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Bird Control am Flughafen Düsseldorf: Der Jäger am Rollfeld

Ein eingespieltes Team: Jäger Michael Henning und „Leo“ achten auf Vögel und Hasen am Flughafen Düsseldorf.

Ein eingespieltes Team: Jäger Michael Henning und „Leo“ achten auf Vögel und Hasen am Flughafen Düsseldorf.

Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf.   Michael Henning hat einen ungewöhnlichen Job: Gemeinsam mit Hund Leo soll er verhindern, dass am Flughafen Vogelschwärme in die Flieger prallen.

Leo hat etwas entdeckt. Der Hund schaut kurz, macht dann ein paar Schritte vorwärts und wühlt. „Leo komm, das ist nur ein Loch“, ruft sein Besitzer Michael Henning. Denn der Vierbeiner wird am Flughafen Düsseldorf für eine andere, ganz besondere Aufgabe gebraucht. Als Jagdhund vertreibt er friedlich insbesondere Vögel, um die großen Airbus- und Boeing-Flugzeuge vor Vogelschlägen zu bewahren sowie sichere Starts und Landungen zu ermöglichen. Das Zauberwort dafür lautet „Bird Control“, zu deutsch „Vogelkontrolle“.

Eigentlich heißt der Hund Leonardo und ist laut Papieren 14 Jahre alt, erzählt Michael Henning, der aber lieber Leo sagt. Er ist der Vogelschlagbeauftragte und Jagdaufseher am Airport. „Ich habe ihn vom Tierschutzverein ,Jagdhunde in Not’ bekommen und glaube, dass er jünger ist.“

Das mag man als Beobachter glauben, denn Leo, ein hellbrauner Basset fauve de Bretagne, rennt mal locker mit 45 km/h über die Wiesen neben den Rollfeldern. „Früher waren es sogar 50 Stundenkilometer“, erzählt Henning.

Suche mit Wärmebildkamera

So sei der Vierbeiner mal bei rund 50 km/h aus dem Fenster von Hennings SUV gesprungen, als er einen Hasen erblickt hat. Hasen als auch Wildkaninchen sucht der 58-jährige Jäger jeden Morgen und Abend mit einer Wärmebildkamera, damit Leo sie dann verjagen kann.

Hennings Hauptjob ist das übrigens nicht. Normalerweise arbeitet er am Flughafen als Rechtsanwalt für Naturschutzrecht im Büro. Dazu gehört beispielsweise das Einholen von Genehmigungen für Signalpatronen, mit denen die Einweiser der Flieger ausgestattet werden sollen. Oder das Ausarbeiten von Verträgen für Ausgleichsflächen, die der Erhaltung des Umweltschutzes dienen.

„Die Zeiteinteilung zwischen Jäger und Büro ist aber relativ frei. Wenn ich mal genug von Behörden habe, schnappe ich mir Leo und gehe eine Runde raus“, sagt Henning. Auf den rund 340 Hektar Grünland der Flugbetriebsfläche ist dafür genug Platz.

Jetzt ist mal wieder eine solche Zeit. Der Blick von Michael Henning schweift in Richtung Abfertigungshalle. Ganz aufmerksam beobachtet er die gefiederten Besucher durch sein Fernglas. Genaue ornithologische Kenntnisse sind hier gefragt. Die Jahreszeiten, Flugrouten und die Gegebenheiten der Natur, zu der beispielsweise der Wind und die Bäume gehören, muss Henning kennen.

Keine 50 Schuss pro Jahr

„Bereits ab einem Gewicht von 80 Gramm sind Vögel für Flugzeuge gefährlich“, weiß der Jagdaufseher. Währenddessen fliegt ein Graureiher umher - die Gewichtsgrenze hat er locker überschritten. Dann zeigt Henning auf einen Schwarm Dohlen.

„Die unterliegen dem Naturschutzrecht, daher darf man nicht auf sie schießen“, erzählt er, bevor er fortführt: „Wenn sich Rabenkrähen mit ihnen vergesellschaften, dürfen wir diese schießen; die Dohlen werden dann mit vergrämt.“ Dabei schießt der Jäger nach eigenen Angaben keine 50 Schuss pro Jahr. Stattdessen ist Henning mehr mit Vogelzählungen beschäftigt. Drei stehen jede Woche an.

In diesen Fällen haben Fluggäste das Recht auf Entschädigung

„Die präventive Bejagung basiert bei uns auf dem Jagdrecht, wie bei anderen Jägern auch“, sagt Henning. „Mit den Methoden, die uns zur Verfügung stehen, können deshalb nicht alle Vögel gleichermaßen vergrämt werden.“ Manche würden jedoch nach einer gewissen Zeit schon den Geländewagen von Leo und Hennings mit einer Gefahr in Verbindung bringen und freiwillig das Weite suchen.

Zusätzlich setzt Hennings auf das richtige „Biotopmanagement“, um ungebetene Zaungäste fernzuhalten. Das Gras wird daher bewusst nur sehr selten gestutzt, damit es für große Vögel unattraktiver wird. „Viele Vögel können ihre Feinde im dichten und langen Gras schlecht erkennen, die Fluchtdistanzen nicht einhalten und die Futtersuche ist schwerer“, erklärt der Experte.

Außerdem werden entlang der Start- und Landebahn Drainagen eingesetzt, damit sich nach starkem Regen keine Wasserflächen für beispielsweise Enten oder Gänse bilden.

Eine Kollision ist nicht ohne Tücken

In der Luft sind dagegen die Fronten schnell geklärt, wenn ein Vogelschwarm auf ein Flugzeug trifft. Doch ganz ohne Tücken ist solch eine Kollision auch für eine große Maschine nicht. Zwar ist die Toleranz der meisten Flugzeuge heute recht hoch, jedoch können auch Dellen oder Kratzer schnell kostspielig werden.

„Manche Vogelarten sind ganz schön clever und hartnäckig. Wer es mit der Natur aufnehmen will, muss vorausschauend denken“, erklärt Henning und reicht Leo eine Stange zum Beißen. Der macht daraufhin eine kleine Pause, bevor er wieder losrennt. Der nächste Vogelschwarm wartet bereits.

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