Ukraine-Krieg

USA im Ukraine-Krieg: Russland geht nicht ans "Rote Telefon"

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"Ich bin hier nicht als Tourist": Franzose kämpft für die Ukraine

"Ich bin hier nicht als Tourist": Franzose kämpft für die Ukraine

Ein 28 Jahre alter Franzose hat sich für ein ukrainisches Freiwilligenregiment gemeldet, um gegen die russische Invasion zu kämpfen. Er könne sich das nicht einfach ruhig auf dem Sofa anschauen, sagt der Mann, der zuvor schon in Syrien gegen den Islamischen Staat gekämpft hat.

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Washington  Amerikanische Spitzenmilitärs wollen ihre Pendants in Moskau erreichen. Die gehen aber nicht ans Telefon. Warum das gefährlich ist.

Um das unbeabsichtigte Abrutschen in einen Atomkrieg zu verhindern und Zeugnis über die eigenen Ziele im Russland-Krieg gegen die Ukraine abzulegen, versuchen US-Top-Militärs seit einem Monat ihre russischen Gegenstücke über einen eigens gelegten Telefondraht zu erreichen - bisher nach Angaben von Pentagon-Sprecher John Kirby ohne Erfolg.

Wiederholte Versuche von Verteidigungsminister Lloyd Austin und Generalstabschef Mark Milley, mit Russlands Verteidigungsminister Sergej Shoigu und Waleri Gerassimow, Chef des Generalstabs der russischen Streitkräfte, in Kontakt zu kommen, seien von Moskauer Seite zurückgewiesen worden, erklärte Kirby am Dienstagabend laut "Washington Post" in einer Erklärung.

USA und Russland: Diplomatie soll Gefahr von Atomkrieg verringern

Ein regelmäßiger Informationsaustausch der beiden Nuklear-Supermächte über ihr militärischen Aktivitäten und Pläne rund um die Ukraine, der das Risiko von potenziell verheerenden Fehlkalkulationen minimieren soll, findet demnach nicht statt.

Vor einem halben Jahr nach stundenlangen Gesprächen in Helsinki mit Gerassimow hatte Milley, der ranghöchste Soldat der USA, sich noch lobend geäußert. "Wenn die militärischen Leiter von Großmächten miteinander kommunizieren, ist die Welt sicherer", hatte der General gesagt.

Ukraine-Krieg – Hintergründe und Erklärungen zum Konflikt

Milley äußerte sich damals vorsichtig optimistisch darüber, dass Washington und Moskau durch direkten Austausch auf höchster Ebene Missverständnisse früh ausräumen können, bevor sie sich zu handfesten Krisen auswachsen. Dieses Instrument liegt derzeit offenbar brach. Weil Russland nicht ans "Rote Telefon" geht.

Ukraine-Krieg: Weitere Eskalation muss verhindert werden

Verteidigungskreise in Washington sind darüber zunehmend besorgt. Weil Wladimir Putin auf dem Schlachtfeld in den ersten vier Kriegswochen etliche Rückschläge zu verkraften gehabt habe, weil die ukrainische Gegenwehr unerwartet massiv und beständig ist, sei nicht auszuschließen, dass der Kremlherrscher militärisch durch den Einsatz noch massiverer Waffen den Konflikt eskalieren lässt; eventuell auch über die ukrainischen Grenzen hinaus, heißt es im Pentagon.

Was dann voraussichtlich zu Gegenreaktionen der Nato führen würde und das Risiko eines größeren Kriegsgeschehens in Europa berge. Zwar gibt es laut Pentagon eine "Konfliktentschärfungs-Hotline" für Militärs unterer Ränge. Der Austausch der Spitzenvertreter sei aber unverzichtbar, um in heiklen Situationen schnell und verbindlich Spannungen abbauen zu können und so verhängnisvolle Ketten-Reaktionen zu verhindern.

Spitzengespräche zwischen USA und Russland sind selten geworden

Warum Shoigu und Gerassimow für ihre US-Kollegen nicht zu erreichen sind, ist im US-Verteidigungsministerium noch ein Rätsel. Eine Theorie besagt, dass die auf Putin gemünzte Charakterisierung als "Kriegsverbrecher" und "mörderischer Diktator" durch Präsident Joe Biden den russischen Herrscher derart abgetörnt hat, dass er die USA als erbitterten Gegner einstuft, mit dem es sich nicht mehr regelmäßig zu kommunizieren lohne.

Spitzengespräche waren in der Tat in den vergangenen Woche selten. US-Botschafter John Sullivan sprach in Moskau mit seinen Partnern. Jake Sullivan, Joe Bidens Nationaler Sicherheitsberater, hatte jüngst Kontakt mit seinem Counterpart Nikolai Patruschew. Hingegen haben US-Außenminister Toni Blinken und Sergej Lawrow, Putins Chefs-Diplomat, seit Beginn des Krieges am 24. Februar laut US-Stellen keinen offiziellen Austausch gehabt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.waz.de,

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