Atommüll

Wie wahrscheinlich ist ein Atommüll-Endlager am Niederrhein?

Die Suche nach einem Endlager-Standort gewinnt nach dem ersten Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung an Fahrt.

Die Suche nach einem Endlager-Standort gewinnt nach dem ersten Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung an Fahrt.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Am Niederrhein.  Laut einem Bericht erfüllen die Kreise Wesel und Kleve die geologischen Mindestanforderungen für ein Endlager. Heftiger Protest kommt aus Wesel.

Fast ein Drittel von NRW kommt als Standort für das deutsche Atommüll-Endlager infrage - darunter auch der Niederrhein. Experten haben im Norden des Landes günstige geologische Voraussetzungen für die unterirdische Lagerung der strahlenden Rückstände der Atomstromproduktion ermittelt, wie aus einem am Montag veröffentlichten Bericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hervorgeht.

Auch die Kreise Wesel und Kleve kommen laut Bericht grundsätzlich als Standorte infrage, ebenso wie Teile Ostwestfalens und des Münsterlandes. Dort kommen Tongestein oder Schichten aus Steinsalz vor. Der Süden von NRW und fast das ganze Ruhrgebiet scheiden dagegen als möglicher Standort aus.

Bürgermeisterin Westkamp: „Wesel eignet sich nicht als Atommüllendlager!“

Scharfe Kritik kommt von Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (SPD): „Ich bin empört“, sagte sie im Gespräch mit der NRZ. „Wesel eignet sich nicht als Atommüllendlager!“ Sie rechnet damit, dass sich in ihrer Stadt Widerstand regen wird. „Und ich werde mich an die Spitze der Bewegung stellen“, sagte sie.

Michael Zerkübel vom Anti-Atombündnis Niederrhein glaubt, dass sich massive Widerstände gegen ein mögliches Endlager formieren werden. Er fordert, das komplette Endlagerkonzept zu überdenken. Dazu gehöre auch die Möglichkeit einer Rückholbarkeit.

Sabine Weiss, CDU-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Wesel, sieht in dem ersten Zwischenbericht nur einen allerersten Schritt. „Jetzt geht es weiter. In einem maximal transparenten Verfahren wird alles öffentlich gemacht“, sagt sie zur NRZ. Es wird Fachkonferenzen und Video-Sprechstunden für Bürger geben, erklärt die BGE. Weiss baut dabei auch auf die Kompetenz der Bürgerinitiativen und Verbände.

Bevölkerungsdichte spielt eine Rolle bei der weiteren Eingrenzung

Doch wie wahrscheinlich ist die Ansiedlung eines Endlagers am Niederrhein? Neben der geologischen Beschaffenheit spielt die Bevölkerungsdichte eine Rolle. Und da gehöre die Gegend am Niederrhein und am Rande des Ruhrgebietes „nicht zu der Region, in der die wenigsten Menschen leben“, meint Weiss.

Barbara Hendricks, SPD-Bundestagsabgeordnete des Kreises Kleve und damals als Bundesumweltministerin selbst maßgeblich an dem Gesetz beteiligt, will zwar keine Einschätzung abgeben, wie wahrscheinlich der Bau eines atomaren Endlagers am Niederrhein ist, gibt aber zu bedenken: „54 Prozent der Fläche der gesamten Bundesrepublik erfüllen die Mindestanforderungen. Es wird am Ende aber nur ein einziges Endlager gebaut.“

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