Regierungsbildung

Umfrage – Zwei Drittel der SPD-Anhänger sind für die GroKo

SPD-Mitgliederentscheid über GroKo: Ganze 463.723 SPD-Mitglieder dürfen über den Koalitionsvertrag abstimmen. So funktioniert diese Abstimmung.

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Eine Exklusiv-Umfrage zeigt: 60 Prozent der SPD-Anhänger sind für die große Koalition. Gut weg kommt auch Kanzlerin Angela Merkel.

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Die SPD und der Mittelfinger, das scheint eine ganz besondere Beziehung zu sein. 2013 zeigte der damalige Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Angesicht der Niederlage vor der Wahl auf dem Cover des Magazins der „Süddeutschen Zeitung“ die umstrittene Geste – jetzt hat der Anführer der No-GroKo-Bewegung in der SPD,

.

Er legt den Stinkefinger an die zum Schmollmund gespitzten Lippen – „ein Gruß an die CDU“, wo Kühnert als „niedlicher Kevin“ bezeichnet wird. Bricht sich da beim Juso-Chef bereits der Frust Bahn, weil viele Sozialdemokraten offensichtlich den Koalitionsvertrag mit der Union ganz ordentlich finden?

Eine repräsentative Umfrage der Meinungsforscher von Kantar Emnid für diese Redaktion belegt, dass 66 Prozent der SPD-Anhängerschaft für eine Neuauflage der großen Koalition sind. Nur 30 Prozent lehnen diese ab und würden eine Neuwahl bevorzugen. Im Lager von CDU und CSU sieht es noch deutlicher aus. 78 Prozent der Unions-Anhänger sind für die GroKo, nur 17 Prozent fänden es besser, noch einmal die Wähler zu befragen.

Eindeutig für Neuwahlen, die der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier herbeiführen könnte, sind Anhänger der Linkspartei (55 Prozent) und der AfD (80 Prozent).

Entscheidung liegt in den Händen der SPD-Mitglieder

In der gesamten Bevölkerung hat die GroKo ein deutlich schlechteres Image als in der Anhängerschaft von SPD und Union. 49 Prozent der von Montag bis Mittwoch 1006 befragten Deutschen sind dafür, dass Schwarz-Rot es noch einmal miteinander probiert – immerhin 42 Prozent hätten lieber eine Neuwahl.

Ob die GroKo kommt oder nicht, liegt allein in den Händen der knapp 464.000 SPD-Mitglieder. Die Basisbefragung läuft seit dem 6. Februar und endet am 2. März. Eine Frau wird dann am 4. März ganz besonders an den Lippen von SPD-Schatzmeister Dietmar Nietan hängen, der im Willy-Brandt-Haus in Berlin das Ergebnis verkünden wird: Angela Merkel. Nur wenn die SPD-Basis mitzieht, kann sie sich noch vor Ostern mit einer breiten Mehrheit im Bundestag zum vierten Mal zur Kanzlerin wählen lassen.

Merkel genießt bei den meisten Parteien Respekt

Jeder zweite Bürger (49 Prozent) geht davon aus, dass Merkel für volle vier Jahre im Amt bleibt. Allerdings fordern 44 Prozent, sie solle bereits vor Ablauf der Wahlperiode (die bis 2021 dauert) an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin übergeben. Interessant ist, dass selbst 54 Prozent der SPD-Anhänger sich wünschen, dass Merkel bis 2021 weitermacht. Bei den Unionsanhängern hat Merkel ungeachtet der harschen Kritik in der CDU an der Verteilung der Ministerien und den Inhalten des Koalitionsvertrags unverändert breiten Rückhalt. 74 Prozent sind für eine volle Amtszeit der 63-Jährigen, die Deutschland seit 2005 regiert.

Auch bei den Anhängern der anderen Parteien genießt Merkel Respekt. 61 Prozent des grünen Lagers will, dass Merkel die nächsten vier Jahre die Regierung anführt, bei der FDP sind es 45 Prozent, bei den Linken 42 Prozent. Bei der AfD, die Kanzlerin Merkel wegen ihrer humanen Flüchtlingspolitik im Sommer 2015 (neben der CSU) besonders hart anging, setzen 86 Prozent der Anhänger darauf, dass Merkel keine vier Jahre durchhält.

Regionalkonferenzen starten in Hamburg und Hannover

. „Für mich gehören diese beiden Ämter in eine Hand, um auch eine stabile Regierung führen zu können“, sagte sie. „Dabei bleibt es.“ Sie habe vor der Bundestagswahl gesagt, dass sie wieder für vier Jahre antreten wolle. „Ich gehöre zu den Menschen, die Versprochenes auch einhalten.“

Aber wie gesagt: Die Kanzlerin befindet sich erst einmal in der Hand der SPD-Mitglieder. Bereits 2013 hatten die Sozialdemokraten ihre Basis vor dem Eintritt in die Bundesregierung um Erlaubnis gefragt. Damals beteiligten sich knapp 370.000 Mitglieder, gültig waren rund 338.000 Stimmen. Für die GroKo waren seinerzeit 75,96 Prozent, dagegen 23,95 Prozent.

2013 setzte der damalige SPD-Chef Sigmar Gabriel die GroKo erfolgreich durch – nun liegt der Ball im Feld der designierten SPD-Vorsitzenden

. Sie startet ihr Werbetour für den Koalitionsvertrag an diesem Wochenende. Am Samstag finden die ersten von sieben Regionalkonferenzen in Hamburg und Hannover statt. Seit’ an Seit’ mit Nahles wird Olaf Scholz auf die Verhandlungserfolge der SPD gegenüber der Union verweisen. Der Hamburger Regierungschef hat bis zu einem Sonderparteitag am 22. April in Wiesbaden übergangsweise den SPD-Vorsitz übernommen.

„Die Göttinnendämmerung hat längst begonnen“

Diese Rolle war eigentlich für Nahles vorgesehen. Mehrere Landesverbände fühlten sich jedoch überrumpelt und kritisierten, dass Nahles zwar Fraktionschefin im Bundestag sei, aber derzeit kein Parteiamt habe – und damit nicht kommissarisch die Nachfolge des zurückgetretenen Martin Schulz antreten könne. Nahles trägt diesen Dämpfer mit Fassung. Inzwischen haben sich in der SPD drei Gegenkandidaten gemeldet, die beim Parteitag Nahles herausfordern wollen. Darunter sind zwei Kommunalpolitiker aus Schleswig-Holstein. „Das ist halt ein eigenes Völkchen, die Schleswig-Holsteiner“, sagt die Pfälzerin Nahles.

. „Die Göttinnendämmerung hat längst begonnen.“ Merkel werde angezählt von ihren eigenen Leuten, weil die SPD ihr sechs Ministerien, darunter die Ressorts Außen, Finanzen und Arbeit/Soziales, abgeluchst habe. Wer für die SPD als Minister ins Kabinett geht, will die Partei erst nach dem Mitgliederentscheid bekannt geben.

Nahles: "Merkels Göttinnendämmerung hat längst begonnen"

Bis dahin hofft die Parteispitze, dass nach dem Wirbel um Martin Schulz, der nach einem Jahr voller Rückschläge entnervt den Vorsitz niederlegte, Ruhe einkehrt. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig twitterte am Donnerstag eine Wunschliste zu Beginn der Fastenzeit: „Kein Fleisch, kein Alkohol, keine Schokolade – keine Chaostage SPD!“

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