Personalkarussell

Warum sich die Grünen mit neuen Vorsitzenden selber schaden

Die Vorsitzenden der Grünen, Cem Özdemir und Simone Peter, werden beim Bundesparteitag der Grünen nicht erneut um den Parteivorsitz kandidieren.

Die Vorsitzenden der Grünen, Cem Özdemir und Simone Peter, werden beim Bundesparteitag der Grünen nicht erneut um den Parteivorsitz kandidieren.

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin  Cem Özdemir ist beliebt, doch er kandidiert nicht mehr für den Parteivorsitz. Für die Grünen ist das ein Schnitt ins eigene Fleisch.

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Welch ein Schlamassel. In Zeiten, in denen die Politik nicht gerade überquillt von schlagfertigen, vorzeigbaren, überzeugenden Kandidaten für Spitzenämter, haben die Grünen zumindest einen guten Mann zu viel. Und man muss kein Anhänger der Partei sein, um zu bedauern, dass ein politisches Talent wie Cem Özdemir gerade dabei ist, in die zweite Reihe zu rutschen.

Durch das große Stühlerücken bekommen die Grünen zwei neue Vorsitzende, behalten aber wohl ihre bisherigen Fraktionschefs. Noch-Grünen-Chef Özdemir geht leer aus. Und damit ausgerechnet der Mann mit den türkischen Wurzeln und der schwäbischen Erziehung, der in Umfragen zur Beliebtheit deutscher Spitzenpolitiker in den letzten Monaten regelmäßig sehr gute Noten bekam.

Grünen ernten viel Sympathie

Es gleicht einer Selbstamputation: Denn ob Özdemir eines Tages in Baden-Württemberg Nachfolger des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann werden kann, ist vollkommen offen.

Überhaupt ist die Lage für die Grünen nicht einfach. In den Jamaika-Verhandlungen zeigten sie sich kompromissfähig bis zur Selbstaufgabe, doch das nützte nichts, weil die FDP hinschmiss. Seitdem fliegen den Grünen zwar die Sympathien zu, doch sie wissen auch: Das kann ein Strohfeuer sein.

Ohne Özdemir fehlt streitlustiger Generalist an der Spitze

Kommt es zu einer Neuauflage der großen Koalition, wird es schwer sein, in der Opposition überhaupt noch gehört zu werden. Denn: Ganz rechts führt Alexander Gauland die AfD als drittstärkste Fraktion, ganz links wird Sahra Wagenknecht das soziale Gewissen für sich beanspruchen. Dazwischen sitzt Christian Lindner mit seiner wiederauferstandenen FDP und dem festen Vorsatz, sich als Verteidiger der politischen Mitte zu profilieren.

Was bleibt da übrig? Die Gefahr ist groß, dass die Grünen ohne einen streitlustigen Generalisten wie Özdemir an der Fraktionsspitze nur dann auffallen, wenn es um Klimaschutz, Tierwohl oder Artensterben geht.

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