Terrorprozess

Essener Tempel-Bomber belastet IS-Prediger Abu Walaa

Am Dienstag hat der verurteilten Attentäter auf den Essener Sikh-Tempel Yusuf T. gegen den IS-Hassprediger Abu Walaa (im Hintergrund Mitte) ausgesagt.

Am Dienstag hat der verurteilten Attentäter auf den Essener Sikh-Tempel Yusuf T. gegen den IS-Hassprediger Abu Walaa (im Hintergrund Mitte) ausgesagt.

Foto: Holger Hollemann

Celle.   Im Terrorprozess gegen den mutmaßlichen IS-Deutschlandchef Abu Walaa belastet einer der Attentäter auf den Essener Sikh-Tempel den Hildesheimer.

Erstmals hat sich der Attentäter auf den Essener Sikh-Tempel, Yusuf T., öffentlich zu den Hintergründen des Anschlags geäußert – und den Hildesheimer Prediger Abu Walaa belastet. Vor dem Oberlandesgericht in Celle schilderte der 19-Jährige am Dienstag, wie Abu Walaa im März 2016 quasi den letzten Anstoß zu der Tat gab.

Während eines Seminars in der Hildesheimer Moschee des „Deutschsprachigen Islamkreises“ habe Yusuf T. den Prediger angesprochen, ihm berichtet, dass er mit einer Gruppe Jugendlichen das Ziel verfolge, in die Gebiete der Terrormiliz „Islamischer Staat“ auszureisen oder „hier aktiv zu werden“. Daraufhin habe ihn Abu Walaa ermuntert, standhaft zu bleiben und seine Ziele zu verfolgen. „Das war für mich grünes Licht“, sagte der gebürtige Gelsenkirchener. „Er hat mich gepusht, das durchzuziehen.“ Details zu seinen Anschlagsplänen will er aber nicht genannt haben. Im April 2016 zündete der damals noch Jugendliche einen Sprengsatz vor dem Sikh-Tempel, drei Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt.

Angeklagte sollen Jugendliche radikalisiert haben

Der 34-jährige Iraker Abu Walaa und vier seiner mutmaßlichen Helfer müssen sich seit September 2017 vor Gericht verantworten. Ihnen wird unter anderem Unterstützung und Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat vorgeworfen. Sie sollen zahlreiche junge Gläubige radikalisiert und für den IS geworben haben.

Sehr angespannt, aber äußerst konzentriert schilderte Yusuf T., wie er mit 14 Jahren nach und nach in den radikalen Salafismus abdriftete, erst mit dem Gedanken spielte, sich dem IS in Syrien anzuschließen, doch dann den Plan vorantrieb, einen Anschlag in Deutschland zu begehen. Mit anderen Jugendlichen schloss er sich zu einer WhatsApp-Gruppe mit dem Namen „Unterstützer des islamischen Kalifats“ zusammen, stand ihr auch als „Emir“ vor.

Duisburger Hintermann soll Pläne gekannt haben

In den Unterrichten der Mitangeklagten Boban S. und Hasan C. tauschten sich seinen Aussagen zufolge etliche der Jugendlichen mit anderen IS-Sympathisanten aus. Der Dortmunder Boban S. sei ihm als Ansprechpartner für Syrien-Ausreisende genannt worden. Am Rande seiner Unterrichte sei auch über Waffen gesprochen worden: In Brüssel oder Paris gebe es Brüder, die Kalaschnikows zu günstigen Preisen verkauften.

Kurz vor dem Anschlag habe er mit seinen Komplizen auch den Islam-Unterricht von Hasan C. in Duisburg besucht, eine der mutmaßlichen Führungsfiguren im Umfeld von Abu Walaa. Als er bei einem der Treffen von Anschlagsplänen berichtete, habe Hasan C. Tränen in den Augen gehabt und ihn indirekt in seinen Absichten bestärkt. „Er sagte, 1000 Leute wie ihr würden ganz Deutschland, ganz Duisburg erobern“, so Yusuf T. Die Leute würden vor Angst erbeben.

T. nimmt an Aussteigerprogramm teil

Für die den Anschlag auf den Sikh-Tempel war Yusuf T. im März 2017 zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Weil die Verhandlung vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Essens stattfand, war sie nicht öffentlich. In der JVA Iserlohn will sich Yusuf T. vom Salafismus abgewandt haben. er nimmt an einem Aussteiger-Programm teil.

Im Februar dieses Jahres – da lief der Prozess gegen Abu Walaa schon seit fünf Monaten - wandte er sich an die Polizei und schilderte, wie Hasan C. und Boban S. ihn radikalisierten und schließlich auch in seinen Anschlagsplänen bestärkten. Yusuf T. habe erkannt, dass er auf dem falschen Weg war, sagte Burkhard Benecken am Dienstag am Rande des Prozesses. „Er will endlich mit der Vergangenheit abschließen.“

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