Wasserqualität

Umweltschützer beklagen kritischen Zustand der Flüsse in NRW

In NRW sind laut WWF nur etwa acht Prozent der Fließgewässer in einem ökologisch guten Zustand. Zu wenig, kritisieren die Umweltlobbyisten.

In NRW sind laut WWF nur etwa acht Prozent der Fließgewässer in einem ökologisch guten Zustand. Zu wenig, kritisieren die Umweltlobbyisten.

Foto: Hans Blossey

Essen/Berlin.   Der WWF kritisiert im Bundes-Wasserreport die hohe Belastung von Fließgewässern mit Nitrat und Quecksilber. Selbst viele Bäche seien begradigt.

Die Mehrheit der Flüsse und Bäche in Nordrhein-Westfalen ist nach Einschätzung von Umweltexperten in einem schlechten ökologischen Zustand. Die Gewässer seien zu stark durch Schadstoffe wie Quecksilber und Nitrat belastet und in ihrem natürlichen Verlauf durch Bauwerke erheblich eingeschränkt, wie die Umweltorganisation WWF in ihrem am Montag veröffentlichten Wasserreport kritisiert.

„Nur acht Prozent der Fließgewässer in NRW sind in einem guten ökologischen Zustand“, sagte Christian Heinrich, Naturschutz-Vorstand beim WWF Deutschland. Das entspreche zwar dem Bundesdurchschnitt. Im Vergleich mit den anderen Flächenländern stehe NRW aber unterdurchschnittlich da.

Nitrat und Quecksilberbelastung

Vier von fünf Fließgewässern in NRW sind demnach nitratbelastet. „Dabei schlägt die intensive Nutztierhaltung zu Buche“, sagt Heinrich. In allen Gewässern würden zudem die europäischen Grenzwerte für Quecksilber überschritten. Der WWF führt das auf die Kohlestromerzeugung zurück. Derartige Überschreitungen führten, so der Umweltverband, zu einer Gefährdung der Gewässerorganismen und der menschlichen Gesundheit.

Der WWF appelliert an die Politik, den Wasserschutz in Deutschland insgesamt zu verbessern. Die Politik habe das Thema zu lange verschlafen. „Wir berauben uns unseren eigenen Grundlagen, wenn wir die Gewässer nicht schützen“, mahnte Beatrice Claus, Autorin des WWF-Wasserreports.

Wasserrahmenrichtlinie wird 2019 bilanziert

In dem Papier ist die Qualität der Fließgewässer und des Grundwassers in allen Bundesländern bewertet worden. Einzelne Flüsse wurden nicht betrachtet. Grundlage sind Angaben, die die Länder 2015 selbst erhoben und für eine Zwischenbilanz der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie veröffentlicht haben. Mit der 2000 vom EU-Parlament verabschiedeten Richtlinie hatten sich die Mitgliedsländer verpflichtet, bis 2027 all ihre Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen. Festgemacht wird das vor allem an den in den Gewässern lebenden Organismen und an den Schadstoffbelastungen.

Derzeit verfehlten alle Bundesländer das Ziel der Richtlinie, sagte WWF-Vorstand Heinrich. „Es besteht überall großer Handlungsbedarf.“ Von 31 möglichen Punkten, die ein Land für den ökologischen Zustand, die Wasserqualität und den Zustand des Grundwassern sammeln kann, habe selbst Rheinland-Pfalz an der Spitze des Rankings lediglich 16 Punkte erreicht. NRW kommt auf den drittletzten Platz. Für Hamburg und Bremen liegen keine Gesamtdaten vor.

Bundesweit könnten nur acht Prozent der Bäche und Flüsse als ökologisch intakt bezeichnet werden, beklagte der WWF. Grund sei auch, dass selbst kleinste Bäche begradigt und praktisch alle Flüsse als Wasserstraßen ausgebaut seien.

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