorfer Carneval. Erst einmal werde ganz normal geplant, Wagenbauer Jacques Tilly sei dabei, neue Entwürfe anzufertigen. Alles andere, so Suchand, mache keinen Sinn.

Wie den Düsseldorfern geht es auch allen anderen kleinen und großen Karnevalsgesellschaften in der Region. Die Ungewissheit ist groß. In Moers ist aber zumindest eines klar: Voraussichtlich wird in diesem Jahr hier kein Prinzenpaar und kein Jugendprinzenpaar gekürt werden. „Die Ansteckungsgefahr bleibt ja bestehen, und da ist uns die Gesundheit wichtiger“, sagt Hans Kitzhofer, Präsident des Kulturausschusses Grafschafter Karneval, der Dachorganisation von 26 Vereinen. „Ich weiß nicht, wie das Abstandhalten auf Großveranstaltungen wie den Sitzungen funktionieren soll“, so Kitzhofer. „Und kleinere lohnen sich finanziell nicht.“

„Karneval fällt nicht aus, es wird wahrscheinlich nur kleiner.“

Die Vereine seien sich daher einig gewesen, auf ein Prinzenpaar zu verzichten, zumal die meisten Karnevalisten über 60 Jahre alt seien und damit zur Risikogruppe gehörten. „Sollte die Politik andere Vorgaben machen und auch Großveranstaltungen wieder erlauben, könnten wir auch noch recht kurzfristig ein Karnevalserwachen in der Woche nach dem 11.11. planen“, erklärt der Moerser. Generell wolle man es aber langsam angehen lassen. „Wir haben da glücklicherweise auch keinen Druck, die Pandemie fällt unter höhere Gewalt, so dass wir keine Kosten für die Künstler aufbringen müssen bei Veranstaltungsabsagen.“

Diese seien bereits ein bis zwei Jahre im Voraus gebucht worden. Finanziell gebe es demnach kaum Ausfälle. „Wenn wir nichts veranstalten, geben wir auch nichts aus“, sagt er. Der traditionelle Nelkensamstagszug koste normalerweise zwischen 30.000 und 35.000 Euro, abgesagt ist er noch nicht. „Da warten wir noch bis Anfang 2021 ab und schauen dann, wie die Corona-Lage ist“. Eines ist Kitzhofer aber genauso wichtig wie den Jecken in den umliegenden Städten: „Karneval fällt nicht aus, es wird wahrscheinlich nur kleiner.“

Das sieht auch Michael Jansen, Vorsitzender des Hauptausschusses Duisburger Karneval, so. Er plant mit drei Szenarien: „Plan A ist, dass wir Karneval wie gewohnt feiern können, mit vollen Sälen und einem Rosenmontagszug am 11. Februar. Das können wir aber überhaupt nicht abschätzen, weil niemand weiß, was im November oder Januar los ist“, sagt er. Vor Oktober werde es aber keine finale Entscheidung geben. „Aber wenn die Weihnachtsmärkte öffnen dürfen, können wir auch Karneval feiern. Bis dahin müssen wir abwarten“, meint Jansen. Die Duisburger bereiten aber auch eine Session mit reduzierten Veranstaltungen vor, bei denen Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden müssen. „Die dritte Möglichkeit ist, ist dass wir keine Veranstaltungen und gegebenenfalls auch keinen Rosenmontagszug haben werden. Fest stehe nur: Karneval wird sicher anders als gewohnt, aber eine Session wird es auf jeden Fall geben.“

Eine einheitliche Linie mit den anderen Vereinen finden

In Kleve wartet man ebenfalls auf ein deutliches Zeichen der Politik. Die geltenden Abstandsregeln könnten aber ohnehin dem Sitzungskarneval einen Strich durch die Rechnung machen. „Das lohnt sich wirtschaftlich nicht, wenn im Saal nur ein Bruchteil der eigentlichen Zuschauer sein darf“, erklärt Frank

Konen, Präsident des Klever Rosenmontags-Komitees (KRK). Auch was Prinzenkürung und Straßenkarneval angehe, müsse man abwarten. „Wir wollen mit den Karnevalsvereinen in den anderen Städten im Nordkreis Kleve auch eine einheitliche Linie finden, damit nicht in der einen Stadt gefeiert wird und in der Nachbargemeinde womöglich nicht.“ Auf Biegen und Brechen, so Konen, müsse Karneval nicht stattfinden. „Dann können wir uns lieber ein Jahr besinnen, wie es vernünftig weitergehen kann.“

Das Festkomitee Kölner Karneval hat verkündet, man wolle trotz Corona an Traditionen festhalten. Klar sei, dass es 2021 ein Dreigestirn, ein Kinderdreigestirn, eine Proklamation und auch einen Umzug geben werde. Zugleich ist die Planung sehr kompliziert, weil unklar ist, welche Einschränkungen gelten werden. Das Festkomitee bereitet zwei Varianten vor – eine für den besten, einen für den schlechtesten Corona-Fall.

„Unsicherheit ist immer ein schlechter Berater“, sagt Henning Krautmacher, Frontmann der Kölner Band Höhner. „Bis Karneval ist noch lange hin.“ Wenn es größere Veranstaltungen geben sollte, müsse man immer auch bedenken, dass Abstands- und Hygienemaßnahmen unter Alkoholeinfluss weniger streng eingehalten würden. „Bis wir wieder normal spielen können, ist Kreati-vität bei anderen Auftrittsformen gefragt“, so der Höhner-Sänger.

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