Kinderrechte

Umfrage: Kinder aus NRW kennen ihre Rechte kaum

Kinder beklagen, dass sie beim Bau von Spielplätzen kaum gefragt werden. Foto:dpa

Kinder beklagen, dass sie beim Bau von Spielplätzen kaum gefragt werden. Foto:dpa

Essen.   Weniger als jedes fünfte Kind und knapp ein Viertel der Erwachsenen können einzelne Kinderrechte benennen. Kinderhilfswerk fordert Info-Offensive

Seit über 25 Jahren gilt die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) in Deutschland – doch was in dem internationalen Regelwerk steht, weiß kaum einer: Weniger als jedes fünfte Kind in NRW und knapp ein Viertel der Erwachsenen können einzelne Kinderrechte wie das auf Bildung, Freizeit oder Information benennen. Das geht aus einer bundesweiten repräsentativen Umfrage unter rund 3200 Zehn- bis 17-Jährigen und Eltern hervor, die das Deutsche Kinderhilfswerk am Mittwoch vorstellte.

Sprecher Uwe Kamp sieht erheblichen Nachholbedarf: „Es ist erschreckend, wie wenig Eltern in Deutschland die Rechte ihrer Kinder kennen“, so Kamp. Bundesweit würden 70 Prozent der Eltern Kinderrechte nur vom Namen her kennen. „Wir brauchen eine Bildungsoffensive.“

Nur wenig Mitsprache in den Städten

Auch bei der Umsetzung von Kinderrechten muss nach Lesart der Lobbyorganisation nachgearbeitet werden. Für NRW gilt das für die Mitbestimmung in den Städten. Nur 15 Prozent der Kinder sprechen von häufiger Mitsprache. Im Detail: Sechs Prozent geben an, bei neuen Freizeitangeboten nach ihrer Meinung gefragt zu werden, in Nahverkehrsfragen sind es drei Prozent. Bei Spielplätzen erinnert sich kein Kind an eine Form der Mitsprache. Eltern schätzen die Beteiligung höher ein.

Blickt man auf konkrete Kinderrechte, hinkt NRW im Bildungsbereich hinterher: Nur 72 Prozent der Schüler glauben, dass alle Kinder die gleiche Chance auf einen guten Abschluss hätten – in Bayern sind es 87 Prozent. Häufiger als in anderen Ländern fällt aus Sicht der NRW-Jugend Unterricht aus. Bei Sport, Musik, Kunst und Politik geben jeweils über 40 Prozent der Schüler an, dass Stunden häufig oder gelegentlich nicht stattfänden. Schulklos finden nur Kinder aus Hamburg und Hessen schlimmer als jene aus NRW.

Viel Lob für bekannte Hilfsangebote in Schulen

Viel Lob erhalten die Städte an Rhein und Ruhr indes für Hilfsangebote: 93 Prozent der Kinder wussten laut Umfrage von Sozialarbeitern oder Psychologen an ihren Schulen – ein bundesweiter Spitzenwert.

Die Umfrage mit rund 100 Seiten Datenmaterial von Mobbing bis Freizeitangebote soll in das für Herbst angekündigte Pilotprojekt „Kinderrechte-Index“ einfließen, mit dem das Hilfswerk die Umsetzung der UN-Konvention in Deutschland dokumentieren will. SPD und Union planen laut Koalitionsvertrag derweil, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Ein Vorstoß dazu kam 2017 aus NRW.

Das Landes-Kinderministerium verweist anlässlich der Kritik auf Gesetze und Programme, um Kinderrechte zu fördern. So sei die Beteiligung der Kleinen im Kinderbildungsgesetz hervorgehoben.

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