Start-Up

App Karmaticket soll Ticketbesitzer und Mitfahrer verkuppeln

Eine App für das Smartphone soll Mitfahrgelegenheiten für Bus und Bahn schaffen.

Eine App für das Smartphone soll Mitfahrgelegenheiten für Bus und Bahn schaffen.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Bochum.  Bahn-Tickets bieten oft eine Mitfahrer-Option, aber die wird oft nicht genutzt. Eine neue App soll Ticket-Besitzer und Mitfahrer zusammenbringen.

Jan Lubitzsch möchte Menschen dabei helfen, ihr "Karma-Konto" aufzuladen – das heißt, sie dazu verleiten gute Taten zu tun. Mit seiner neuen Smartphone-App Karmaticket sollen Besitzer eines Bahn- oder Bustickets anderen Menschen etwas Gutes tun und sie kostenlos auf ihrem Ticket mitfahren lassen.

Bei vielen Tickets der Verkehrsverbünde gibt es die Option, dass der Inhaber jemanden zu gewissen Zeiten kostenfrei mitnehmen kann. Doch im Alltag fahren viele allein. Der ehemalige Student der Ruhr-Universität Bochum, Jan Lubitzsch, hatte bei seinem Uni-Ticket selbst eine solche Option.

Oft hat er Wartenden auf dem Bahnsteig angeboten, sie mitzunehmen. „Manche Menschen sind allerdings verunsichert, wenn man sie direkt auf dem Bahnsteig anspricht, ob sie auf dem Ticket mitfahren möchten“, erzählt 36-Jährige, „es musste also eine Plattform her.“

Ticket-Besitzer können selbst entscheiden, wer mitfährt

Schnell war klar, dass eine App Ticket-Inhaber und potentielle Mitfahrer vernetzen sollte. „Die Idee hatte ich Anfang 2017 und wollte damit bereits Weihnachten 2017 an den Start gehen. Das war wohl etwas zu enthusiastisch, denn ich habe keine Ahnung vom Programmieren“, gibt Lubitzsch zu. Allein konnte er das Start-Up-Projekt nicht stemmen und holte sich den technikaffinen Mitstreiter Jörg Bellrich ins Boot.

Gemeinsam entwickelten die Zwei Karmaticket. In der App können Menschen, die eine Mitfahrgelegenheit suchen, ihre Start- und Ziel-Haltestelle sowie die gewünschte Abfahrtzeit eingeben. Die Anfragen werden mit den Angeboten der Ticket-Inhaber verglichen und übereinstimmende Ergebnisse von der App ausgespuckt. „Die Ticket-Besitzer können dann jemanden zur Mitfahrt einladen. Es war uns sehr wichtig, dass diejenigen, die ihr Ticket zur Verfügung stellen, selbst aussuchen können, wer mitfährt“, erklärt Lubitzsch.

Die App kann zwei Wochen kostenfrei getestet werden

Über einen temporären Chat können sich die beiden auf dem Bahnsteig oder an der Bushaltestelle verabreden. Die Profile der Nutzer sollen mit einem persönlichen Bild versehen werden können. Außerdem sollen die App-Nutzer die Möglichkeit haben, Personen zu bewerten.

Für Ticket-Besitzer ist die App immer kostenlos. Mitfahrende können Karmaticket zwei Wochen kostenlos testen. Danach zahlen sie sechs Euro im Monat. „Damit werden wir natürlich nicht reich, sondern decken unsere Server- und Betriebskosten“, erklärt Lubitzsch. „Ich würde mir wünschen, dass sich die App in Zukunft über Werbung finanziert und für die Nutzer komplett kostenlos wird. Aber dafür müssen wir natürlich erstmal wachsen“, sagt Jan Lubitzsch.

Karmaticket wurde nicht aus Drittmitteln finanziert

Entstanden ist Karmaticket am heimischen Schreibtisch - nicht in Vollzeit, sondern neben der Arbeit und dem Studium. Die Firmenadresse ist das kleine Sozialkaufhaus von Lubitzschs Eltern in Bochum-Wattenscheid. „Wir sind ein Zwei-Mann-Start-Up, das ohne Drittmittel finanziert wurde. Abhängig von einem Geldgeber wollten wir nämlich nicht sein", erklärt Jan Lubitzsch. Über eine ganz besondere Finanzspritze durften sich die beiden im April dieses Jahres dennoch freuen. Beim „Innovation Call 2018“ der regionalen Wirtschaftsförderung Business Metropole Ruhr belegte das Projekt Karmaticket den zweiten Platz und wurde mit 1500 Euro unterstützt.

Jetzt, wo die App für Nutzer zum Download parat steht, ist der erste Schritt in Richtung wachsendem Netzwerk getan. Fehlen nur noch die Protagonisten. Von denen erhofft sich Jan Lubitzsch viel. „Die App soll nicht nur die Mobilität verbessern und die Umwelt schonen, sondern auch etwas für die Gesellschaft tun“, erklärt der gebürtige Wittenberger und Herz-Bochumer. Die Mitfahrer können den Ticket-Inhabern nämlich etwas Gutes zurückgeben. „Sie es ein mitgebrachter Kaffee oder ein gutes Gespräch während der Fahrt.“

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr nimmt die Plattform unter die Lupe

Ob die App für Gesprächsstoff beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) sorgt, wird sich zeigen. Momentan wird die Plattform dort erstmal beäugt. "Das kennen wir so noch nicht. Wir müssen mal beobachten, ob sich das durchsetzt und sich Menschen finden, die dort mitmachen. Noch können wir das Portal nicht bewerten", erklärt Dino Niemann, stellvertretender Pressesprecher des VRR. "Wenn Menschen hierdurch in den Kontakt mit Bus und Bahn gebracht werden, freut uns das. Sie könnten zu regelmäßigen Nahverkehrskunden werden", sagt Niemann weiter. Ob der VRR mit Einnahmeverlusten rechnet, kann er noch nicht abschätzen.

Tickets mit Mitnahmemöglichkeit beim VRR:

  • Auf dem 24-/48-Stunden-Ticket können bis zu fünf Personen fahren.
  • Ticket1000 und Ticket1000 9 Uhr: Es können bis zu drei Kinder unter 15 Jahren mitfahren – Wochentags nach 19 Uhr. Am Wochenende und an Feiertagen ganztägig.
  • 30-TageTicket-Ticket1000 und 30-TageTicket-Ticket1000 9 Uhr: Es können bis zu drei Kinder unter 15 Jahren mitfahren – Wochentags nach 19 Uhr. Am Wochenende und an Feiertagen ganztägig.
  • Ticket2000 und Ticket2000 9 Uhr: Es können ein weiterer Erwachsener und bis zu drei Kinder unter 15 Jahren mitfahren – Wochentags nach 19 Uhr. Am Wochenende und an Feiertagen ganztägig.
  • 30-TageTicket-Ticket2000 und 30-TageTicket-Ticket2000 9 Uhr: Es können ein weiterer Erwachsener und bis zu drei Kinder unter 15 Jahren mitfahren – Wochentags nach 19 Uhr. Am Wochenende und an Feiertagen ganztägig.
  • BärenTicket der Preisstufe B: Es können ein weiterer Erwachsener und bis zu drei Kinder unter 15 Jahren mitfahren –Wochentags nach 19 Uhr. Am Wochenende und an Feiertagen ganztägig.
  • YoungTicketPLUS: Es kann eine weitere Person mitfahren – Wochentags nach 19 Uhr. Am Wochenende und an Feiertagen ganztägig.

Bei der Deutschen Bahn ist das Karmaticket auch noch Neuland. "Wir können nicht beurteilen, wie diese App bei den Bahnfahrern ankommt. Zumindest kann man so eine Geschichte auch als Chance sehen, Menschen auf die Schiene zu bringen", sagt eine Bahnsprecherin.

Die Deutsche Bahn hat eine eigene Mitfahrer-App

Die Bahn bevorzugt ihre eigene App: Es gibt eine Mitfahrer-App, über die Bahnfahrer zusammenfinden und so als Gruppe mit dem Länderticket Geld sparen können. Die App gilt bisher allerdings noch nicht für alle Bundesländer. Unter anderem In Baden-Württemberg, Niedersachen und Schleswig-Holstein kann sie genutzt werden. Für das NRW-Länderticket gilt die App noch nicht.

Während die Mitfahrer-App der Bahn in Nordrhein-Westfalen noch auf sich warten lässt, gibt es Karmaticket für Android Smartphones bereits zum Download im Play-Store. Besitzer eines iPhones müssen sich noch etwas gedulden. "Doch in den nächsten Tagen sollte es auch hier soweit sein", freut sich Jan Lubitzsch.

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