Interview

Randbreiten - Jungverleger lotet sportliche Nischen neu aus

Johannes Busley (links) zusammen mit Roman Motzkus bei der Vorstellung von dessen Buch: ROMO 83 - ein deutsches Footballleben. (Foto: NFLFG)

Johannes Busley (links) zusammen mit Roman Motzkus bei der Vorstellung von dessen Buch: ROMO 83 - ein deutsches Footballleben. (Foto: NFLFG)

Essen.   Der Kettwiger Johannes Busley veröffentlicht in seinem Randbreiten-Verlag das dritte Buch und will Geschichten abseits des großen Sports erzählen

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"Am Eck" heißt eine der ältesten Kneipen in Kettwig - und dass in diesem urigen Ambiente das Interview mit einem jungen Menschen stattfindet, passt dann doch prima: Denn Johannes Busley widmet sich einem sehr traditionsreichen Geschäft - dem Buch: Der freundlich-aufgeräumt wirkende 29jährige Kettwiger hat im September den Randbreiten-Verlag gestartet, und er wird in den kommenden Tagen sein drittes Buch auf den Markt bringen - wie die beiden ersten wird es um American Football gehen. Eine gute Gelegenheit für ein Gespräch über dieses Buchprogramm, über Nischensport, der keiner ist - und den Optimismus eines Jungverlegers.

Herr Busley: Wie kommt man als junger Mann auf die Idee, Verleger werden zu wollen?

Johannes Busley: Die Geschichte ist nicht gerade hollywoodreif: Ich schaue seit Jahren gerne sonntags American Football. Und über den Kurznachrichtendienst Twitter habe ich die Bekanntschaft mit vielen witzigen, verrückten Hobby-, und mit einigen echter Football-Experten gemacht; zu letzteren gehört meine erster Autor, Roman Motzkus. Ich konnte beobachten, dass großes Interesse an seiner sportlichen Vorgeschichte, und der seiner Moderatoren-Kollegen besteht, und so bot ich ihm an, ihm bei einer Freelancer-Buchveröffentlichung zu helfen. Dabei hilft mir, dass ich selbst einmal in grauer Vorzeit Buchhändler gelernt habe und einiges an Fachwissen herüberretten konnte. Im Laufe der Beratung stellte ich fest, dass man das erdachte Modell auch in ein Verlagskonzept und auf andere Themen übertragen kann, und dass einzelne "nerdige" Veröffentlichungen unter einem Dach viel größere Chancen am Markt haben würden. Roman zu überzeugen in meinem Verlag zu veröffentlichen, als Zugpferd zu fungieren, und ihm Arbeiten wie das konkrete Veröffentlichen, das Bewerben und Vertreiben abzunehmen, war dann nicht zu schwer...

Welches Konzept verbirgt sich hinter dem Namen "Randbreiten"?

Busley: Der Name an sich ergibt sich durch das gesteckte Ziel RANDsportarten in voller BandBREITE abdecken zu wollen, und Themen, die nicht dauernd im Fokus stehen, eine Plattform zu bieten. So muss nicht jedes Buch in den kommenden Jahren zehntausende Abnehmer finden, um beim jeweiligen Thema als Erfolg zu gelten und wirtschaftlich zu sein. Trotzdem freut es mich natürlich, mit den beiden ersten Titeln einen sehr guten Start hingelegt zu haben.

Wieso widmen Sie sich solch eher nischigen Themen wie American Football – in einem fußball-verrückten Land?

Busley: Auf der einen Seite hat das Internet die Art und Weise wie und welchen Sport wir verfolgen, ja sogar, welchen wir in unserer Freizeit betreiben, stark verändert. Es sprießen im Internet die Blogs, Videoformate und Internetradios, die sich Sportarten widmen, die nicht "Fußball" heißen. Ich selbst liebe Fußball, und gehe gerne zum RWE, aber die Anzahl und Aufrufzahlen dieser alternativen Web-Formate zeigen: Die Leute gieren förmlich nach Infos und Unterhaltung anderer Sportarten; es gibt Formate, die sich für mich abwegigen Sachen wie Ringen oder Darts zuwenden, die über Rugby und Baseball so versiert und professionell berichten, wie man es sonst eben nur vom Fußball kennt, und die ihre Fans haben. Und American Football sticht da natürlich noch einmal im Besonderen heraus. Die Mühe, die sich beispielsweise Pro7 und Sport1 damit machen, und die Erfolge und Rekorde die sie damit erzielen, sprechen für sich. Und die Zahlen zeigen, dass sie dem Markt etwas liefern, worauf der gewartet hat. Da aber im Bereich der Sportbücher gefühlt immer nur Biografien ehemaliger Tennis- oder Fußballstars, Taktikbücher für Vereinstrainer oder Bildbände aufgelegt werden, versuche ich diese Lücke zu schließen, und das "Nischenangebot" abzurunden.

Was fasziniert Sie ausgerechnet an American Football?

Busley: Ich mag die Schnelligkeit und die hohe Präzession. Jetzt werden einige sagen: "Die machen doch andauernd Pause", "da passiert nur so wenig". Letzteres stimmt aber bei genauerer Betrachtung nicht: In aller kürzester Zeit müssen Typen mit unterschiedlichen Aufgaben präzise und zeitlich abgestimmt zusammen funktionieren. Du kannst noch so schnell laufen, hoch springen oder den Ball weit werfen - wenn der Typ neben dir seinen Job nicht macht, dein Bälleverteiler Flutschfinger hat, oder dein Ballträger döst, stehst du schlecht da. Die Mannschaft muss perfekt funktionieren, sonst hat dein Gegner leichtes Spiel. Das finde ich extrem spannend und daher ist "American Football" mein größtes Hobby.

Ihr Lieblingsverein in der NFL?

Busley: Mein Team sind die Cleveland Browns - vermutlich wegen der Parallelen zu Rot Weiss Essen.

Wie ist die Football-Szene Ihrer Meinung nach in der Region aufgestellt?

Busley: Mit den Assindia Cardinals haben wir in Essen ein Team, das es regelmäßig schafft Stadien zu füllen. Heimspiele sind ein Spektakel, das man gerade jungen Familien wegen der Maskottchen und Cheerleader - die noch dazu international höchst erfolgreich und bekannt sind - und des Rahmenprogamms nur ans Herz legen kann. Leider hat es bei den Cardinals dieses Jahr nicht zum Klassenerhalt in der 2. Bundesliga gereicht. Insgesamt erlebt aber Football bundesweit und in NRW, wie ich erfahren habe, einen großen Zustrom: Es wurden neue Ligen und Strukturen geschaffen, um den Gründungen neuer Vereine Rechnung zu tragen. Die Mitgliedszahlen im American Football Verband Deutschland stiegen in den vergangenen zehn Jahren rapide an. Und von Essen über Gelsenkirchen, bis hin zu kleineren Städten wie Recklinghausen und Mülheim - überall gibt es mittlerweile ambitionierte Teams. Da ist viel in Bewegung gekommen.

Sie veröffentlichen demnächst Ihr drittes Buch und haben Autoren gewinnen können, die in der Szene sehr populär sind. Wie gehen Sie vor?

Busley: Habe ich eine Person gefunden und kann mir ein vielversprechendes Thema ausmalen, dann suche ich den Kontakt, und erkläre im lockeren Ton und doch präzise: Wieso sollten Sie für mich ein Buch schreiben, es bei mir veröffentlichen, und wie soll das Ganze für uns beide funktionieren. Toll an Facebook und Twitter ist, dass man so wunderbar schnell und zwanglos Kontakt aufbauen und Fragen beantworten kann. Demgegenüber sind eMails schon beinahe umständlich! Über Twitter bin ich überhaupt erst an Roman Motzkus gelangt, ohne den der Randbreiten-Verlag nie möglich geworden wäre, und der mir einige Türen geöffnet hat. Ohne Twitter wäre mir wohl auch nie Herr von Kuczkowski (ebenfalls ein Autor im Randbreiten-Verlag, Anm. d. Redaktion) durch einen gemeinsamen Bekannten vermittelt worden.

Mit wem würden Sie gerne in Zukunft mal ein Buch machen?

Busley: Ich stehe in Kontakt zu vielen, vielen interessanten Persönlichkeiten und Vereinen. Da ist einiges dabei, was mir Spaß machen, und sicher interessierte Leser finden würde - von Schach über Rudern, vom Fußballspieler bis zum Kommentatoren. Aber: Frank Busemann und Ingo Schultz: Wenn sie das lesen - Sie finden mich im Internet! (lacht)

Warum überhaupt noch gedruckte Produkte?

Busley: Ich biete beides an. Zunächst erscheinen meine Titel als kompakte Taschenbücher; viele Leser halten, so wie ich, gerne etwas in der Hand, und stellen es sich später in ihr Regal. Ich habe tolle Bilder von Fans bekommen, die ihren Büchern Ehrenplätze gegeben haben! Einige Wochen später erscheinen die Bücher dann aber auch als eBooks zum reduziertem Preis.

Die Buchbranche ist hart umkämpft: Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Busley: Auf der einen Seite ist ganz klar: So schnell wird man keine Werbeanzeigen von Randbreiten sehen, und kein Autor wird von Plakaten runtergrinsen. Auf der anderen Seite wissen wir um die Nischen, und wo wir unsere Leser finden. Daher sind meine Autoren und ich sehr aktiv in der Ansprache im Netz. Täglich finden Sie interessante oder lustige Beiträge und Videos auf unseren Facebook- und Twitter-Kanälen.

Wie war die Resonanz auf Ihr bisheriges Angebot?

Busley: Die bisherigen Bücher bewegen sich ja in einer ganz spezifischen Szene, und da erziele ich mit meinen drei herausstechenden Autoren natürlich von Beginn an große Aufmerksamkeit: Roman Motzkus als ehemaliger Nationalspieler und TV-Experte bei "#ranNFL" (prosiebenMaxx), Alex von Kuczkowski als Moderator des erfolgreichsten deutschsprachigen Onlineformats (die "Footballerei") über American Football, und jetzt Ende November Nils Müller, der in jungen Jahren schon Cheftrainer einer Footballmannschaft ist und im TV seinen Ruf als College-Experten unter Beweis stellt - das schlug natürlich ein! Und es münzt sich dann auch in zufriedenstellende Platzierungen in der Amazon-Bestsellerliste um.

Erzählen Sie uns etwas über die nächsten Projekte – worauf können sich die Randbreiten-Leser freuen?

Stand jetzt erscheinen im Frühjahr die beiden nächsten Titel: Das eine ist ein lustiges Buch übers Kite-Surfen eines jungen Autoren, der sein Geld bereits mit Comedy verdient. Das andere ist ein Buch über einen ganz besonderen Aspekt deutscher Fußballgeschichte. Ich darf nicht zu viel verraten, aber ich glaube, das könnte ganz groß werden und vor allem in den Neuen Ländern gehörig einschlagen.

Wenn Sie einen Wunsch als Verleger frei hätten, was wäre das?

Mein Geschäft läuft bislang ja ganz überwiegend online ab. Als Buchhändler der alten Schule würde ich mich sehr über ein paar Bilder aus dem stationären Buchhandel freuen, die meine Bücher ausliegend zeigen.

Womit beschäftigen Sie sich, wenn Sie keine Bücher verlegen?

Busley: Da bin ich vermutlich ganz spießig: Ich habe mit meiner Frau einen bald sechsjährigen Sohn, mit dem ich viel lese und kicke. Sonntags gehen wir gerne ins Stadion, meistens zu unserem Dorfverein, dem FSV Kettwig - dort gilt er jetzt schon als der größte Fan.

Bisher bei Randbreiten erschienen:

„ROMO 83 – Ein deutsches Footballleben“ – Roman Motzkus

„NFL Boulevard …hinter den Kulissen der reichsten Liga der Welt“ – Alex von Kuczkowski

Demnächst: "College Football 1-0-1" – Nils Müller

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