Atomkraft

Wie Deutschland die Bröckelreaktoren in Belgien beliefert

Die Kühltürme des Atomkraftwerks Doel bei Antwerpen: Das AKW ist umstritten.

Die Kühltürme des Atomkraftwerks Doel bei Antwerpen: Das AKW ist umstritten.

Essen.   Die umstrittenen belgischen Atomkraftwerke werden mit Brennelementen aus Deutschland versorgt. Die Bundesregierung fordert den Stopp der Akw.

Der voraussichtlich künftige NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ließ keinen Zweifel daran, wie er den Zustand der belgischen Atomkraftwerke beurteilt. „Die umstrittenen Bröckelreaktoren Tihange und Doel sind ein regelrechtes Sicherheits- und Gesundheitsrisiko für ganz Nordrhein-Westfalen“, sagte der CDU-Landeschef unlängst. Seit Jahren fordern Atomkraftgegner, dass die Anlagen abgeschaltet werden. Die Reaktoren liegen nur rund 70 beziehungsweise 140 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.

Trotz der Sicherheitsbedenken werden die belgischen Atomkraftwerke mit Brennelementen aus Deutschland beliefert. Wie aus ei­nem Schreiben des Bundesumweltministeriums hervorgeht, das unserer Redaktion vorliegt, waren es allein nach Doel 112 Brennelemente im vergangenen Jahr und 64 in den ersten Monaten 2017.

Grüne sehen Armin Laschet in der Pflicht

„Die Bundesregierung sorgt dafür, dass weiter ungebremst Brennelemente in die belgischen Schrottreaktoren geliefert werden“, kritisiert Britta Haßelmann, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag. „In den letzten beiden Monaten waren es wieder acht nach Doel.“

Haßelmann sieht auch die künftige NRW-Landesregierung in der Pflicht. „Ich erwarte von Armin Laschet, dass er nicht nur als zukünftiger Ministerpräsident von NRW, sondern sofort in seiner Eigenschaft als Mitglied des CDU-Präsidiums alles dafür tut, dass diesem Treiben ein Ende bereit wird“, sagte sie.

Bei neuer Untersuchung in Tihange Risse entdeckt

Bei einer neuen Untersuchung im Atomreaktor Tihange 2 sind bei Kontrollen weitere Risse entdeckt worden. Im Hochdruckkessel fanden Experten 70 Risse mehr als bei der vorigen Inspektion 2014, wie der belgische Innenministers Jan Jambon erklärte. Die Sicherheit des Reaktors sei damit allerdings in keiner Weise infrage gestellt, beteuerte Jambon. Die zusätzlichen Risse habe man erkannt, weil eine Kamera anders positioniert worden sei.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte Belgien schon im Frühjahr 2016 vergeblich aufgefordert, die Atomkraftwerke Tihange 2 und Doel 3 bis zur Klärung von Sicherheitsfragen vom Netz zu nehmen.

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