Marine

Thyssenkrupp: Streit um Kriegsschiffe

Foto: Bundeswehr

 Foto: Bundeswehr

Essen.   Der mögliche Verkauf der Marinesparte von Thyssenkrupp ruft die IG Metall auf den Plan. Sie fordert, die Arbeitsplätze zu sichern.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Neue Unruhe bei Thyssenkrupp: Nach der Entscheidung der Bundesregierung, das Unternehmen nicht am Bau des Kampfschiffes MKS 180 zu beteiligen, erwägt Thyssenkrupp einen Verkauf des Werftengeschäfts. Bislang war der Revierkonzern mit seiner Sparte Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) Hauslieferant der Marine. Dass sich dies ändern könnte, rief Gewerkschafter und Politiker auf den Plan. Die IG Metall kritisierte die Bundesregierung und Thyssenkrupp mit scharfen Worten. „Sie tragen die Verantwortung für das drohende Desaster“, sagte Bezirksleiter Meinhard Geiken.

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger steht ohnehin unter Druck. Die Gespräche über eine Fusion des europäischen Stahlgeschäfts mit dem indischen Hersteller Tata gehen in die heiße Phase. Die geplante Abspaltung des traditionsreichen Stahlgeschäfts ist bei der IG Metall umstritten. Außerdem muss sich Hiesinger gegen die Kritik von Investoren wie Cevian und Elliott verteidigen. Die Aktionäre fordern einen tiefgreifenden Konzernumbau. Bis Ende des Monats, so hat es Hiesinger angekündigt, soll es Klarheit zur Fusion geben. In wenigen Tagen trifft sich der Thyssenkrupp-Aufsichtsrat.

„Verantwortung liegt bei der Verteidigungsministerin“

Mit Blick auf den missglückten Marine-Deal sieht die SPD insbesondere bei Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Versäumnisse. „Die Verantwortung für diese Entwicklung liegt bei der Verteidigungsministerin“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff der WAZ. „Es geht nicht nur um Thyssenkrupp, sondern auch um sicherheits- und industriepolitische Aspekte.“ Saathoff bemängelt, dass der sensible Auftrag europaweit ausgeschrieben worden sei. „Wir reden bei Überwasserkriegsschiffen von einer nationalen Schlüsseltechnologie. Insofern war eine europäische Ausschreibung falsch.“ Der FDP-Parlamentarier Hagen Reinhold sagte hingegen: „Nach meiner Kenntnis liegen die Gründe des Ausschlusses offenbar in Performance und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens TKMS.“

Bereits im März war bekannt geworden, dass die Bundeswehr Thyssenkrupp vom Vergabeverfahren für den Bau des wichtigen Kampfschiffes MKS 180ausgeschlossen hat. Dabei ging es um ein Auftragsvolumen von mindestens 3,5 Milliarden Euro für vier Schiffe. An den Thyssenkrupp-Standorten Emden, Hamburg und Kiel sehen Insider nun rund 1000 Stellen bedroht.


Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik