Kommentar

Urlaub in Corona-Risikogebieten: Virenschutz geht anders

WHO warnt vor weltweit neuen Corona-Hotspots.

Neue Infektionsherde entstehen im Balkan, Israel, Australien, Südafrika und in Peru. Die WHO warnt vor Fahrlässigkeit und schnellen Lockerungen. Doch besonders ärmere Länder sind durch wirtschaftlichen Druck gezwungen den Lockdown zu lockern.

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Berlin.  Urlauber, die aus Risikogebieten zurückkehren, sollten verpflichtend auf das Coronavirus getestet werden, findet Alessandro Peduto.

Am kommenden Montag ist es genau ein halbes Jahr her, dass in Deutschland der erste Corona-Fall nachgewiesen wurde. Am 27. Januar wurde das Virus bei einem Mann aus dem Raum München erstmals festgestellt. Der 33-Jährige hatte sich bei einer Kollegin angesteckt, die aus China angereist war.

Damals ahnte noch niemand, wie sehr das Leben in Deutschland wenige Wochen später von dem hochansteckenden Erreger beherrscht werden würde. Die Gefahr war neu, der Umgang mit ihr ebenso.

Corona im Urlaub: Das Virus reist mit

Das ist heute anders. Laut Weltgesundheitsorganisation sind dem Virus rund um den Globus etwa 630.000 Menschen zum Opfer gefallen. Mehr als 9000 waren es allein in Deutschland. Die Bedrohung, die von Corona ausgeht, ist nahezu allgegenwärtig, wobei manche Länder stärker von der Pandemie betroffen sind als unseres.

Das gilt es in diesem Sommer auch bei der Wahl des Urlaubsziels zu beachten. Das Virus reist mit. Meistens hat es sich sogar schon vorher am Ferienort ausgebreitet.

Risikogebiete sind nichts für Urlauber

Umso verstörender, wenn Urlauber glauben, ausgerechnet in einem Hochrisikogebiet Erholung zu finden. Der Gedanke, nach der Rückkehr in Deutschland für 14 Tage in häusliche Quarantäne zu müssen, hat nichts Entspannendes. Es sei denn, man hält sich ohnehin nicht an diese Vorschrift und geht nach der Heimkehr seinem gewohnten Alltag nach.

Die Sommerferien bergen in dieser Hinsicht eine besondere Gefahr. Unverantwortliches Handeln einiger weniger infizierter Urlaubsheimkehrer genügt, um ganze Landstriche in Ansteckungsherde zu verwandeln. Ein erneuter Lockdown kann die Folge sein. Am Ende trifft das viele.

Corona-Test am Flughafen sollte verpflichtend sein

Dieser Gefahr wollten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern begegnen. Am Freitag einigten sie sich darauf, direkt an den Flughäfen Stationen für Corona-Tests einzurichten. Dort sollen sich Rückkehrer aus Risikogebieten testen lassen können – kostenlos und freiwillig.

Eine Verpflichtung zum Abstrich gibt es nicht. Das ist absurd. Denn wie soll das Virus wirksam bekämpft werden, wenn seine Erkennung mehr oder weniger nach dem Lustprinzip funktioniert? Wer in Corona-Risikogebieten Urlaub macht, bringt von dort ein Risiko mit nach Deutschland zurück.

Es ist daher kein Akt des guten Willens, eine Infektion und damit eine Gefährdung anderer auszuschließen. Es müsste Pflicht sein – und zwar auch für Urlauber, die per Auto, Zug oder Schiff aus Risikogebieten hierher zurückkehren.

Corona-Management wirft Fragen auf

Ohnehin wirft das Corona-Krisenmanagement der Politik in Bezug auf die Urlaubszeit Fragen auf. Die sommerliche Reisesaison läuft schon seit Wochen. Angefangen hat sie mit den Pfingstferien in Bayern und Baden-Württemberg, dann folgten schon die großen Ferien in einigen anderen Bundesländern.

Dennoch wird erst jetzt geregelt, wie Corona-Schutz in der Reisesaison ablaufen soll. Dabei war seit Langem absehbar, welche Probleme anstehen würden. Es wurde viel Zeit vertan.

Corona-Warn-App funktioniert nicht richtig

Hinzu kommt, dass sich die viel gelobte Corona-Warn-App dieser Tage als wenig wirkungsvoll entpuppt. Gewiss, technische Neuheiten funktionieren selten vom ersten Tag an ohne Zwischenfälle. Kaum jemand erwartet das. Dennoch hat es Wochen gedauert, ehe festgestellt wurde, dass die App auf bestimmten Android-Smartphones nur bei gewissen Benutzereinstellungen ihren Zweck erfüllt.

Wochen können in einer Pandemie bekanntlich eine lange Zeit sein. Weder bei

den Eindruck, die Überwachung des Infektionsgeschehens voll im Griff zu haben. Deutschland stolpert gerade durch die Pandemie. Das ist kein tragbarer Zustand. Denn er kostet Vertrauen.

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