Amtsenthebung

Trumps Woche der Wahrheit: Wird Sondland sein Sargnagel?

Millionen-Spender für Donald Trump: Der amerikanische EU-Botschafter Gordon Sondland wird am Mittwoch im Vorverfahren zur möglichen Amtsenthebung des US-Präsidenten im Kongress aussagen.

Millionen-Spender für Donald Trump: Der amerikanische EU-Botschafter Gordon Sondland wird am Mittwoch im Vorverfahren zur möglichen Amtsenthebung des US-Präsidenten im Kongress aussagen.

Foto: FRANCOIS LENOIR / Reuters

Washington.  „Er liebt Ihren Arsch“: Wie Amerikas EU-Botschafter Gordon Sondland in der Ukraine-Affäre zum Sargnagel für Donald Trump werden kann.

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Wenn Gordon Sondland am Mittwoch im Vorverfahren zur möglichen Amtsenthebung Donald Trumps vor Fernseh-Kameras live im Kongress aussagt, geht es unter die Gürtellinie. „Er liebt Ihren Arsch“, lautet der Schlüsselsatz. Zugleich steht politisch der Kopf des US-Präsidenten auf dem Spiel.

Der 62-jährige Sondland, der es vom Hotelier aus Oregon und Millionen-Spender für Trump als Washingtons EU-Botschafter unfreiwillig zur Schlüsselfigur in der Ukraine-Affäre gebracht hat, besitzt nach bisherigen Zeugen-Aussagen die mit Abstand intimste Kenntnis darüber, was der Präsident standhaft leugnet.

EU-Botschafter Sondland: Intimster Zeuge in Trumps Ukraine-Affäre

Dass Trump nämlich persönlich gegenüber der Ukraine auf kompromittierende staatsanwaltliche Ermittlungen gegen den für ihn 2020 mutmaßlich ernsthaftesten demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden und dessen Sohn Hunter drängte – und damit nach Überzeugung der Demokraten und vieler Staatsrechtler eklatant gegen die US-Verfassung verstoßen hat.

Mehr noch: Trump knüpfte die Auszahlung von 400 Millionen Dollar US-Militärhilfe an das von Russland angegriffene Land, die der Kongress längst bewilligt hatte, an die Bereitschaft Kiews, gegen Vater und Sohn Biden vorzugehen.

Ein junger Diplomat belastet den Botschafter

Die frischeste Fährte zu Sondland, dessen jüdische Vorfahren aus Danzig und Berlin kommen und vor dem Holocaust an die amerikanische Westküste flohen, legte am Freitagabend ein junger Diplomat mit akkuratem Scheitel.

David Holmes, Berater in der US-Botschaft in Kiew, berichtete unter Eid, dass er gemeinsam mit zwei anderen Zeugen mit am Tisch in einem Restaurant in Kiew saß, als Sondland am 26. Juli über ein ungeschütztes Mobil-Telefon mit Trump telefonierte. Der Zeitpunkt ist relevant.

Sondland: „Er macht das. Er würde alles tun, worum Sie ihn bitten“

Am Vortag hatte Trump mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskij kommuniziert. Schon da kam die Causa Biden zur Sprache. Im Kontakt mit Sondland 24 Stunden später habe Trump explizit nachgesetzt: „Wird er (Selenskij) die Ermittlungen starten?“. Sondlands Antwort: „Er liebt Ihren Arsch. Er macht das. Er würde alles tun, worum Sie ihn bitten.“

Als Holmes irritiert nachfragte, ob sich Trump für das von russischer Belagerung geplagte Land, in dem über 10.000 Menschen gestorben sind, überhaupt interessiere, winkte Sondland ab. Der Präsident sei nur an „big stuff“, großen Dingen, interessiert. Konkret: die Ermittlungen gegen die Bidens.

Der Druck auf Sondland ist enorm – bei Meineid droht Gefängnis

Zuvor hatten andere Zeugen ausgesagt, dass Sondland gemeinsam mit Trumps Privat-Anwalt Rudy Giuliani federführend bei der Anbahnung des anrüchigen Geschäfts auf Gegenseitigkeit (quid pro quo) gewesen seien. Das nur deshalb nicht zustande kam, weil der Kongress durch einen anonymen Informanten („whistleblower“) davon Wind und Trump kalte Füße bekam. Die Militärhilfe wurde Mitte September ausgezahlt – ohne Bedingungen.

Für Sondland steht am Mittwoch viel auf dem Spiel. „Spielt er Foul, könnte ihn ein Meineid ins Gefängnis bringen“, sagte ein juristischer Kongress-Berater dieser Zeitung, „packt er vollständig aus und erklärt, im Auftrag des Präsidenten gehandelt zu haben, steht Trump vor der Nation als Lügner im Scheinwerferlicht“.

Die bisher spektakulärste Rolle rückwärts

Sondland, politisch völlig unerfahren, ist ein gebranntes Kind. Von allen Zeugen vollzog er die bisher spektakulärste Rolle rückwärts. Mitte Oktober behauptete er in nicht-öffentlicher Sitzung, er wisse nichts von einem Deal nach der Strickart: US-Militärhilfe und eine Visite Selenskijs im Weißen Haus gegen Anti-Biden-Korruptionsermittlungen.

Nachdem der kommissarische US-Botschafter Bill Taylor haarklein das Gegenteil beschrieb und sich dabei auf den Zeugen Holmes berief, drehte Sondland bei und gestand nach einer, wie er sagte, „Gedächtnisauffrischung“: Er habe dem wichtigsten Berater Selenskijs, Andrej Jermak, Anfang September signalisiert, dass die 400 Millionen Dollar nur fließen, wenn Kiew wie von Trump gefordert Wahlkampf-Munition gegen Joe Biden beschafft.

US-Außenpolitik als Faustpfand für persönliche Interessen?

Sondlands Auftritt wird sich an den über zehnstündigen Vernehmungen der Karriere-Diplomaten William Kent, Bill Taylor und Marie Yovanovitch in der vergangenen Woche messen lassen müssen. Das Trio hatte in, wie selbst der Trump-freundliche TV-Sender Fox News befand, „beeindruckender Weise“ dargelegt, wie groß der Schaden für die USA ist, wenn ein Präsident sein Amt missbraucht und die US-Außenpolitik als Faustpfand für persönliche Interessen einsetzt.

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