Kommentar

Was wäre, wenn wir alle weniger Essen wegwerfen?

Sinnloses Wegwerfen von Lebensmitteln sollte eingeschränkt werden, denn es ist ein ethisches und ökologisches Problem.

Sinnloses Wegwerfen von Lebensmitteln sollte eingeschränkt werden, denn es ist ein ethisches und ökologisches Problem.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Berlin  Mehr Sensibilität im Umgang mit unserem Essen kann nicht schaden, meint unter Autor. Die Politik denkt langsam um, wir sollten es auch.

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Letztens in einem Restaurant: Eine Mutter schaufelt Essensreste vom Teller ihrer Tochter in eine Frühstücksbox. Der erste Gedanke: komisch, vielleicht sogar peinlich. Der zweite Gedanke: Warum eigentlich nicht?

Warum sollten Hühnchen und Reis vom Kellner abgeräumt und dann in den Müll geschmissen werden? Das Essen ist doch noch genießbar. Vielleicht schmeckt es sogar kalt. Oder man wärmt es zu Hause noch mal auf. Lebensmittel sind eine kostbare Ware. Sie haben eine gewisse Wertigkeit. Viele von uns vergessen das zu oft. Unsere Vorfahren wussten das. Ihr Überleben hing davon ab.

Lebensmittel wegwerfen ist ein ethisches Problem

Elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland im Jahr in die Tonne geworfen, weltweit sind es 1,3 Milliarden Tonnen. Wir sind eine Wegwerfgesellschaft – und das hört beim Essen nicht auf. Das ist ein ethisches Problem: Viele Menschen auf der Welt leiden an Hunger oder Mangelernährung. Doch das ist nicht alles. Es ist auch ein ökologisches Problem, weil zur Herstellung von Essen wichtige Ressourcen gebraucht werden.

Es gibt seit einigen Jahren eine Bewegung, die gegen diese Verschwendung kämpft, vor allem in Großstädten. Frauen und Männer containern – sie holen aus Protest weggeworfene Lebensmittel, die man noch essen kann, aus den riesigen Mülltonnen der Supermärkte.

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Kann man Müll stehlen?

Rechtlich ist das ein Problem: Fällt das unter Diebstahl? Kann man Müll stehlen? Was ist, wenn der Hof abgeschlossen war? Man kann die Methode des Containerns fragwürdig oder eklig finden – doch die selbst ernannten „Essensretter“ haben das Problem erkannt.

Und auch die Bundesregierung tut jetzt was. Sie will das Wegwerfen von Lebensmitteln bis 2030 um die Hälfte reduzieren. Das sind die Vorgaben der Vereinten Nationen – und Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) macht sich an die Arbeit.

Junge Menschen werfen viel Essen weg

Die Strategie gegen die Lebensmittelverschwendung enthält viele interessante Ansätze, zum Beispiel die Unterstützung von Forschungsprojekten oder die Unterrichtung des Themas an Schulen und Kindertagesstätten – auch weil junge Menschen vergleichsweise oft Essen wegwerfen. Doch der große Wurf, mit dem dieses 50-Prozent-Ziel erreicht werden kann, ist sie wahrscheinlich nicht. Dazu ist das Problem einfach zu groß.

Auch wer zu Recht allergisch ist gegen Bevormundung vom Staat, muss zugeben: Dass Lebensmittel in dieser Menge in die Tonne geworfen werden, ist ein Versagen aller beteiligten Akteure, der Industrie, des Handels, der Restaurants und der Verbraucher.

In anderen Ländern gibt es Gesetze, die die Vernichtung von Lebensmitteln verhindern, etwa in Tschechien. In Frankreich müssen Supermärkte ab 400 Quadratmeter Verkaufsfläche übrig gebliebene Lebensmittel spenden.

Weniger wegwerfen

Sollte die Reduzierung mit Klöckners Strategie nicht gelingen, wären unbürokratische Gesetze in einigen Jahren womöglich die Ultima Ratio. Zumindest sollte man die Erfahrungen, die im Ausland gemacht wurden, auswerten – und dann überlegen, ob Gesetze nötig sind.

Doch auch wir Verbraucher können etwas tun, wenn wir es noch nicht tun: weniger wegwerfen. Natürlich kann es immer mal passieren, dass im Sommer die Milch schlecht wird oder eine Scheibe Brot auf den Boden fällt.

Vermieden werden kann hingegen, dass Lebensmittel im Kühlschrank schlecht werden, weil nicht auf das Mindesthaltbarkeitsdatum geachtet wird. Dass Obst schimmlig wird, weil man nicht daran denkt, es zu essen. Ein bisschen Sensibilität mit unseren Lebensmitteln kann nicht schaden.

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