Essen. An diesem Donnerstag, 14. September, war bundesweit Warntag. Sirenen und Handys heulten zum Probealarm. Behörden bitten weiter um Feedback!

  • Auch in NRW war an diesem Donnerstag, 14. September, erneut ein "Warntag".
  • Ab 11 Uhr heulten am Warntag die Sirenen und auch die Handys lärmten.
  • NRW-Innenministerium zieht eine erste positive Bilanz.
  • Bundesweiter Warntag: Wir haben die wichtigsten Informationen für sie gesammelt.

An diesem Donnerstag, dem 14. September, ist es wieder laut geworden: Im Rahmen eines bundesweiten Warntags heulten ab 11 Uhr auch in NRW wieder die Sirenen und lärmten Handys. Denn egal ob in der Stadt oder auf dem Land: Im Ernstfall soll jeder eine schnelle staatliche Warnung empfangen. Der Probedurchlauf soll deutlich besser laufen als der letzte im vergangenen Dezember - damals erhielten neun von zehn Menschen eine Warnung. Laut Innenstaatssekretärin Juliane Seifert setzt man dabei auf den sogenannten "Warnmittel-Mix".

Welche Bilanz ziehen die Katastrophenschutz-Behörden?

"Stresstest bestanden: Am bundesweiten Warntag haben die Warnsysteme zuverlässig funktioniert", meldete am Donnerstagnachmittag das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Gleichwohl hoffe man auf weitere Rückmeldungen und Erfahrungsberichte aus der Bevölkerung, sagte BBK-Präsident Ralph Tiesler.

Laut dem ersten stichprobenartigen Überblick meldete auch das NRW-Innenministerium, man könne "das erste Fazit des Bundes bestätigen", teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit: "Die Sirenenansteuerung in NRW erfolgte gemäß geplantem Auslösekonzept. Die Warn-Apps haben durchweg innerhalb von wenigen Minuten ausgelöst." Zudem hätten die beiden Anbieter von Stadtwerbung, Ströer und Wall, berichtet, "dass die Ausstrahlung auf den mehr als 1300 Stadtwerbetafeln in NRW flächendeckend ohne Probleme verlief. Im WDR-Fernsehen wurde um Punkt 11 Uhr ein Laufband zum bundesweiten Warntag eingeblendet."

Wann heulten die Sirenen am bundesweiten Warntag?

Am 14. September um 10.59 Uhr ging es los - je nach Betriebssystem und weiteren Gründen kam die Handy-Warnung womöglich schon kurz vor der eigentlich Startzeit um 11 Uhr - oder kurz darauf. Heulen sollten vor allem Sirenen und Handys, auf denen der Mobilfunkdienst Cell Broadcast funktioniert.

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Die Technik dahinter verantwortet der Bund, der Cell Broadcast bereits beim bundesweiten Warntag im vergangenen Dezember getestet hatte. Cell Broadcast wurde in NRW erstmals im März im Ernstfall lokal eingesetzt: Am 28. Februar hatte die Feuerwehr-Leitstelle in Münster die Bevölkerung vor einem Großbrand gewarnt.

So war der Ablauf für den bundesweiten Warntag am 14. September geplant:

  • 11 Uhr: Zuerst ist der einminütige Dauerton zu hören. Gleichzeitig sendet Cell Broadcast an alle Handys einen Warnhinweis.
  • 11.01 - 11.45 Uhr: Pause - hier bleibt es auf den Handys ruhig.
  • 11:45: Zuletzt ist noch einmal der Dauerton zu hören, um Entwarnung zu geben. Auch sollen die installierten Warnapps Entwarnung geben.

Wo kann man sich melden, wenn z.B. Sirenen in der Nähe stumm blieben?

Es gibt eine Online-Umfrage des Bundes, zu erreichen unter https://www.warntag-umfrage.de. Denn solche Infos helfen den Katastrophenschutz-Behörden sehr, weil der Warntag nicht nur die Bevölkerung sensibilisieren will, sondern auch die Technik testen soll. Aber: "Bitte nicht den Feuerwehr- oder Polizei-Notruf deswegen anrufen", sagte etwa ein Sprecher der Feuerwehr Düsseldorf. Eine Möglichkeit, seine Beobachtungen vor Ort zu schildern, wäre auch den Social-Media-Kanal etwa seiner örtlichen Feuerwehr zu nutzen, sagt der Sprecher. In Düsseldorf zumindest "werden wir das auswerten". Nötig sind möglichst detaillierte Infos, wo man den Eindruck hatte, das Warn-Sirenen möglicherweise nicht in Betrieb gesetzt worden sind oder wie gut vernehmbar sie warnten. Oder wo Handys - die technisch dazu in der Lage sind - womöglich stumm geblieben sind. Die Stadt Düsseldort hatte dazu auch ihr "Gefahrentelefon" freigeschaltet (Telefonnummer 0211/38 89 889), die Feuerwehr in Neuss hat eigens eine Website eingerichtet und freut sich "über Ihr Feedback" - natürlich nur Neuss betreffend. Die Feuerwehr Bottrop wies in ihrer Information vorab auf die Umfrage des Bundes hin.

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© Screenshot

Wie begründet NRW die Warntage?

„Übung macht den Meister“, sagt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) dazu. „Im Ernstfall muss nicht nur die Technik funktionieren, auch die Leute müssen wachgerüttelt werden.“ Das eigene Land sieht Reul in dieser Warn-Komposition „gut aufgestellt“. Es gebe immer mehr digitale Anzeigetafeln in den Städten, vor allem an großen Straßenkreuzungen, in Einkaufszenten und in Bahnhöfen.

NRW setzt zudem stark auf die klassische Warnung: Die Zahl der Sirenen im Land steigt, von 4200 im Jahr 2017 auf aktuell mehr als 6000, erklärte eine Sprecherin des Innenministeriums. Das „Sirenenförderprogramm“ wird fortgesetzt, denn flächendeckend ist das Netz noch nicht

Was ist, wenn am Donnerstagmittag wirklich etwas passiert?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) versichert, dass die Warnsysteme auch in einem solchen Fall funktionieren. Die Warn-Kanäle seien keineswegs durch den Test blockiert, sondern könnten die Menschen jederzeit auch vor echten Gefahren warnen.

Bundesweiter Probealarm: Was ist Cell Broadcast?

Cell Broadcast ist ein neues Warnsystem, das offiziell seit Februar 2023 in Deutschland im Einsatz ist. Die Einführung war nach der Hochwasser-Katastrophe im Juli 2021 beschlossen worden. Mit dem System sollen im Ernstfall mehr Menschen erreicht werden als bisher. Über Cell Broadcast kann an sämtliche Smartphones in einem bestimmten Gebiet eine akustische und eine Text-Warnung geschickt werden. Voraussetzung ist ein ausreichend neues Betriebssystem. Außerdem müssen die Handys eingeschaltet und der Flugmodus ausgeschaltet sein.

Wie empfange ich Cell Broadcast?

Laut aktueller Übersicht des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe funktioniert Cell Broadcasting bei den Smartphones von Apple mit allen Geräten ab dem iPhone 6s aufwärts, sofern ihr Betriebssystem auf dem jeweils neuesten Stand ist. Auch auf Apple Watches der Cellular Variante ab Version 4 ertönt der Alarm. Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android sind ab der Android-Version 11 an aufwärts kompatibel.

» Lesen Sie dazu: Cell Broadcast: So richte ich die Warnung auf dem Handy ein

Auf einem Smartphone ist eine mittels Cell Broadcast übertragene Alarmmeldung aus dem Jahr 2022 zu sehen. Diese Technik wird ebenfalls beim Warntag getestet.
Auf einem Smartphone ist eine mittels Cell Broadcast übertragene Alarmmeldung aus dem Jahr 2022 zu sehen. Diese Technik wird ebenfalls beim Warntag getestet. © Stefan Arend / FUNKE Foto Services (Archiv)

Für die Nutzung muss keine App installiert werden und es ist auch keine Registrierung nötig. In vielen anderen Ländern wird das System bereits genutzt. Welche Smartphones von Google, Samsung oder Sony Cell Broadcasting unterstützen, hat das BBK auf dieser Seite (Stand April 2023) aufgelistet.

Über welche Wege wird der Probealarm am Warntag noch gesendet?

An Warntagen wird die Bevölkerung über verschiedene Wege informiert, um einen möglichst großen Teil der Menschen zu erreichen:

  • Sirenen: In den Städten heulen die Sirenen. In ganz NRW sind das aktuell rund 6000. Seit Mitte 2021 sind mehr als 700 Sirenen hinzugekommen. Um die Bevölkerung besser warnen zu können, soll das Sirenennetz weiter ausgebaut werden.
  • Warn-Apps: auch Apps wie "Nina" vom BBK oder "Katwarn" vom Fraunhofer Institut senden eine Probe-Warnung aus.
  • Medien: Auch auf Social Media, im Fernsehen oder Radio werden Warnungen ausgesendet und verteilt. Auch einige Verkehrsanbieter spielen die Warnmeldungen über ihre Verkehrssysteme aus.
  • Cell Broadcast: Das System sendet einen Warntext und einen lauten Ton auf die Handys.
  • Informationstafeln in Städten: Auch wer ohne Handy durch die Stadt geht, soll den Probealarm nicht verpassen.
  • Warnungen auf Bahnsteigen und Zügen: Hier soll es durchsagen und Meldungen auf Anzeigetafeln geben.
Noch lauter als die Cell-Broadcast-Meldungen werden in vielen Städten die Sirenen sein.
Noch lauter als die Cell-Broadcast-Meldungen werden in vielen Städten die Sirenen sein. © Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Wieso gibt es die Warntage eigentlich?

Bereits seit 2018 gibt es regelmäßige Warntage, an denen die vorhandenen Systeme auf ihre Funktionalität überprüft und die Bevölkerung für die Warnungen sensibilisiert werden soll. Der letzte bundesweite Warntag fand am 8. Dezember 2022 statt. Er war wegen des Ukraine-Kriegs in den Winter verschoben worden. Die Flutkatastrophe im Juli 2021 hatte zudem große Mängel im Katastrophenwarnsystem offenbart.

Welche Reaktionen gab es am Donnerstag zum Warntag?

In Gladbeck habe eine der 13 Sirenen nicht funktioniert, teilte die Feuerwehr am frühen Nachmittag mit. Zu Cell Broadcast und Warn-Apps gab es dort keine negativen Rückmeldungen. Im NRW-Innenministerium sagte eine Sprecherin, bis zu einer abschließenden Bilanz werde es einige Zeit brauchen; am Donnerstag werde man noch kein vollständiges Bild haben.

(mit dpa)

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