Ukraine-Krieg

So soll die Integration der Ukraine-Flüchtlinge gelingen

| Lesedauer: 5 Minuten
Faeser kündigt Luftbrücke zur Verteilung von Flüchtlingen an

Faeser kündigt Luftbrücke zur Verteilung von Flüchtlingen an

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat den Aufbau einer Luftbrücke angekündigt, durch die Flüchtlinge von Polen aus auf andere EU-Länder verteilt werden sollen. Deutschland werde dabei helfen, sagte Faeser beim Besuch einer Notunterkunft für Flüchtlinge in Berlin.

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Flüchtlinge aus der Ukraine sollen rasch Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erhalten. Viele von ihnen haben eine Berufsqualifikation.

Rund vier Wochen nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ist die Zahl der Kriegsflüchtlinge in Deutschland auf etwa 283.000 gestiegen. Die Menschen - zumeist Frauen, Kinder und Ältere - leben aktuell oft in improvisierten Unterkünften und versuchen, sich irgendwie in ihrem neuen Leben in einem fremden Land zurechtzufinden.

Die Sorge um ihre Angehörigen, die in der Heimat geblieben sind, ist immer dabei. Viele der Flüchtlinge hoffen, dass der Krieg bald endet und ihr Leben in Deutschland damit nur ein kurzes Provisorium bleibt. Doch diese Gewissheit gibt es nicht.

Unter Umständen müssen sich die Menschen auf einen längeren Aufenthalt bei uns einstellen, auch, weil ihre Häuser in der Ukraine zerstört sind und es keinen Ort gibt, an den sie zurück können. Die Bundesregierung hat am Mittwoch gemeinsam mit Wirtschaft, Gewerkschaften und Sozialverbänden beraten, wie den Geflohenen aus der Ukraine der Einstieg auf dem Arbeitsmarkt erleichtert werden kann.

Integration von Flüchtlingen: Heil will Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte nach dem Gespräch: „Wir sehen die Menschen, die zu uns kommen, nicht in erster Linie als Arbeitskräfte, sondern als Schutzbedürftige.“ Dennoch sei es auch eine Frage der Vernunft, ihnen einen sofortigen Zugang zum Arbeitsmarkt rechtlich zu ermöglichen. Viele der Flüchtlinge wollten arbeiten. Ihnen müsse eine echte Perspektive gegeben werden.

Heil betonte, ein erster Schritt sei der Ausbau von Sprach- und Integrationskurse. Zudem sei es wichtig, dafür zu sorgen, „dass es ein ausreichendes Angebot an Kinderbetreuung gibt“. Viele der Geflüchteten seien Kinder und Jugendliche, die einen Platz an Schulen und in Kitas benötigten. Auch für die Mütter ist dies laut Heil zentral, wenn sie eine Berufstätigkeit aufnehmen wollen.

Nach Angaben der Kultusministerkonferenz (KMK) werden an deutschen Schulen inzwischen mehr als 20.000 aus der Ukraine geflohene Kinder und Jugendliche unterrichtet. Demnach meldeten die Länder in der vergangenen Woche 20.205 Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden oder Berufsschulen.

Mehr als 20.000 Flüchtlingskinder aus der Ukraine bisher an deutschen Schulen

Dabei fehlten allerdings noch die konkrete Daten aus Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Die tatsächliche Zahl dürfte somit deutlich höher liegen. Heil betonte, um den Menschen den Weg in den Arbeitsmarkt zu ebnen, müsse erfasst werden, welche Berufsausbildung die Geflüchteten haben.

Ukraine-Krise - Alle News zum Konflikt

Es müsse verhindert werden, dass die Menschen dauerhaft Hilfsarbeiten verrichteten oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen tätig sein. Hierzu sei eine intensive Beratung der Menschen über ihre Rechte als Arbeitnehmer vorgesehen. Dies solle auch in der Landessprache erfolgen.

Auch die Anerkennung von Abschlüssen müsse beschleunigt werden. Es habe sich gezeigt, dass die Hälfte der Ukrainerinnen, die gekommen seien, eine akademische Ausbildung haben. „Jetzt geht es darum zu erfassen: wie viel Qualifikation ist da“, verdeutliche Heil.

Arbeitgeber fordern schnelle Arbeitserlaubnis für Ukrainer

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hatte zuvor betont, es sei „richtig und notwendig, dass die Bundesregierung die Integration in den Arbeitsmarkt frühzeitig in den Blick nimmt“. Die Arbeitgeber seien bereit, hier ihren Beitrag zu leisten.

Es gehe um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der Politik und Wirtschaft „an einem Strang ziehen müssen“, sagte Dulger. Wichtig sei, dass die Ausländerbehörden nun zügig Aufenthaltstitel und Arbeitserlaubnis erteilten.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich die Menschen aus der Ukraine als Schutzsuchende bei den deutschen Behörden registrieren. Erst ab dann haben sie Anspruch auf Integrationsleistungen wie finanzielle Unterstützung sowie rechtlichen Zugang zu Bildung, Arbeitsmarkt, fester Unterbringung und Gesundheitsversorgung.

Erst 48.000 ukrainische Flüchtlinge haben sich registrieren lassen

Bis vergangene Freitag waren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) allerdings erst etwa 48.000 ukrainische Staatsangehörige als Schutzsuchende erfasst, wie eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums mitteilte. Inzwischen dürfte die Zahl gestiegen sein.

Die Kommunen sprachen sich für eine rasche Eingliederung von ukrainischen Kriegsflüchtlingen auf dem deutschen Arbeitsmarkt aus. „Eine sinnvolle berufliche Tätigkeit und ein guter Arbeitsplatz sind Booster für die Integration“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, unserer Redaktion.

Kommunen wollen Volkshochschulen bei Sprachkursen für Flüchtlinge einbinden

Landsberg betonte, es sei richtig, alles zu unternehmen, um die Kriegsflüchtlinge schnell in den Arbeitsmarkt zu bringen, zumal in Deutschland überall Fachkräfte fehlten. Ein Teil der Menschen sei „gut beruflich qualifiziert“, betonte Landsberg, „deswegen sollten die beruflichen Qualifikationen schnell und unbürokratisch anerkannt werden“.

Zugleich sprach sich Landsberg für einen einfacheren Organisation von Deutschkursen aus. „Das Verfahren zur Einrichtung solcher Sprachkurse sei bisher „viel zu kompliziert und umständlich“, kritisiert der Hauptgeschäftsführer. Deshalb müssten vor Ort flexible Lösungen etabliert werden. Dies könne etwa „in Zusammenarbeit mit den flächendeckend vorhandenen Volkshochschulen“ erfolge, schlug Landsberg vor.

Ukraine-Krieg – Hintergründe und Erklärungen zum Konflikt

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Politik

Leserkommentare (3) Kommentar schreiben