US-Präsident

Trump blockiert Milliarden-Zuschuss für Corona-Tests

US-Bundesstaaten bestellen Kühlwagen für Corona-Tote

Die USA haben am dritten Tag in Folge einen Rekordanstieg bei den Coronavirus-Infektionen verzeichnet. In mehreren Bundesstaaten wurden Kühllaster aufgestellt, um die Leichen zwischenlagern zu können.

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Berlin.  Das Weiße Haus blockiert Berichten zufolge Zahlungen an die Bundesstaaten für Tests. Trump verärgert damit auch seine Parteikollegen.

  • US-Präsident Donald Trump blockiert Zahlungen zur Finanzierung von Corona-Tests
  • In einem Interview spielte Trump die Bedeutung der stark zunehmenden Neuinfektionen in den Vereinigten Staaten erneut runter
  • Bei vielen der Neuinfektionen handle es sich um „junge Leute, die einen Schnupfen haben“, sagte Trump

US-Präsident Donald Trump hat einen weiteren Sündenbock für die Pandemie-Misere in seinem Land gefunden: Corona-Tests. Nach Berichten der „Washington Post“ und der „New York Times“ blockiert das Weiße Haus milliardenschwere Zahlungen zur Finanzierung von Tests. Auch werden demnach staatliche Gesundheitsbehörden von öffentlichen Geldern abgeschnitten.

Damit verärgert Trump auch Parlamentarier in seiner eigenen Partei. Republikaner im Senat hatten ein Hilfspaket geschnürt. Die Bundesstaaten sollten 25 Milliarden Dollar bekommen – für Test-Ausrüstung und die Rückverfolgung der Kontakte von Infizierten. Zudem waren zehn Milliarden Dollar für die Filialen der Behörden Center for Disease Control and Prevention und 15 Milliarden Dollar für die Ableger des National Institute of Health vorgesehen. Lesen Sie hier: Donald Trump prahlt mit diesem Test – Schaffen Sie ihn?

Der Präsident bleibt damit seiner eigenen Logik treu: Die Schuld für die exorbitanten Corona-Zahlen tragen andere. Laut der Johns-Hopkins-Universität wurden in den USA bis Sonntag über 3,7 Millionen Infektionen und rund 140.200 Todesfälle registriert. Die Behörden melden seit knapp zwei Wochen 60.000 bis 77.000 Neuinfektionen pro Tag – mehr als je zuvor seit Beginn der Pandemie. Besonders betroffen sind die Bundesstaaten Florida, Georgia, Texas, Arizona und Kalifornien.

Nach China, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – beiden warf er Vertuschung und zu späte Informationen über das Virus vor – hat Trump nun die Corona-Tests als Ursache für die sich in seinem Land rasant ausbreitende Pandemie ausgemacht.

Trump: Corona ist bei jungen Menschen oft nur wie ein „Schnupfen“

In einem am Sonntag auf dem Sender Fox News ausgestrahlten Interview spielte Trump die Bedeutung der rasch zunehmenden Neuinfektionen in den Vereinigten Staaten erneut runter. Bei der Zunahme in Bundesstaaten im Süden und Westen des Landes handle es sich nur um „Flammen“ oder gar nur „Glutherde“, die rasch gelöscht würden, sagte Trump.

Bei vielen der Neuinfektionen handle es sich um „junge Leute, die einen Schnupfen haben“, sagte Trump. Er behauptete weiter, dass „99,7 Prozent“ aller Corona-Patienten „sehr schnell“ wieder gesund würden. Gesundheitsexperten warnen jedoch, dass es auch bei jüngeren Menschen nach einer Corona-Ansteckung ernsthafte Krankheitsverläufe und sogar Todesfälle geben könne. Lesen Sie hier: Wird Trump eine Wahlniederlage akzeptieren? Präsident sät Zweifel

Trumps Logik: „Mit weniger Tests hätten wir weniger Fälle“

Die Medien übertrieben das Problem, sagte Trump. Gesundheitsexperten wie der renommierte US-Immunologe Anthony Fauci seien zudem ein „bisschen alarmistisch“, sagte Trump in dem Interview weiter. Die Demokraten wiederum werfen Trump Untätigkeit und Versagen vor.

Es gebe mehr Fälle, weil in den USA so viele Tests durchgeführt würden, schrieb Trump bereits Ende Juni auf Twitter. „Mit weniger Tests hätten wir weniger Fälle.“ Führende Virologen wie Anthony Fauci wiesen dies empört zurück.

Wieso Trump versucht, den US-Chef-Virologen zu diskreditieren
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Nach Ansicht von vielen Experten zahlt der Präsident aber den Preis für sein desaströses Corona-Management. Erst hatte er die Gefahren der Pandemie heruntergeredet, danach setzte er die Bundesstaaten unter Druck, den Lockdown zu lockern. Trumps Ziel: Die Wirtschaft und die Börsen sollen wieder unter Dampf gesetzt werden.

Gouverneur kritisiert: Trump geht es nur um Aktienmarkt und Wiederwahl

Kritik hagelte es selbst bei Trumps Republikanern. Der Präsident habe viel zu spät auf die Corona-Bedrohung reagiert, wetterte der Gouverneur des Bundesstaats Maryland, Larry Hogan. „Statt seinen eigenen Gesundheitsexperten zuzuhören, redete und twitterte der Präsident wie ein Mann, dem es mehr um die Ankurbelung des Aktienmarktes oder seine Wiederwahlpläne ging“, schrieb Hogan in einem Gastbeitrag der „Washington Post“.

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Der Einbruch der Konjunktur hat die Wiederwahl-Chancen Trumps deutlich geschmälert. Die Arbeitslosenrate stieg von einem historischen Tiefststand auf zweistellige Werte. In den Meinungsumfragen stürzte der Präsident ab.

Trump trägt erstmals Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit
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Umfragen: Herausforderer Joe Biden mit neun Prozentpunkten vorn

Nach Angaben der unabhängigen Nachrichten-Website realclearpolitics.com liegt der demokratische Trump-Herausforderer Joe Biden auf nationaler Ebene im Durchschnitt um neun Prozentpunkte vorn. Selbst in Bundesstaaten, die Trump 2016 knapp gewonnen hatte, ist Biden derzeit in Führung: in Florida mit 6,4 Punkten, in Pennsylvania mit 7,0 Punkten und in Wisconsin mit 6,0 Punkten.

Auf diese Bundesstaaten kommt es an. Sie zählen zu den heiß umkämpften „swing states“, die in den vergangenen Präsidentschaftswahlen immer wieder zwischen den politischen Lagern wechselten.

Ex-Sicherheitsberater John Bolton schreibt Trump noch nicht ab

Nun versucht Trump, die Reißleine zu ziehen. Er feuerte seinen Wahlkampf-Manager Brad Parscale. Ein von diesem organisierter Auftritt in Tulsa (Oklahoma), der vor teilweise leeren Rängen stattgefunden hatte, trieb den Präsdienten zur Weißglut.

Es sieht gerade nicht gut für den Amtsinhaber aus. Sein ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton, der in einem neuen Buch hart mit dem Präsdienten ins Gericht geht, schreibt ihn jedoch noch nicht ab. Auch 2016 habe Trump in den Umfragen weit hinten gelegen. „Damals war es allgemeiner Konses, dass er verlieren wird”, betont Bolton im Interview mit dem „Spiegel”. „Aber wir sollten auf keinen Fall das Talent der Demokraten unterschätzen, einen Wahlkampf zu vermasseln.”

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