Fast Fashion

Billig-Mode in Containern taugt oft nicht mal zu Putzlappen

Auch im Ruhrgebiet kommt immer mehr billige und schlecht verarbeitete Kleidung in die Altkleidersammlung. Fast Fashion - schnelle und billig produzierte Mode - soll Schuld an dem Phänomen sein.

Auch im Ruhrgebiet kommt immer mehr billige und schlecht verarbeitete Kleidung in die Altkleidersammlung. Fast Fashion - schnelle und billig produzierte Mode - soll Schuld an dem Phänomen sein.

Foto: Johannes Kruck/WAZ FotoPool

Ruhrgebiet.  Die Altkleidercontainer quellen über. Viele Teile können Recyclingfirmen in der Region nicht verwerten – so schlecht ist die Kleidung produziert.

Die Herbstmode liegt schon in den Modeläden aus und die Lust ist groß, Neues zu kaufen – doch der Kleiderschrank ist proppevoll. Wer Platz schaffen will, bringt die Klamotten in die Altkleidersammlung. Doch der Teil der Kleidung, der daraus verwertet werden kann, wird immer kleiner. Viele Kleidungsstücke sind so schlecht verarbeitet, dass die Recyclingfirmen sie nur noch wegschmeißen können.

Jakob Bergen kennt sich mit Altkleidern aus: Seit 1995 holt er mit seinem Wagen für den Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes in Essen die Textilien aus den Altkleidercontainern ab. Vor anderthalb Jahren konnte er noch etwa 50 Prozent der Kleidung aus den Containern eins zu eins weitergeben. Mittlerweile seien es nur noch 35 Prozent. „Früher hatte die Kleidung eine bessere Qualität“, sagt Bergen.

Das liege an der billigen Kleidung, die abgegeben werde. „Man kann sogar an der Qualität unterscheiden, wann die Kleidung gekauft wurde“, sagt Bergen. Die gut erhaltene Kleidung sei meist älter, die neueren Stücke seien hingegen schlechter verarbeitet.

Altkleider verlieren an Wert

Auch Gerhard Kaiser, der Geschäftsführer der Dortmunder Recycling GmbH (Doreg), sieht das ähnlich. Die Container seien prall gefüllt. „Die Modefirmen produzieren wie verrückt, doch die Qualität der Kleidung verschlechtert sich“, sagt Kaiser. „Das hat sich auch in den vergangenen ein bis zwei Jahren beschleunigt.“ Schuld sei auch der stetig sinkende Preis für Kleidungsstücke und die Kunden, die dann noch mehr kaufen. Dieses Phänomen wird auch "Fast Fashion" genannt.

„Ich brauche nur meine Sammelware anzuschauen, um das bestätigt zu bekommen“, sagt Kaiser. Er ist Mitglied des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BSVE) im Fachverband für Textilrecycling. „Alle Mitglieder schildern dort dieselbe Situation“, sagt er.

15 Prozent landen im Müll

Die Stadt Gelsenkirchen lässt Altkleider ebenfalls von einem gewerblichen Unternehmen verwerten – von der Lorenz Wittmann GmbH. „Allgemein können wir sagen, dass die Qualität langsam wegen der ganzen Fast Fashion schlechter wird“, bestätigt Martin Wittmann, Sprecher des Unternehmens. „Die Menge steigt und die Qualität sinkt“, bestätigt Wittmann. Somit sinke insgesamt der Wert der Textilien.

Dass die Altkleidersammlung irgendwann kostenpflichtig werde, glaubt er nicht. „Da sind wir noch weit von entfernt“, betont Wittmann. Noch machen die Altkleiderunternehmen Gewinn.

Nur drei bis sechs Prozent der Ware könne die Doreg als Second-Hand-Kleidung weiterverkaufen. 15 Prozent der Ware gehen zurzeit direkt in den Müll. Das schmälert den Gewinn, denn diese Entsorgung kostet. Der Rest wird recycelt, zum Beispiel in Reißereien, die Textilien auseinandernehmen und neu zusammensetzen. „Aber selbst die fragen sich, was sie mit der minderwertigen Ware sollen“, erklärt Gerhard Kaiser. Denn längst nicht alle Textilien können sie weiterverarbeiten. „Daraus kann noch nicht mal jemand Putzlappen machen“, sagt Kaiser.

Viele verschmutzte Textilien in Container

Abgesehen von der schlechten Qualität neuerer Klamotten würden die Menschen auch viel mehr verdreckte und kaputte Kleidung in die Container werfen – und noch ganz andere Gegenstände. Das beklagt sowohl Jakob Bergen als auch Gerhard Kaiser und Martin Wittmann. „Die schmeißen da sogar einen Staubsauger mit Schlauch da rein“, sagt Jakob Bergen ärgerlich.

„Die alte Gardine oder das verschmutzte Bettlaken können wir nicht verwerten“, sagt auch Gerhard Kaiser. Selbst Müllbeutel werfen die Menschen in die Container zu der Kleidung. Generell habe sich laut Kaiser das Bewusstsein für Recycling verschlechtert. „Beim Altpapier und Glas ist es noch gut, doch bei den Textilien hat es nachgelassen“, fügt er hinzu.

Wohin mit der kaputten Kleidung?

Dennoch sollte nur Kleidung, die wirklich zerstört ist, in den Restmüll. Nicht gut erhaltene Kleidungsstücke, mit abgestoßenem Kragen oder Ärmeln mit blanken Stellen, eigenen sich noch für die Verwertung, und können in die Textilcontainer geworfen werden.

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