Privatisierung

Westspiel-Mitarbeiter sorgen sich um ihre Jobs

Auch das Casino in Duisburg gehört zu Spielbanken, die das landeseigene Unternehmen  Westspiel betreibt.

Auch das Casino in Duisburg gehört zu Spielbanken, die das landeseigene Unternehmen Westspiel betreibt.

Foto: Marcel Kusch

Essen/Duisburg.   NRW will seinen Spielbanken-Betreiber Westspiel privatisieren. Bei den Beschäftigten ist die Unruhe groß. Sie fordern Arbeitsplatzsicherheit.

Der Poker um die Zukunft des landeseigenen Spielbanken-Betreibers Westspiel geht in die entscheidende Runde. Mit der europaweiten Suche nach einem sogenannten Transaktionsberater hat die Regierung den ersten Schritt des unter den rund 1000 Beschäftigten stark beargwöhnten Privatisierungsverfahrens gestartet. Noch liegen nicht alle Karten auf dem Tisch, wie das Unternehmen mit vier Spielbanken in Duisburg, Dortmund, Aachen und Bad Oeynhausen sowie der Konzession für eine fünfte NRW-Spielbank in Köln nach dem Verkauf aussehen wird. Westspiel-Mitarbeiter sind in Sorge um ihre Jobs. Ein Überblick.

Warum will das Land die Westspiel-Gruppe verkaufen?

Der Spielbank-Betreiber schreibt seit Jahren rote Zahlen. Mit der Privatisierung von Westspiel setzt Schwarz-Gelb eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag um. Darin hatten sich CDU und FDP darauf verständigt, alle Landesbeteiligungen auf einen möglichen Verkauf hin zu prüfen. Der Westspiel-Verkauf wäre die erste Privatisierung, die Schwarz-Gelb umsetzt.

Wie ist der Stand des Verfahrens?

Westspiel gehört formal der NRW.Bank. Das landeseigene Kreditinstitut sucht derzeit per EU-weitem Ausschreibungsverfahren nach einem erfahrenen Transaktionsmanager, der den komplizierten Privatisierungsprozess eines staatlichen Glücksspielunternehmens koordiniert. Das bestätigte das NRW-Finanzministerium dieser Zeitung. Für den Verkauf muss das Spielbankgesetz geändert werden, um bindende politische Vorgaben für einen potenziellen Erwerber machen zu können. Westspiel solle als Einheit verkauft werden, betonte das Ministerium.

Wer kommt als Käufer in Betracht?

Im Prinzip Bewerber aus der gesamten EU. Die Privatisierung erfolgt über ein europaweites Bieterverfahren. Großes Interesse wird der ostwestfälischen Gauselmann-Gruppe nachgesagt. Das Unternehmen (knapp drei Milliarden Euro Jahresumsatz/rund 12.000 Beschäftigte) ist ein Großer der Zunft. Gauselmann betreibt bundesweit 300 Merkur-Spielotheken, hält Beteiligungen an Spielbanken in anderen Bundesländern und ist auch im Online-Spielgeschäft aktiv. Genannt wird zudem die Novomatic-Gruppe, Marktführer von Sportwetten in Österreich.

Ist Westspiel ein Sanierungsfall?

Das ist eine Frage des Standpunktes. Nominell macht das Unternehmen mit Sitz in Duisburg seit Jahren Verluste. Trotz eines leichten Anstiegs der Bruttospielerträge auf 81,3 Millionen Euro fehlten im abgelaufenen Geschäftsjahr 7,6 Millionen Euro in der Westspiel-Kasse. Gegenüber 2016 haben sich die Verluste damit mehr als verdoppelt. Das macht Westspiel aus Investorensicht unattraktiver. Ohne die Spielbank-Abgabe, die nach dem NRW-Spielbankgesetz an die Standort-Kommunen und über die Stiftung Wohlfahrtspflege an gemeinnützige Organisationen abfließen, wäre Westspiel allerdings hoch profitabel. Pro Jahr fließen durchschnittlich rund 30 Millionen Euro für öffentliche und soziale Belange ab. Allein die Stadt Dortmund erhielt aus den Erlösen der Spielbank Hohensyburg im vergangenen Jahr 2,7 Million Euro. Das Land will nach eigenem Bekunden die Einnahmen für die Stiftung auch nach dem Verkauf sichern.

Warum sind Mitarbeiter in Sorge?

Weil ein privater Betreiber auf die Idee kommen könnte, als erstes beim Personal zu sparen, um den Betrieb auch trotz Spielbankabgabe profitabel zu machen. Das befürchten die Betriebsräte. „Mit vergleichsweise wenigen Mitarbeitern bringen wir immerhin 30 Millionen Euro in die Landeskasse ein. Das soll uns erstmal jemand nachmachen“, sagte Dirk Marek, stellvertretender Betriebsratschef der Spielbank Hohensyburg. Ein privater Betreiber könne das wohl kaum schaffen, ohne massiv bei den Kosten zu sparen und Personal abzubauen. Der klassische Spielbetrieb in einem Casino sei nun mal personalintensiv. Für die 33 Spieltische in Hohensyburg brauche man pro Tisch mehrere gut ausgebildete Croupiers, so Marek.

Was fordern die Betriebsräte?

Sie wollen bei Gesprächen über den Verkauf am Tisch sitzen. Marek: „Wir wollen Arbeitsplatzsicherheit, Standortsicherung, Kündigungsschutz sowie den Erhalt unserer Tarifverträge und unserer Altersvorsorge.“ Westspiel dürfe nicht zerschlagen werden.

Sind Spielkasinos in Zeiten von Online-Zockerei noch zeitgemäß?

Beispiel Dortmund: Die ersten Jahre der Spielbank Hohensyburg machten den Glaspalast auf dem Burgberg im Dortmunder Süden zum Mekka für internationale Glücksritter, Stars und Sternchen. Zur Eröffnung 1985 trat kein geringerer als US-Superstar Sammy Davis Jr. auf. Noch im Jahr 2000 pilgerten rund 1,2 Millionen Besucher zur Hohensyburg. 2017 nur noch 260.000 Gäste.

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Die Spielbank Duisburg ist das jüngste Kinder der Casino-Landschaft in NRW – und die umsatzstärkste Spielbank in Deutschland. Das Zocker-Paradies im City-Palais mitten in der Duisburger Innenstadt wurde 2007 eröffnet. Laut Geschäftsbericht kamen 2017 rund 380.000 Besucher an die Spieltische und Automaten.

Mit rund 40 Millionen Euro trägt Duisburg die Hälfte zum Gesamtumsatz der Westspiel-Gruppe bei. 23 Millionen erwirtschaftet Dortmund. Bad Oeynhausen (9,2 Millionen) und Aachen (8,2) rangieren weit dahinter.

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