Pandemie

USA: Trump-Berater soll Corona-Berichte frisiert haben

Trump wegen verharmlosender Äußerungen zur Pandemie in Bedrängnis

Nach den Enthüllungen des renommierten US-Journalisten Bob Woodward hat Präsident Donald Trump seine verharmlosenden Äußerungen zu der Pandemie verteidigt: Er habe "Panik" im Land vermeiden wollen, sagt er.

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Washington.  Trump-Berater Michael Caputo hat auf Facebook Schießereien nach der Wahl prophezeit. Zuvor soll er Corona-Berichte manipuliert haben.

Michael Caputo hat vor 20 Jahren für den Kreml gearbeitet. Im Sold des russischen Energie-Riesen Gazprom versuchte er das Image von Wladimir Putin in den USA aufzupolieren. Heute zahlt der amerikanische Steuerzahler das Gehalt des 58-Jährigen, der sich seit Jahren dicht im Dunstkreis von Donald Tru mp bewegt.

Trumps Aussagen zu Corona sollen von Gesundheitsämtern nicht widerlegt werden

Als führender Öffentlichkeitsarbeiter des 80.000 Mitarbeiter zählenden Gesundheitsministeriums versucht der republikanische Parteistratege, die federführend mit dem Coronavirus beschäftigten Bundesbehörden (NIH, FDA und CDC) auf Trump-Linie zu bringen.

Heißt: Wann immer medizinisch-technische Zweife l an der schnellen Verfügbarkeit eines Impfstoffs bei den Experten laut werden, wann immer steigende Infektionszahlen der trumpschen Sprachregelung zuwiderlaufen, wonach die Epidemie in den USA trotz mittlerweile

so gut wie überstanden sei, tritt der durch aggressive TV-Auftritte in der Russland-Affäre bekannt gewordenen Caputo mit Rückendeckung des Weißen Hauses intern auf die Bremse.

Trum-Berater soll Corona-Berichte frisiert haben

Nach übereinstimmenden Berichten von US-Medien versuchte Caputo, offizielle Berichte der Behörden zu unterdrücken oder so zu frisieren, dass die Diskrepanz zu Trumps Schönwetter-Darstellungen über die Corona-Krise verschleiert wurde. Bevor Experten der für die Arzneimittel-Zulassung, den Seuchenschutz und die Bekämpfung der Pandemie zuständigen Behörden in US-Fernsehsendungen auftreten, beansprucht Caputo für sich das Erlaubnisrecht.

Facebook wird zur Bühne des Caputo-Eklats

Caputos Interventionen gipfelten jetzt in einem 26-minütigen Eklat auf Facebook. Dort beschuldigte der Regierungsangestellte langjährige Wissenschaftler von NIH, FDA und CDC, eine „Widerstandsgruppe” gegen Trump zu bilden und bei „Treffen in Kaffee-Häusern” darüber zu beraten, wie sie dem Präsidenten schaden könnten.

„Es gibt Wissenschaftler, die für die Regierung arbeiten, die nicht wollen, dass es Amerika besser geht, bevor Joe Biden Präsident geworden ist”, sagte Caputo in dem Video ohne jeden Beleg und bezeichnet das Verhalten als das Anzetteln eines „Aufruhrs”.

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Demokraten fordern Caputos Rücktritt nach wirren Vorwürfen an Joe Biden

Im Verlauf des Facebook-Auftritts verstieg sich Caputo, der während des Amtsenthebungsverfahrens gegen Trump in der Russland-Affäre mehrfach von einer Intrige gegen den Präsidenten gesprochen hatte, zu irrlichternden Äußerungen, die ihm jetzt Rücktrittsforderungen eingebracht haben.

Danach werde Trump die Wahl im November klar gewinnen. Allerdings werde der demokratische Widersacher Joe Biden das nicht akzeptieren. Spätestens rund um die Amtseinführungs-Zeremonie am 20. Januar nächsten Jahres werde sich, ausgelöst durch linke, bewaffnete Gruppen, der Streit in Gewalt entladen. „Dann beginnt das Schießen”, sagte Caputo und riet seinen Zuschauern: „Wenn Sie Waffen besitzen, meine Damen und Herren, kaufen Sie sich Munition, weil die wird schwer zu bekommen sein.”

Hintergrund: Donald Trump: Polterkurs wirkt – Biden-Vorsprung schrumpft

Das Weiße Haus schweigt bisher zu den Bemerkungen, die nach Angaben von Sicherheitsexperten „verantwortungslos” und „haltlos” sind. Senatorin Patty Murray und anderen Demokraten forderten gestern die sofortige Abberufung Caputos aus dem Gesundheitsministerium.

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