Ärger im Wohnparadies

Am Niederrhein.   Ellen Schmidt versteht die Welt nicht mehr. Seit 30 Jahren wohnt sie mit ihrem Mann in einer schönen Siedlung in Kalkar-Appeldorn am Niederrhein. Es ist ein idyllisches Fleckchen Erde, mit Anschluss an einen See und Swimmingpool im Garten, in der Nähe befindet sich noch Burg Boetzelaer. „Das ist wie Urlaub“, schwärmt Ellen Schmidt. Doch jetzt gibt es für das Ehepaar und 250 Nachbarn gewaltigen Ärger. Denn Familie Schmidt lebt offenbar illegal am Niederrhein – und damit hätten sie nie gerechnet.

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Ellen Schmidt versteht die Welt nicht mehr. Seit 30 Jahren wohnt sie mit ihrem Mann in einer schönen Siedlung in Kalkar-Appeldorn am Niederrhein. Es ist ein idyllisches Fleckchen Erde, mit Anschluss an einen See und Swimmingpool im Garten, in der Nähe befindet sich noch Burg Boetzelaer. „Das ist wie Urlaub“, schwärmt Ellen Schmidt. Doch jetzt gibt es für das Ehepaar und 250 Nachbarn gewaltigen Ärger. Denn Familie Schmidt lebt offenbar illegal am Niederrhein – und damit hätten sie nie gerechnet.

Das Häuschen der Familie befindet sich nämlich im „Erholungsgebiet Oybaum“ und hier darf man nur am Wochenende wohnen. Doch daran hält sich niemand. Nahezu alle Nachbarn haben sich auf ein dauerhaftes Wohnen eingestellt - auch die Schmidts, die 1987 von Duisburg nach Kalkar gezogen waren. „Zu Beginn hieß es, dass dies eine Ferienhaussiedlung wird. Doch dann wurde es nach und nach immer lockerer mit den Vorschriften“, erinnert sich Ellen Schmidt.

Dauerhafter Verstoßgegen geltendes Recht

Seit Jahren wird also in der Wochenendsiedlung „Oybaum“ geltendes Recht missachtet und das mit Wissen der zuständigen Behörden. Durch die Beschwerde eines Bewohners über die Errichtung eines Windrades in der unmittelbaren Nachbarschaft ist das Thema jetzt akut geworden. Die Landesbehörden wollen die Zustände in Kalkar-Appeldorn nicht länger hinnehmen und möchten ein dauerhaftes Wohnen untersagen. Ähnliche Problemfälle gibt es viele in Nordrhein-Westfalen, vor einiger Zeit in Xanten etwa oder am Entenfang-Campingplatz in Mülheim. Nimmt man in Kalkar alle Erholungsgebiete zusammen, leben sogar 3% der Stadtbevölkerung illegal.

Im schlimmsten Falle müsste die Siedlung Oybaum geräumt werden. Ein ungeheurer Gedanke, den die Kommunalpolitiker sich gar nicht vor Augen führen möchten. Denn die Stadt hat jahrelang die Zustände geduldet und die Anwohner in Sicherheit gewogen. In einem Schreiben, welches der NRZ vorliegt, hat die Stadtverwaltung im Dezember 1999 einem Anwohner mitgeteilt: „Dementsprechend ist bauordnungsrechtlich das ,dauernde Wohnen’ in diesem Gebäude zulässig“.

Bewohnerin Schmidt erzählt, dass alle baulichen Veränderungen auf ihrem Grundstück mit der Stadt und dem Kreis Kleve als Aufsichtsbehörde abgestimmt worden sind: „Unser Haus wurde bereits dreimal eingemessen und für korrekt befunden. Es wurde alles 93-mal mit dem Grünen Punkt bestätigt“, sagt Schmidt. „Es kann doch nicht sein, dass wir hier nicht mehr wohnen dürfen.“

Ob das dauerhafte Wohnen doch noch legalisiert wird, bleibt abzuwarten. Die Verwaltung soll prüfen, welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt. Frank Sundermann sagte wiederholt im Bauausschuss, dass die Position der Bezirksregierung in diversen Vorgesprächen eindeutig gewesen sei: „Ein dauerhaftes Wohnen sieht die Bezirksregierung hier als unzulässig an.“

Auch in früheren Schriftsätzen hat die Kreisverwaltung als Aufsichtsbehörde darauf hingewiesen, dass ein dauerhaftes Wohnen nicht zulässig sei und dass auch der entsprechende Hauptwohnsitz nicht angemeldet werden könne.

Das Meldeamt der Stadt Kalkar hat dies aber getan. 250 Bewohner haben ihren Hauptwohnsitz anmelden können – obwohl die Stadt wusste, dass es sich hier um ein Wochenendhaus-Gebiet handelt.

Die neue Bürgermeisterin Britta Schulz, die für den baurechtlichen Schlamassel der Vergangenheit nicht verantwortlich ist, sagte der NRZ, dass ein dauerhaftes Wohnen nur schwer zu genehmigen sei. Die Gespräche mit der Bezirksregierung werden weiter geführt.

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