Inklusion

Verband fordert Masterplan für Förderschulen

Nach heftiger Kritk an der Inklusion, dem gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern in Regelschulen, will Schwarz-Gelb nun umsteuern. Doch auch diese Pläne sind umstritten.

Nach heftiger Kritk an der Inklusion, dem gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern in Regelschulen, will Schwarz-Gelb nun umsteuern. Doch auch diese Pläne sind umstritten.

Foto: Armin Weigel/dpa

Düsseldorf.   CDU und FDP wollen geplante Schulschließungen stoppen. Lehrerverbände sehen den Vorstoß kritisch und befürchten Verschlechterungen.

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Schon Wochen vor der Landtagswahl hatte Armin Laschet (CDU) angekündigt, er würde für den Fall seiner Wahl zum Ministerpräsidenten „gleich in der ersten Kabinettssitzung ein Moratorium für den Erhalt von Förderschulen“ in Nordrhein-Westfalen beschließen lassen.

Am Montag, bei der ersten Arbeitssitzung der Regierung in Münster, hielt der frisch ins Amt gewählte Ministerpräsident Laschet sein Versprechen. Er und seine Minister sendeten das erwartete Signal: Rund 35 von der Schließung bedrohte Förderschulen in NRW sollen erhalten bleiben.

Schwarz-Gelb bringt Antrag ins Parlament

Doch in 13 dieser Schulen endet der Betrieb schon in wenigen Tagen. Lehrergewerkschaften haben daher erhebliche Zweifel, dass die Rettung der Förderschulen tatsächlich gelingen kann, ohne gleichzeitig andere Schulen zu schwächen.

CDU und FDP bringen in der kommenden Woche einen Antrag ins Parlament ein mit dem Titel „Förderschulen vor der Schließung retten“. Darin wird die Landesregierung aufgefordert, die Verordnung über die Mindestgrößen der Förderschulen auszusetzen.

Mindestgröße unterschritten

In den vergangenen Jahren wurden Dutzende Förderschulen geschlossen, weil sie schlicht nicht mehr groß genug waren. Bisher muss zum Beispiel eine Schule mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“ mindestens 144 Schüler haben, wenn sie Primarstufe und Sekundarstufe 1 umfasst. Solche Verordnungen, sagen CDU und FDP, hätten viele Standorte zur Schließung gezwungen. Außerdem schlagen die Fraktionen vor, dass dort, wo eine Schließung nicht zu vermeiden ist, Teilstandorte eingerichtet werden sollten.

Für Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der Gewerkschaft GEW, ist das viel Lärm um nichts. „Das mit den Teilstandorten ist überhaupt nicht neu. Die gibt es schon längst“, erklärt Schäfer. Ein Blick in die Schulstatistik belegt, dass in NRW in der Tat schon Hunderte Förderschulen mit Teilstandorten existieren. Außerdem, so Schäfer, schiebe die Regierung mit ihrem „Moratorium“ nun den Kommunen den Schwarzen Peter zu: „Die müssen doch über Erhalt und Schließung der Schulen entscheiden.“ In vielen Fällen seien die Gebäude der Schulen, die in Kürze geschlossen werden sollen, schon für eine andere Nutzung vorgesehen.

VBE fordert Masterplan

Udo Beckmann, Chef der Lehrerverbands Bildung und Erziehung (VBE), bezweifelt, dass das Förderschul-Moratorium kurzfristig eine größere Wirkung entfalten werde. „Im Kern muss es darum gehen, sicherzustellen, dass all die Schulen, in denen behinderte und nicht behinderte Kinder heute schon gemeinsam lernen, die Ausstattung bekommen, die sie wirklich benörigen. Im Grunde brauchen wir dafür einen Masterplan“, sagte Beckmann dieser Zeitung.

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