Allergie

Schönes Wetter – schlechte Tage für Allergiker: Heuschnupfen

Heuschnupfen: Fast ein Viertel der Menschen leidet unter einer Allergie, die gegen Gräser ist besonders verbreitet.

Foto: imago stock

Heuschnupfen: Fast ein Viertel der Menschen leidet unter einer Allergie, die gegen Gräser ist besonders verbreitet. Foto: imago stock

An Rhein und Ruhr.  Pollenalarm: Die Gräser- Saison ist gestartet. Allergie- und Asthmabund beklagt lange Wartezeit bei Ärzten. Es gibt aber einige Akut-Tipps.

Das eine Wochenende ist just vorbei, das andere – lange, mit Brückentagn – schon in Sicht, doch viele Menschen in der Region können sich übers gute Wetter nicht freuen. „Für viele Allergiker beginnen jetzt harte Zeiten“, sagt Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB).

Der aktuelle Pollenflug-Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes weist bei den Gräsern Stufe 2-3 fürs Rheinland aus – eine mittlere bis hohe Intensität, die zweithöchste Stufe. Für Allergiker heißt das: Nießen, Schniefen, brennende Augen, schlimmstenfalls Asthma-Anfälle.

Allergiker leiden immer stärker

Etwa 25 % aller erwachsenen Menschen sind Allergiker, das gilt auch für NRW. Ihre Zahl hat sich laut Fachleuten in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Frühblüher wie Hasel oder Erle sind durch, nun starten die Gräser – und die meisten Allergiker reagieren auf deren Pollen, wie Sprecherin Lämmel vom in Mönchengladbach ansässigen DAAB berichtet. Umwelteinflüsse sorgen dafür, dass Allergiker immer stärker leiden müssen: „Es ist erwiesen, dass Bäume an vielbefahrenen Straßen mehr Pollen ausschütten und mit Schadstoff belastete Pollen aggressiver sind.“

Noch ein Problem: Betroffene reagieren häufig nicht nur auf einen Allergielöser sondern auf zwei oder mehr. Mit den Pollen der an Rhein und Ruhr eigentlich nicht heimischen Ambrosia-Pflanze oder denen von Trend-Gartengewächsen wie Zedern oder Oliven sind neue Allergieauslöser hinzugekommen. Und der Klimawandel verlängert die Vegetationsphasen.

Beifuß und Ambrosia im Winter

„Vergangenes Jahr waren Beifuß- und Ambrosiapollen hier bis in den November unterwegs und im warmen Dezember flog schon der erste Hasel“, berichtet Lämmel. Wer auf Frühblüher, Gräser und Kräuter reagiere, habe schlimmstenfalls das ganze Jahr über zu leiden. Da helfen laut Lämmel symptomunterdrückende Medikamente eigentlich nicht mehr, sondern nur noch eine sogenannte Hyposensibilisierung – eine langjährige Spritzkur.

NRW ist zwar mit Fachärzten noch vergleichsweise gut versorgt, doch auf einen Termin könne man leicht vier Monate oder mehr warten: „Gerade für eine Erstdiagnose ist das eine Katastrophe. Betroffenen muss rasch geholfen werden“, fordert die DAAB-Sprecherin.

Zurückhaltung beim Sport im Freien

Solange das gute Wetter jetzt anhält, hat Prof. Dr. Alexander Kreuter, Allergologe am Oberhausener Helios-Krankenhaus einige Tipps für Betroffene parat: Erstens, ganz wichtig, rät er Menschen mit Heuschnupfen dieser Tage von Hochleistungssport im Freien ab. Antihistaminika, „Heuschnupfen-Tabletten“ können vorübergehend Linderung verschaffen, wenn die Augen arg brennen oder die Nase ständig läuft.

Einige Präparate, wie Cetirizin, haben aber Nebenwirkungen: Sie machen benommen und müde. Kurzfristig können auch Augentropfen bei einer Bindehautentzündung helfen. Die sind frei in der Apotheke verkäuflich.

Hautärzte raten oft davon ab, täglich zu duschen. Bei Allergikern stimmt diese Regel jedoch nur bedingt. Kreuter: „Wer allergisch auf Gräser und Pollen reagiert, ist gut beraten, abends ausgiebig zu duschen und auch die Haare gründlich zu waschen, um die Pollen loszuwerden und so besser schlafen zu können.“ Von Kortison-Depot-Spritzen hält der Experte hingegen nichts – „diese Behandlungsmethode ist veraltet“.

Presaisonale Injektionen

Viel besser sei die Hyposensibilisierung. Eine andere Möglichkeit sind vier Injektionen, die „presaisonal“ gegeben werden. Dafür ist es in diesem Jahr allerdings zu spät. Wer auf Gräser und Roggen reagiert, sollte diese „en bloc“ Therapie im Februar und März durchführen. Menschen, die auf Frühblüher wie Birke, Hsel oder Erle reagieren, sollten sich schon jetzt den Oktober oder November als Therapie-Zeit vormerken.

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