An Rhein und Ruhr. .

1233 Bußgeldbescheide hat die Bezirksregierung Düsseldorf im Jahr 2012 an Eltern schulpflichtiger Kinder verschickt, weil sie ihren Nachwuchs grundlos aus der Schule geholt haben. In 215 Fällen ging es um Tage direkt vor oder nach den Ferien. Und auch wenn am Freitag in NRW zum letzten Mal in diesem Schuljahr die Schulglocke läutet, werden einige Familien längst im Urlaub sein. Schulpflicht hin, Schulpflicht her. Dabei gilt die auch am letzten Schultag noch, macht Jörg Harm, Sprecher des NRW-Schulministeriums, deutlich. Ausnahmen? Ausgeschlossen!

Viel mehr Krankmeldungen

Dem Unterricht fernbleiben darf nur, wer ein ärztliches Attest vorlegen kann. Falls nicht, meldet die Schule den Fall an die Bezirksregierung, die dann ein Bußgeldverfahren einleitet. Doch auch das hält einige Eltern nicht ab. Während an normalen Schultagen die Zahl der Krankmeldungen bei zwei bis drei Prozent liegt, schnelle die Zahl vor und nach den Ferien auf das Doppelte hoch, sagt Hans-Peter Meidinger, Chef des Deutschen Philologenverbandes.

„Wir setzen aber darauf, dass die Schulen in vielen Fällen schon vorher durch Gespräche eine solche Situation verhindern“, sagt Stefanie Klockhaus, Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf. Hans van Stephoudt, Leiter des Gymnasiums Adolfinum in Moers, kennt solche Gespräche genau. „Es kommen immer wieder Anträge von Eltern, die eher in den Urlaub starten möchten, weil sie zum Beispiel ein besonders günstiges Angebot wahrnehmen wollen. Wir lehnen das konsequent ab“, sagt van Stephoudt. In Gesprächen mit den Eltern macht er dann die Wichtigkeit des Unterrichts deutlich. „In den allermeisten Fällen zeigen die dann auch schnell Einsicht.“

Die Kritik an den strikten Regeln aber bleibt. Eberhard Kwiatkowski von der Landeselternkonferenz NRW hört regelmäßig Beschwerden über mangelnde Flexibilität. Schließlich würden in vielen Schulen kurz vor den Ferien kaum noch Inhalte vermittelt. „Ich bin für eine Gleichbehandlung. Es gibt einen fixen Zeitpunkt für die Schulferien und der muss dann auch eingehalten werden“, sagt Kwiatkowski. Am Adolfinum gibt es deshalb erstmals in diesem Schuljahr in der letzten Woche eine Projektwoche zu Themen, die Schüler und Lehrer gemeinsam entwickelt haben.

Der Philologenverband hat eine Verschärfung des Problems festgestellt, seit Familien vermehrt Flugreisen antreten. Neben deutlich attraktiveren Abflugzeiten können die Reisenden auch noch bares Geld sparen. Dabei schwört der eine auf Frühbucherreisen, andere setzen auf Lastminute.

Welche Methode die bessere ist, lasse sich nicht bestimmen, sagt Stefan Suska, Sprecher des Reiseveranstalters Alltours aus Duisburg. Eine Familie könne mit einer Lastminute-Pauschalreise genauso viel sparen wie ein Frühbucher. Allerdings müssen dann Abstriche gemacht werden. Zum Beispiel der Abflug aus einem Bundesland, in dem noch keine Ferien sind.

Reisebüros warnen vor Strafen

Reisebüros setzen auf Beratung. „Natürlich kommen Familien, die vor Ferienbeginn in den Urlaub starten wollen. Wir raten davon ab und weisen auf mögliche Strafen hin. Es bringt uns nichts, einfach eine Reise zu verkaufen, die wir dann womöglich doch wieder stornieren müssen. Sowas schädigt das Kundenverhältnis nachhaltig“, heißt es in einem Duisburger Reisebüro. Und trotzdem sind sich die Fachleute sicher, dass auch in diesem Jahr einige Kinder schon in der Sonne Spaniens liegen, wenn die anderen noch die Schulbank drücken und sehnsüchtig auf den letzten Gong warten.