Trumps Ausstieg: Wie schlimm wird es für die Umwelt?

Merkel: Werden Kampf gegen Klimawandel erfolgreich führen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre Entschlossenheit erklärt, das Pariser Klimaabkommen auch nach der Abkehr der USA zum Erfolg zu führen.
Fr, 02.06.2017, 11.38 Uhr

Merkel: Werden Kampf gegen Klimawandel erfolgreich führen

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Berlin  Der Ausstieg der USA aus dem Abkommen von Klimaabkommen von Paris löst weltweit Empörung aus. Sind die Befürchtungen gerechtfertigt?

Mit dem angekündigten Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaabkommen hat sich US-Präsident Donald Trump gegen den Rat aus Wirtschaft und Wissenschaft gestellt – und gegen den Rest der Welt. Die USA schadeten damit eher sich selbst, glaubt der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber. Doch befürchtet wird nun, dass die Abkehr der USA eine Kettenreaktion auslöst und sich weitere Staaten vom Klimaschutz verabschieden. Welche Folgen hat die Entscheidung? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was bedeutet Trumps Entscheidung für das Klima?

Die USA sind nach China der weltweit zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen. Sie sind für rund 16 Prozent des globalen Ausstoßes von Kohlendioxid (CO2) verantwortlich. China steht für 28 Prozent der Emissionen, Deutschland hat einen Anteil von gut zwei Prozent. Pro Kopf gesehen liegen die USA aber an der Spitze der Industrie- und Schwellenländer.

Ein US-Amerikaner produziert durchschnittlich etwa doppelt so viel CO2 wie ein Deutscher und weit mehr als ein Chinese. Welche direkten Folgen der Ausstieg der USA aus dem Klimaabkommen auf die Erderwärmung hat, ist schwer zu sagen. Dazu müssten Wissenschaftler die genaue Tonnenzahl an Treibhausgasen kennen, die nun zusätzlich in die Atmosphäre gelangen. Deon Terblanche, Direktor der Abteilung für Atmosphärenforschung bei der Weltwetterorganisation (WMO) in Genf, sagte am Freitag, dass der Rückzug der USA im schlimmsten Fall eine zusätzliche Erderwärmung um 0,3 Grad zum Ende des Jahrhunderts bedeuten könne. Er betonte jedoch, dass solche Vorhersagen höchst schwierig seien.

Welche Ziele schreibt der Klimavertrag von Paris vor?

Das Abkommen ist im Grunde die Blaupause für den Weg in eine Welt ohne Kohle und Öl. In dem Dokument bekennen sich die Staaten zu einem großen Ziel: Die Erderwärmung soll auf klar unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden. Die Vertragsstaaten sollten sich aber anstrengen, sie bei 1,5 Grad zu stoppen. Dazu wollen die Volkswirtschaften der Welt in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts den Ausstoß ihrer Treibhausgase auf null bringen. Das bedeutet: Schon in wenigen Jahrzehnten müsste die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas enden. Dahinter steckt die Abschätzung der Klimawissenschaft, dass ein Temperaturanstieg von 1,5 bis zwei Grad die Grenze markiere, ab der die Klimafolgen nicht mehr zu beherrschen seien.

Ist das Abkommen schon gescheitert?

Auf kurze Sicht: nein. Die Regularien der Vereinten Nationen sehen eine Art „Kündigungsfrist“ vor. Artikel 28 des Pariser Vertrags besagt, dass ein Land drei Jahre nach Inkrafttreten des Abkommens austreten darf. Stichtag ist damit der 4. November 2016, als der Vertrag von einer ausreichenden Zahl von Staaten ratifiziert wurde. Der früheste Kündigungszeitpunkt wäre also November 2019.

Danach muss der Austrittskandidat bis zum formellen Ausscheiden ein weiteres Jahr warten. Wirksam würde der Rücktritt der USA erst am 4. November 2020 – das wäre einen Tag nach der nächsten Präsidentenwahl. Die neue Administration könnte die Kündigung revidieren. Auf Dauer aber kann das langfristige Ziel, die Erderwärmung zu stoppen, ohne einen Beitrag der USA nicht erreicht werden. Die USA hatten unter Barack Obama zugesagt, ihren Ausstoß bis zum Jahr 2025 zwischen 26 und 28 Prozent im Vergleich zu 2005 zu reduzieren.


Was kann Trump kurzfristig anrichten?

Die USA sitzen weiter am Verhandlungstisch und können Entscheidungen beeinflussen und blockieren. Trumps größter Trumpf dürfte das Kappen der finanziellen Zuwendungen an die Vereinten Nationen sein. Im Weltklimavertrag von Paris haben die Industriestaaten zugestimmt, in der Zeit von 2020 bis 2025 jährlich 100 Milliarden Dollar in einen Klimafonds (Green Climate Fund) einzuzahlen. Mit den Finanzhilfen sollen sich ärmere und besonders betroffene Länder gegen die Folgen des Klimawandels wappnen können. 2014 hatten die USA zugesichert, drei Milliarden Dollar für die Erstausstattung des Fonds zu geben.

Kurz vor Ende seiner Amtszeit überwies Obama zur Empörung Trumps noch einmal 500 Millionen Dollar, sodass insgesamt eine Milliarde von den USA gezahlt wurde. Trump hat nun erklärt, er werde der UN für Klimaschutzprogramme nichts mehr überweisen. Damit entsteht in der Finanzierung eine Lücke. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die das Pariser Abkommen mitverhandelte, geht davon aus, dass die Beitragszahlung der USA ab 2018 ausfällt. „Deswegen sind aber nicht die anderen Länder verpflichtet, mehr zu zahlen“, sagte sie.


Wie reagiert die deutsche Industrie?
Die deutsche Industrie ist geschlossen der Meinung, dass die Kündigung der USA eine sehr negative Nachricht ist. Der Hauptgeschäftsführer des Chemieindustrieverbandes VCI, Utz Tillmann, sagte, die Entscheidung schade auch der Wettbewerbsfähigkeit Europas. Denn die Industrie fürchtet, dass US-Unternehmen in energie- und damit klimagasintensiven Branchen nun von den USA unterlaufen werden.

Ein Beispiel: Verschärft Europa nun seine Klimaschutzvorgaben und steigt Deutschland wie gefordert aus der Kohle aus, steigen die Strompreise. Dann wird es zum Beispiel für Aluminium-Hütten noch schwerer, mit der US-Konkurrenz mitzuhalten. Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), der die großen Energieverbraucher vertritt, ist der Meinung, „dass der Austritt der USA zu einem erheblichen Wettbewerbsvorteil für die USA führen könnte“, wie ein Sprecher sagte. Die wichtigste Frage, die die deutsche und europäische Politik nun lösen müsse, sei, wie Wettbewerbsverzerrungen nun vermieden werden könnten.


Bieten sich auch Chancen für die Wirtschaft?
Jenseits der großen Industrieverbraucher mit Sicherheit. Klimaschutzpolitik macht zwar die Produktion vieler klassischer Güter, die CO2-intensiv produziert werden teurer, zum Beispiel Stahl, Zement, aber auch den Transport von Waren. Gleichzeitig bieten sich aber auch Chancen für innovative Unternehmen und Neuerungen. So könnte zum Beispiel die europäische Autoindustrie langfristig davon profitieren, wenn sie einen Anreiz hat, mehr und schneller in Elektroautos zu investieren.


Was bedeutet der US-Austritt für die Verbraucher?
Den Klimaschutz bekommen die Bürger in der Regel nur indirekt zu spüren. Der Handel mit CO2-Zertifikaten in Europa macht Produkte, die bei der Herstellung zu hohen CO2-Emissionen führen, ein klein wenig teurer als die Alternativen. Steigen die USA einseitig aus dem Klima-Deal aus und können die Europäer sich nicht auf Gegenmaßnahmen wie etwa eine Art CO2-Zoll einigen, wären energieintensive US-Produkte häufig günstiger als europäische. Das betrifft aber nur selten Endprodukte, die Konsumenten kaufen, sondern meist Vorprodukte der Industrie, zum Beispiel chemische Grundstoffe.

Eine der wenigen Ausnahmen könnten die Preise für internationale Flüge sein. Während für innereuropäische Verbindungen bereits eine CO2-Abgabe fällig ist, gibt es für Internkontinentalflüge erst Diskussionen darüber. Unwahrscheinlich, dass ein solches System ohne die USA durchgesetzt werden kann.

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